Dorfschmiede mit Schmied am Amboss.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Vom Schwert bis zur Pflugschar Kein Hitzefrei in der alten Dorfschmiede Arnsdorf

Es ist einer der wärmsten Arbeitsplätze in Sachsen: In der Schmiede Arnsdorf herschen am Feuer Temperaturen bis zu 80 Grad. Hitzefrei kennen die Schmiede in Arnsdorf trotz Saunatemperaturen nicht: Eisen muss geschmiedet werden, solange es heiß ist! Auch bei hochsommerlichen Temperaturen.

Dorfschmiede mit Schmied am Amboss.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Wenn die Sonne am Morgen über die Königshainer Berge auf das kleine Arnsdorf scheint und die Quecksilbersäule beginnt zu klettern, dann brennt bereits das Feuer in der alten Dorfschmiede. "Bei der derzeitigen Hitze haben wir dann hier am Schmiedefeuer trotz dicker Wände aus Granit um die 80 Grad, " sagt Reik Dießner, der Juniorschmied.

Bei der derzeitigen Hitze entzünden wir das Schmiedefeuer gegen fünf Uhr, also viel viel früher sonst. Das Schmiedefeuer hat mehr als 1.000 Grad und das strahlt schon ein bisschen ab.

Reik Dießner Schmied

Das Gebläse läuft an, die Steinkohle glüht auf, die Flammen zucken. Reik Dießner schwingt den Hammer und Vater Harald hat das Eisen im Feuer. Schweiß rinnt über die Haut und der Hammer formt das heiße Eisen auf dem Amboss. Für eine bayrische Firma schmieden die Arnsdorfer sogenannte Schachthaken. Die Dorfschmiede hat eine mehr als 100 Jahre alte Tradition. Auf der Wetterfahne auf dem Dach ist die Jahreszahl 1852 zu sehen. Das Schmiedefeuer brennt bei den Dießners bereits in der vierten Generation und die fünfte guckt neugierig um die Ecke. 1988 hat Harald Dießner die Schmiede von seinem Vater übernommen und nun gibt der 63 Jahre alte Schmiedemeister den Handwerksbetrieb an seinen Sohn Reik weiter.

Das ist eines der letzten Schmiedefeuer, das wie früher mit Steinkohle feuert. Die meisten Kollegen in der Oberlausitz setzen mittlerweile auf Gas.

Harald Dießner Schmied

Traditionelles Handwerk wird weiter gepflegt

Allein von der Schmiede könnten die Familie nicht überleben. Deshalb gehört noch ein Metallbau zum Unternehmen. Aber das Herz der Familie hängt natürlich an der Schmiede, die nahezu unverändert die Zeiten überdauert hat. Vor allem freut es die Handwerker, wenn Bauern wieder ihre Pflüge zum Schärfen bringen. Dann schwingen die Schmiede nicht mehr selbst den Hammer, aber es ist immer noch Handwerk. Über breite Transmissionsriemen wird ein Hammerwerk in Gang gesetzt. Die dicke Antriebswelle bezieht ihre Kraft aus einem Elektromotor, früher sorgte der benachbarte Bach für den Antrieb.

Bildergalerie Hitze und Schmiedekunst in Arnsdorf

Traditionelles Schmiedefeuer mit Steinkohle.
Traditionelles Schmiedefeuer mit Steinkohle ist sehr selten geworden in Sachsen. Die meisten Schmiede verwenden mittlerweile Gas. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Traditionelles Schmiedefeuer mit Steinkohle.
Traditionelles Schmiedefeuer mit Steinkohle ist sehr selten geworden in Sachsen. Die meisten Schmiede verwenden mittlerweile Gas. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Reik Dießner am Schmiedefeuer.
Bis zu 80 Grad muss Reik Dießner derzeit am Schmiedefeuer ertragen. Sauna am Arbeitsplatz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Handgeschmiedete Eisenspitzen.
Diese Schachthaken werden noch traditionell mit der Hand geschmiedet. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schmied Reik Dießner.
Trotz der Hitze am Schmiedefeuer gibt es kein Hitzefrei für Reik Dießner. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Reik Dießner beim Schmieden eines Hakens.
Auch bei der Hitze im Sommer schwingt Reik Dießner als Schmied am Amboss den Hammer - nunmehr in vierter Generation. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Schwerter und Kriegsbeile aus der Dorfschmiede Arnsdorf.
Handgeschmiedete Schwerter und Streitäxte gehören auch zum Repertoire der Arnsdorfer Schmiede. Von den Milzenern wurden sie vor mehr als 1.000 Jahren verwendet. In Arnsdorf blieb die Handwerk der Waffenschmiede erhalten. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
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Das Auftragsbuch ist gut gefüllt. Deshalb kann sich der Handwerksbetrieb auch einen Gesellen leisten. Besonders freuen sich die Schmiede, wenn Aufträge von der Denkmalpflege eintrudeln, wenn Leute alte Gebäude liebevoll sanieren. Dann ist ihre Handwerkskunst gefragt. Geländer oder Balkongitter müssen nach historischem Vorbild nachgeschmiedet werden. Beschläge werden gefertigt, aber auch immer wieder rustikale Kerzenleuchter. Dazu kommen Werkzeuge in kleinen Stückzahlen - meist für einheimische Baufirmen. "Handgeschmiedete Werkzeuge sind meist standfester, als die industriellen Massenprodukte aus Fernost", meint der Arnsdorfer Schmiedemeister.

Schwerter und Streitäxte

Die beiden Schmiede grinsen verschmitzt, als es um die Kunst der Waffenschmiede geht. Auf einmal liegen Streitäxte und zwei Schwerter auf dem Amboss. "Die haben wir nach historischen Vorlagen geschmiedet, unter anderem für den Milzener e.V.", sagt Reik. Die Milzener sind ein slawisches Volk, welches sich um 900 in der Oberlausitz ansiedelte. Der gleichnamige Mittelalterverein pflegt die Sitten und Gebräuche der Milzener im benachbarten Melaune. "Auch Kampfvorführungen mit unseren Waffen gehören dazu, "meint der Juniorschmied.

Handgeschmiedete Schwerter.
Handgeschmiedete Schwerter aus Arnsdorf. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Unterdessen kommt die Hitze nicht nur vom Schmiedefeuer, sondern dringt auch durch das geöffnet Tor in die Schmiede. Draußen hat die Quecksilbersäule die 25 Grad Marke überschritten. Die Schachthaken für Bayern sind fertig, das Schmiedefeuer wird in den nächsten Minuten erlöschen. Die Schmiede verwandelt sich dann aufgrund der Hitze in einen normalen Metallbaubetrieb, in dem Schleifmaschinen oder Trennschleifer kreischen. Flammen zucken dann nur noch am Schweißbrenner.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.08.2019 | 07:50 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 10:49 Uhr

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