Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
In Kreba-Neudorf werden immer zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet, wie hier die dritte und vierte Klasse. Bildrechte: MDR/Viola Simank

14.11.2019 | 15:40 Uhr Grundschule Kreba-Neudorf: Trotz Schülermangels überlebt

In der Grundschule in Kreba-Neudorf bei Niesky lernen nur 38 Kinder. Möglich ist das nur dank des jahrgangsübergreifenden Unterrichts, der 2016 eingeführt wurde. Wie funktioniert das Lernen in altersgemischten Klassen?

Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
In Kreba-Neudorf werden immer zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet, wie hier die dritte und vierte Klasse. Bildrechte: MDR/Viola Simank

In der Klasse von Steffi Kirchhübel steht heute Mathe auf dem Stundenplan. Sie unterrichtet die Klassen drei und vier an der Brüder-Grimm-Grundschule in Kreba. Gemeinsam wiederholt sie mit den 16 Jungen und Mädchen Geometrie: Die Kinder sollen Parallelen mit ihrem Geodreieck zeichnen. Im Lehrplan stimme in diesem Bereich vieles überein, sagt Steffi Kirchhübel. Deshalb könne man dies mit beiden Klassenstufen gut gemeinsam machen.

Neues Konzept rettet Grundschule

Brüder-Grimm-Grundschule in Kreba-Neudorf
Die Brüder-Grimm-Grundschule in Kreba ist in einem alten Schloss untergebracht. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es an der Grundschule in Kreba diesen jahrgangsübergreifenden Unterricht. Zunächst wurden nur die Klassen eins und zwei gemeinsam unterrichtet, seit diesem Schuljahr auch die Klassen drei und vier. Die Entscheidung für das neue Konzept hat die Grundschule gerettet, denn vor ein paar Jahren kam die nötige Zahl von 15 Jungen und Mädchen für eine erste Klasse nicht mehr zusammen, erinnert sich Schulleiterin Jana Graupner.

Was also tun? Die Gemeinde als Schulträger wollte die Schule nicht verlieren und entschied sich für den jahrgangsübergreifenden Unterricht. Möglich macht dies das sächsische Schulgesetz, das mit dieser Art des Unterrichts kleine Schulen im ländlichen Raum erhalten will. An zehn sächsischen Grundschulen wird inzwischen nach diesem Konzept unterrichtet. Neben der klassischen Wissensvermittlung setzt es vor allem auf offenen Unterricht, individuelle Förderung und freie Planarbeit.

Manchmal getrennt, manchmal gemeinsam

Mädchen in einem Klassenzimmer
Gemeinsam lernt es sich besser: Die Kinder helfen sich oft gegenseitig. Bildrechte: MDR/Viola Simank

An der Grundschule in Kreba haben Schüler und Lehrer mit dem jahrgangsübergreifenden Unterricht auch dank der kleinen Klassen gute Erfahrungen gemacht. Die Klassenzimmer sind in zwei Bereiche unterteilt, die durch eine Glastür getrennt sind. Denn nicht immer können beide Klassenstufen gemeinsam unterrichtet werden, sagt Steffi Kirchhübel. Wenn sie also zum Beispiel der vierten Klasse neuen Stoff vermittelt, arbeiten die Drittklässler im Nebenraum selbstständig an ihren Wochenplanaufgaben. Bei Kunst oder Ethik aber könne man vieles gemeinsam machen, auch in Deutsch und Mathe sei dies bei bestimmten Lerninhalten möglich.

Die Kinder nehmen das sehr gut an. Sie lernen gerne zusammen, sie haben aber auch immer wieder Bereiche, wo jeder für sich lernen kann und das ist auch wichtig.

Jana Graupner Schulleiterin

Besseres Miteinander an der Schule

Durch das gemeinsame Lernen könne man zudem das unterschiedliche Lern- und Wissensniveau besser auffangen, sagt Lehrerin Kirchhübel. Wenn Kinder in der ersten Klasse beispielsweise bereits lesen können, dann könne man ihnen auch schon mal Aufgaben der zweiten Klasse geben. "Es kommt aber auch Kindern zugute, die vielleicht ein Jahr nochmal wiederholen. Sie kommen nicht in eine vollkommen neue Klasse, sondern kennen zumindest die Hälfte der Klasse. Das macht vieles leichter."

Das intensive gemeinsame Lernen macht sich auch beim Miteinander der Kinder bemerkbar, haben Steffi Kirchhübel und ihre beiden Kolleginnen beobachtet. So würden sich die Kleineren an den Größeren orientieren und die Größeren wollen Vorbild sein: "Damit ergeben sich viele Konflikte gar nicht, die ich sonst aus Klassen so kenne."
Das Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichts ist übrigens nicht nur in Kreba-Neudorf erfolgreich. Auch die anderen Schulen, die danach unterrichten, berichten von guten Erfahrungen. Mit dem überarbeiteten Schulgesetz von 2017 ist der jahrgangsübergreifende Unterricht nun auch in einzelnen Fächern in den Klassen fünf bis zehn möglich.

Bildergalerie Grundschule Kreba: Gemeinsam lernt es sich besser

Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
In der Grundschule Kreba-Neudorf werden immer zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet, wie hier die dritte und vierte Klasse. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
In der Grundschule Kreba-Neudorf werden immer zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet, wie hier die dritte und vierte Klasse. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Kinder in einem Klassenzimmer
Nicht immer lernen die Kinder gemeinsam. Während einem Teil der Klasse neuer Lernstoff vermittelt wird, arbeitet der andere Teil der Klasse selbstständig im Nebenraum an seinen Wochenplanaufgaben. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Mädchen in einem Klassenzimmer
Gemeinsam gehts besser: Die Kinder helfen sich gegenseitig. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Kopfhörer auf einer Schulbank
Wem es im Klassenraum zu unruhig wird, der kann sich auch spezielle Kopfhörer aufsetzen, um die Geräusche auszublenden. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
Klassenlehrerin Steffi Kirchhübel kontrolliert die Wocheneplanaufgaben und hilft bei Fragen weiter. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.11.2019 | 11:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 15:41 Uhr

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