16.05.2019 | 18:45 Uhr Juniorentscheid an Schulen in Zittau über Bewerbung als Kulturhauptstadt

Am 26. Mai entscheiden die Einwohner von Zittau, ob sich die Stadt um den Titel der Kulturhauptstadt 2025 bewerben soll. Im Vorfeld der Wahl ist auch die Meinung von Kindern und Jugendlichen gefragt - in einem Juniorentscheid. Der beginnt am Montag an zehn Schulen im Stadtgebiet und in den Ortsteilen.

Kinder beim basteln.
Schüler aus der Weinau-Grundschule in Zittau basteln die Wahlurnen für den Juniorentscheid. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Im Speiseraum der Grundschule "An der Weinau" in Zittau haben es sich drei Mädchen, vier Jungen und ein paar Sozialarbeiter in einem Stuhlkreis bequem gemacht. Ringsum auf den Tischen liegen sonnengelbe Plakate mit der Aufschrift "Gönn' dir die Kulturhauptstadt. Du bist dran!". Sie werben für den Juniorentscheid. Auf dem Fußboden liegt ein großes kariertes Blatt Papier. Darauf haben die Kinder mit Filzstift geschrieben, was ihnen an ihrer Stadt gefällt, was nicht und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Juniorentscheid als Zeichen der Wertschätzung

Der Projekttag mit den Dritt- und Viertklässlern an der Weinau-Grundschule dreht sich um die Kulturhauptstadtbewerbung von Zittau und den bevorstehenden Juniorentscheid. Das Kulturhauptstadtbüro will auch die Zittauer befragen, die jünger als 18 Jahre sind. "Das hat den Hintergrund, dass wir nicht über die Zukunft entscheiden können, ohne mit der Zukunft zu reden", sagt Mitarbeiterin Jenny Böttcher. Es ist ein symbolischer Entscheid. Er ist nicht bindend. "Wir wollen damit ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung der Kinder und Jugend in der Stadt und der Region setzen", erklärt sie.

Die Zittauer müssen schon gut überlegen, wie sie entscheiden. Die nächste Kulturhauptstadt kann Deutschland dann erst 2040 wieder benennen.

Jenny Böttcher Mitarbeiterin im Kulturhauptstadtbüro Zittau

John, Felix und Raphael finden es toll, dass sie mitentscheiden dürfen. "Es ist mir sehr wichtig, dass Zittau Kulturhauptstadt wird. Die Einwohner von Zittau können ja selbst entscheiden, das ist klasse. Bei anderen Städten ist das nicht so", sagt Raphael. Und auch Felix ist begeistert, dass er mitbestimmen kann. "Weil es ist ja unsere Zukunft, über die wir entscheiden." Die Wahlurnen für den Juniorentscheid an ihrer Grundschule haben die sieben Mädchen und Jungs am Projekttag auch selbst gebaut. Zusammen mit den Lehrern entscheiden sie, wo sie stehen werden. "Natürlich ist die Wahl freiwillig", betont Jenny Böttcher.

Viele Jugendhilfeträger mit im Boot

Den Juniorentscheid bereitet das Kulturhauptstadtbüro nicht allein vor. Es hat sich die freien Träger der Jugendhilfe aus der Stadt und Region mit ins Boot geholt, darunter den Deutschen Kinderschutzbund, das Jugendhaus "Villa", die Hillersche Villa und das Berufliche Bildungszentrum Bautzen. "Wir sind gemeinsam an den Schulen unterwegs. Dieser Workshop hier findet auch zusammen mit dem Deutschen Kinderschutzbund statt. Die Kinder erfahren so, wo sie immer offene Türen finden", sagt die Kulturhauptstadtbüro-Mitarbeitern.

Grundschüler bereiten sich auf den Entscheid vor

Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Auf einem großen Blatt Papier haben die Schüler aufgeschrieben, was ihnen an Zittau gefällt, was nicht und was sie sich für die Zukunft wünschen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Auf einem großen Blatt Papier haben die Schüler aufgeschrieben, was ihnen an Zittau gefällt, was nicht und was sie sich für die Zukunft wünschen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Sozialarbeiterin Julia Brumme vom Deutschen Kinderschutzbund (l.) spricht mit den Schülern, wie eine Wahlurne aussehen könnte. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Seit Monaten ist Jenny Böttcher vom Kulturhauptstadtbüro unterwegs, um in Zittau und den Ortsteilen für die Idee Kulturhauptstadt 2025 zu werben. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Kinder beim basteln.
Die Jungs funktionieren einen Briefkasten zur Wahlurne um. Die stellen sie dann gemeinsam mit den Lehrern im Schulhaus auf. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Mit gelb-roten Plakaten wirbt das Büro in den Schulen für den Juniorentscheid zur Kulturhauptstadtbewerbung. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Jenny Böttcher (M.) und ihre Kollegen vom Kulturhauptstadtbüro werden von vielen Vereinen unterstützt, unter anderem von den Sozialarbeiter des Deutschen Kinderschutzbundes in Zittau. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Stimmzettel für einen Bürgerentscheid
Auf diesen Stimmzetteln können ab Montag die Zittauer Schüler ihr Votum abgeben. Bildrechte: Kulturhauptstadtbüro Zittau
Juniorentscheid Kulturhauptstadt Zittau
Die Grund- und Oberschule "An der Weinau" beteiligt sich am Juniorentscheid, der am Montag beginnt. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
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Bis Ende dieser Woche werden alle Mitstreiter die Wahlzettel und -plakate an den Schulen der Stadt verteilen. Die Wahlurnen wird jede Schule selbst aufstellen. Ab Montag können dann die mehr als 2.000 Schüler an den Grund- und Oberschulen sowie am Gymnasium darüber abstimmen, ob Zittau sich als Kulturhauptstadt 2025 bewerben soll. Bis Freitagmittag haben sie dafür Zeit. Dann wird ausgezählt und am Nachmittag das Ergebnis bekannt gegeben. Am Sonntag darauf wird es ernst. Dann entscheiden die Zittauer Wähler. Ihr Votum ist – im Gegensatz zum Juniorentscheid – bindend.

Am meisten bewegen die Zittauer drei Themen: die ehemaligen Robur-Werke, die Mandaukaserne und das Brauereigelände.

Jenny Böttcher Mitarbeiterin im Kulturhauptstadtbüro Zittau

Sollten die Zittauer am 26. Mai mit Ja stimmen, wird das Kulturhauptstadtbüro weiter am Bewerbungsbuch arbeiten. Das umfasst 60 Seiten und muss im Herbst abgegeben werden. "Da muss man 40 Fragen in sechs verschiedenen Kategorien beantworten. Wir müssen darin ganz klar darlegen, was wir vorhaben. Wir haben ja mehr als 200 Ideen von den Einwohnern gesammelt", erklärt Jenny Böttcher. Bis Jahresende entscheidet dann eine internationale Jury, welche Städte im Bewerbungsverfahren eine Runde weiterkommen. In Sachsen bewerben sich neben Zittau auch noch Dresden und Chemnitz um den Titel. Deutschlandweit sind es acht Städte. Ende 2020 soll die Siegerstadt feststehen.

Ideen sollen nicht verloren gehen

Doch was passiert, wenn die Zittauer mit Nein stimmen? "Dann machen wir trotzdem weiter. Wir suchen uns die besten Ideen aus, von denen die meisten Menschen in der Stadt etwas haben und versuchen, die in Angriff zu nehmen", so Böttcher. Wahrscheinlich wird die Umsetzung dieser Ideen dann aber länger dauern als mit der Kulturhauptstadtbewerbung im Rücken. Denn damit wäre die Stadt gezwungen, schneller zu handeln.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.05.2019 | ab 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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