Eingangsbereich von Sankt Jakobus
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

03.12.2019 | 10:57 Uhr Neuer Glanz in altem Gemäuer: Sankt Jakobus in Görlitz wird aufgehübscht

Sie ist eines der Wahrzeichen von Görlitz: Die Sankt Jakobus Kathedrale. Bis zur 950-Jahrfeier von Görlitz in drei Jahren soll die katholische Kirche in neuem Glanz erstrahlen. Im Februar beginnt die Innensanierung. Für die Bauarbeiten muss das Gotteshaus komplett geschlossen werden. 3,7 Millionen Euro hat das Bistum Görlitz für die Instandsetzung und Modernisierung veranschlagt.

Eingangsbereich von Sankt Jakobus
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Von Außen präsentiert sich die neugotische Kathedrale Sankt Jakobus bereits sehenswert. Das ist kein Wunder, denn die dreischiffige Hallenkirche erhielt vor fünf Jahren eine aufwendige Außensanierung. Der knapp 70 Meter hohe Glockenturm bekam seine vier Türmchen zurück, das Dach die Zwerchhäuser. Von weiten sind die Ornamente aus roten und gelben Dachziegeln zu sehen. Aber das war nicht immer so, denn in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche stark zerstört.

Blindgänger aus der Kirche gerollt

Eine vollständige Zerstörung der Sankt Jakobuskirche verhinderten mutige Görlitzer. Sie rollten einen Blindgänger auf dem Mittelgang einfach aus der Kirche. Drei Tage später war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Das Gotteshaus wurde nur einigermaßen instand gesetzt. Der Glockenturm erhielt eine einfache Turmspitze, am Dach entfielen Ornamente und Zwerchhäuser. Im Innern verschwand die Ausmalung hinter weißer Farbe. Die Klinker erhielten einen ölhaltigen Anstrich. Doch das soll sich nun ändern.

Zuwachs aus Ost und West

Viele Jahre hat das kleine Bistum Görlitz Geld gespart, um die Kathedrale des Bischofs innen sanieren zu können. 3,7 Millionen sind veranschlagt, wobei die Pfarrgemeinde 100.000 Euro übernimmt. "Endlich könne auch der Innenraum instand gesetzt werden, freut sich Pfarrer Norbert Joklitschke.

Pfarrer in seiner Kathedrale
Pfarrer Norbert Joklitschke freut sich über die bevorstehende Instandsetzung. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Wir wollen nach vorne schauen und nicht nur sanieren, sondern auch erneuern. Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir diese Kirche, diesen Raum brauchen.

Norbert Joklitschke Pfarrer

Die katholische Gemeinde in Görlitz ist eine der wenigen in Deutschland, die seit Jahren wächst. Die Kathedrale St. Jakobus wird also dringend benötigt. Immer mehr polnische Familien siedeln sich in Görlitz an. Etwa 4.000 Polen sind derzeit beim Einwohnermeldeamt registriert. Viele davon sind gläubige Katholiken. Aber auch Heimkehrer und Zuzügler aus dem Westen erhöhen die Zahl der Mitglieder der Pfarrgemeinde "Heiliger Wenzel". "Ihnen allen wollen wir in Sankt Jakobus eine noch schönere Heimstätte bieten", lächelt Pfarrer Joklitschke.

Von Außen nach Innen

Der Zahn der Zeit hat kräftig an der 120 Jahre alten Kathedrale genagt. Klinker sind porös, müssen ausgetauscht werden. Salze fressen an der Substanz des Mauerwerks. Zudem wurden Kriegsschäden einst nur notdürftig geflickt. "Der Innenraum soll aber nicht nur aufwendig saniert, sondern auch noch den Erfordernissen der Zeit angepasst werden", meint Ordinariatsrat Thomas Backhaus als Chef der Bauabteilung des Bistums.

Drei Herren verfolgen die Präsentation einer Architektin
Von links:
Ordinariatsrat Thomas Backhaus, Generalvikar Alfred Hoffmann und Pfarrer Norbert Joklitschke verfolgen die Präsentation der Architektin Doris Kohla.
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Die Sankt Jakobuskirche in Görlitz Die Kathedrale Sankt Jakobus ist am 6. Oktober 1900 nach zweijähriger Bauzeit geweiht worden. Das neugotische Gotteshaus war zunächst als Filialkirche der Gemeinde Heilig Kreuz gedacht. Doch dann erhob der damalige Breslauer Fürstbischof, Kardinal Adolf Bertram das neue Gotteshaus zur Pfarrkirche der neugegründeten Gemeinde Sankt Jakobus in der Görlitzer Südstadt. Nach der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien, wurde Görlitz Exilsitz des Breslauer Domkapitels. In diesem Zusammenhang wurde die Kirche in den Rang einer Kathedrale erhoben. Seit der Gründung des Bistums Görlitz 1994 ist die Kirche die Kathedrale des Bistums und gleichzeitig Pfarrkirche und gehört heute zur Pfarrei Heiliger Wenzel.

Für knapp eineinhalb Jahr dicht

Präsentation der Innensanierung der Kathedrale als PowerPoint
Die Präsentation der Innensanierung der Kathedrale Sankt Jakobus in Görlitz mit zwei Schwerpunkten. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Das Bistum Görlitz hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Bis zur 950-Jahrfeier von Görlitz im Herbst 2021 soll der Innenraum des Gotteshauses in neuem Glanz erstrahlen. Zwei Schwerpunke legte Doris Kohla als Architektin fest: Die bauliche und die gestaltgebende Instandsetzung.

Bei der baulichen Instandsetzung werden Klinkerziegel saniert oder ausgetauscht, Risse beseitigt, Fugen erneuert. Auch der Fußboden bekommt eine Rundumerneuerung. Die Lautsprecheranlage stammt noch aus der DDR-Zeit. Um die Verständlichkeit zu verbessern, wird eine neue Anlage eingebaut, die auch für Konzerte oder Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Akustik der Kathedrale wurde bereits ausgemessen.

Die Beleuchtung wird ebenfalls zeitgemäß erneuert. Dreidimensionale Computermodelle helfen bei der Planung, denn künftig kann die LED-Beleuchtung stimmungsvoll eingesetzt werden. "Wir können damit nicht nur den Altar ins rechte Licht setzen, sondern die Gläubigen haben auch das erforderliche Licht zum Lesen der Gesangsbücher", meint Pfarrer Norbert Joklitschke. Nicht die einzige Veränderung im Innenraum der Kirche. Gänzlich neu gestaltet werden die Orte der Taufe und der Beichte.

Sankt Jakobus Kathedrale wird ein Schmuckstück

Kathedrale von Osten
Außen bereits ein Schmuckstück, nun soll die Innensanierung folgen. Diese soll bis Herbst 2021 abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Kathedrale von Osten
Außen bereits ein Schmuckstück, nun soll die Innensanierung folgen. Diese soll bis Herbst 2021 abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Altarraum in der Kathedrale
Die historische Ausmalung wird wieder hergestellt und durch moderne Elemente ersetzt. Der Marienaltar erhält seine vier Heiligenfiguren zurück. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Marienaltar in St.Jakobus
Der Marienaltar mit Resten der historischen Ausmalung. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Eingangsbereich von Sankt Jakobus
Die Kathedrale soll schöner werden. Deshalb bekommen auch die Bilder über dem Eingangsportal eine Auffrischung. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Beichtstuhl in St.Jakobus
Die Beichtstühle werden umfassend saniert. Hinzu kommt ein zentraler Ort für die anonyme Beichte. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Eingang und Orgelempore von St.Jakobus
Hinter der Orgel soll auf der Empore ein Raum der Erinnerung entstehen, in dem die Schäden auf den letzten Tagen des II.Weltkriegs sichtbar bleiben. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
St.Jakobus Kathedrale von Süden
Bis zur 950-Jahrfeier von Görlitz im Herbst 2021 soll die Innensanierung der Sankt Jakobus Kathedrale abgeschlossen sein. Bildrechte: Bistum Görlitz/Raphael Schmidt
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St.Jakobus Kathedrale von Süden
St.Jakobus Kathedrale in Görlitz von Süden aus gesehen. Bildrechte: Bistum Görlitz/Raphael Schmidt

Kinderkirche in der Kirche

Die Beichtstühle bleiben erhalten, werden umfassend aufgearbeitet. Dazu soll es einen zentralen Raum für die anonyme Beichte geben, der barrierefrei erreichbar sein wird. Bislang gibt es zum neuen Ort der Beichte nur erste Entwürfe. Ebenfalls ist noch unklar, wie der neue Ort der Taufe samt Taufstein aussehen wird.

Fest steht dafür, dass künftig für den Nachwuchs der Kirchgemeinde gesorgt sein wird. Die bislang ungenutzte Martinskapelle wird demnächst zur Kinderkapelle.

Beichtstuhl in St.Jakobus
Die Beichtstühle in der Kathedrale werden umfassend saniert. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Martinskapelle wird eine Ministranten-Sakristei und kann weiterhin als Kinderkapelle genutzt werden. Dort können sich die Kinder während der Predigt versammeln und einen eigenen Kindergottesdienst gestalten.

Doris Kohla Architektin

Neue trifft auf alte Kunst

Der international renommierte Künstler Helge Warme konnte für die Gestaltung der Kathedrale gewonnen werden. Er soll die historische Ausmalung durch moderne Elemente ergänzen. Warme ist in Görlitz kein Unbekannter. Er hat in der Heilig Kreuzkirche den Altarraum neu gestaltet. Dort versteckte er die Frohe Botschaft in einem binären Computercode. Diese Gestaltung sorgte in Görlitz für reichlich Diskussionsstoff.

Ich hatte Helge Warme gefragt, ob er sich vorstellen kann, statt einem Gemälde - einen riesigen Kirchenraum mit 2.400 Quadratmeter Gewölbe und Wand zu gestalten. Er hat ja gesagt.

Thomas Backhaus Ordinariatsrat

Mit Spannung werden nun in Görlitz die Entwürfe des Künstlers erwartet. Nicht nur die Gewölbe und Wände werden in zwei Jahren die Blicke auf sich ziehen, sondern auch der Marienaltar. Er bekommt seine vier Heiligenfiguren zurück.

Die Erinnerung bleibt erhalten

Bei der Sanierung der Sankt Jakobus Kathedrale hat das Bistum auch spätere Generationen im Blick. So auf der Orgelempore in einem Raum an den Krieg erinnert werden.
"Dort werde nichts saniert, damit die Kriegsschäden sichtbar bleiben, sagt Ordinariatsrat Thomas Backhaus. Weiterhin sei vorstellbar, dort zerstörte oder beschädigte Utensilien zu zeigen, um die Erinnerung auch an schreckliche Zeiten auch in der Sankt Jakobus Kathedrale wachzuhalten."

Eingang und Orgelempore von St.Jakobus
Auf der Orgelempore sollen in einem Raum die Kriegsschaden weiterhin sichtbar bleiben, als Erinnerung an eine schreckliche Zeit. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.11.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 10:57 Uhr

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