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13.05.2020 |15:01 Uhr

Wassermangel bereits im Frühjahr - Trocknet die Oberlausitz aus?

Stand: 13. Mai 2020, 15:01 Uhr

Ein sehr milder Winter, drei sehr trockenen Jahre in Folge und nun auch noch ein Frühjahr mit wenig Niederschlag: Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer möglichen Dürre in der Oberlausitz aufgrund von Wassermangel.

In der Oberlausitz darf bis Ende September kein Wasser mehr abgepumpt werden, um beispielsweise Gärten zu bewässern. Wie das Landratsamt in Görlitz mitteilte, ist aufgrund der Wasserknappheit ein entsprechendes Verbot erlassen worden. Ausgenommen davon seien Gärtnerei- und Landschaftsbaubetriebe sowie die Wasserentnahme zum Tränken von Tieren.

Auch das Wasserschöpfen per Hand bleibe erlaubt. Doch das wird mittlerweile immer schwieriger, denn Bachäufe haben sich mittlerweile in kleine Rinnsale verwandelt, wo sich nur noch in Schlammpfützen die Sonne spiegelt. Eine Katastrophe für Teich- und Landwirte sowie für Feuerwehr und die Wasserwirtschaft.

Brunnen sind leer

In der Görlitzer Altstadt gibt es noch viele Brunnen, obwohl die Häuser an die Trinkwasserversorgung angeschlossen sind. Bis zu sechs Meter sind die Schächte, die einst die Bewohner mit kühlem Nass versorgten. Heutzutage werden die Brunnen gerne angezapft, um den kleinen Garten im Innenhof zu gießen. Doch entweder sind die Brunnen bereits leer oder nach wenigen Minuten schaltet sich die Pumpe automatisch ab, um nicht heißzulaufen. "Das gab es noch nie im Frühjahr, sonst passiert so etwas nur im Sommer", meint ein Görlitzer aus der Nikolaivorstadt.

Ein Brunnen mit einer Pumpe zum Bewässern des Gartens. Im Landkreis Görlitz ist das bis Ende September verboten. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Grundwasserleiter sind ausgetrocknet

In der Oberlausitz sinkt seit Wochen der Grundwasserspiegel um monatlich vier Zentimeter und mehr. Fast alle Messstellen zeigen eine Unterschreitung des üblichen Durchschnittswertes an und zwar bis zu einem Meter. In Wittgendorf liegt der Pegel sogar 3,88 Meter unter dem langjährigen Mittelwert. In Lückendorf wird der übliche Pegel um 2,70 Meter unterschritten.

Der Grundwasserstand von 2016 bis heute gemessen in einem Beobachtungsrohr. Die grüne Linie zeigt das langjährige Mittel. Bildrechte: Landesamt für Umwelt Geologie und Landwirtschaft

Die Grundwasserleiter seien nach drei niederschlagsarmen Jahren ausgetrocknet, bilanziert der Chef der Landestalsperrenverwaltung in Bautzen Sebastian Fritze.

Das ist so etwa das Niveau von 1934 bis 1937, da kann man in die Archive gucken, was damals so abgelaufen ist, weil es kein Wasser mehr gab.

Sebastian Fritze | Landestalsperrenverwaltung in Bautzen

Die extreme Trockenheit führte damals dazu, dass in Frankreich einige Regionen nicht mehr mit Wasser versorgt werden konnten. In Deutschland wurde das Wasser rationiert und der Verbrauch von der Polizei überwacht.

Der Anblick täuscht. Auch in die Talsperre Bautzen läuft derzeit nicht genug Wasser, um das Becken zu füllen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Keine Entspannung durch Niederschläge

Die Schauer der letzten Tage füllten bislang nur die Regentonnen der Kleingärtner. Die Talsperren in Bautzen und Quitzdorf profitieren dagegen nur wenig von den Niederschlägen. In Quitzdorf liegt der Wasserstand rund 13 Zentimeter tiefer als ursprünglich nach den Revisionsarbeiten geplant. Trotzdem gibt die Talsperre Wasser ab, um den Teichwirten zu helfen.

Noch immer führen viele sogenannte Vorfluter, also Bachläufe und Gräben, trotz Regen zu wenig Wasser. Im April lagen die Pegel an der Schwarze Elster 20 bis 45 Prozent, an der Spree fünf bis 30 Prozent und der Neiße um 20 Prozent unter dem sonst üblichen Monatsdurchschnitt. In der ersten Maiwoche fiel der Pegel zum Teil sogar um bis zu 95 Prozent.

Niedrigwasser melden beispielsweise weiterhin die Pegelmesser für Trado an der Schwarzen Elster, die Messstellen an der Spree in Ebersbach sowie in Spreewitz und an der kleinen Spree in Burgneudorf.

Am Ufer ist deutlich zu erkennen. Trotz der Niederschläge in den vergangenen Tagen fehlen im Fischteich rund 30 Zentimeter bis zum Rand und das im Frühjahr! Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Voraussagen, das verheißt nichts Gutes für dieses Jahr! Wasser können wir eben nicht herstellen und das kann man eben nicht mit Geld auf die Schnelle kaufen.

Sebastian Fritze | Landestalsperrenverwaltung

Nur ein schöner Landregen über mehrere Wochen verteilt, könnte das Wasser-Problem in der Oberlausitz lösen, zumal auch die Feuerwehr Probleme hat. Aufgrund der Trockenheit in den vergangenen Jahren hat sich in den Wäldern viel Schadholz angesammelt. Stürme sorgten für Windbruch. Borkenkäfer geben den angeschlagenen Wäldern den Rest und hinterlassen leicht entzündliches Totholz.

Wälder sind weiterhin ausgetrocknet

Nicht wenige Löschwasserentnahmestellen sind durch die Niederschlagsarmut in den vergangenen Wochen trocken gelegt. "Das macht uns sehr zu schaffen," meint der Görlitzer Kreisbrandmeister Björn Mierisch. "Wenn es da brennt, könnte sich das ganz schnell zu einer Katastrophe auswachsen." Auch deshalb stehen im Landkreis 52 Tanklöschfahrzeuge bereit. Doch nicht nur die ausgedörrten Kiefernwälder im Norden hat der Kreisbrandmeister fest im Blick. 

Kürzlich ist hier aufgrund der Tockenheit ein Feuer ausgebrochen. Die Pfützen stammen vom Löschwasser! Bildrechte: MDR/Uwe Walter

 Wir haben den großen Truppenübungsplatz im Norden, wo geschossen wird. Und wir haben das Gebirge im Süden, was sehr schwer zugänglich ist und wo es kaum Löschwassermöglichkeiten gibt. Wir haben also unsere Probleme im ganzen Landkreis verteilt.

Björn Mierisch | Görlitzer Kreisbrandmeister

Die Bundeswehr trainiert seit Mitte April für Einsätze in Mali und Afghanistan. Um für eventuelle Waldbrände gerüstet zu sein, stehen auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz zwei große Anhängelastbehälter bereit. Sie fassen jeweils 500 Liter und können von Hubschraubern der Bundespolizei oder der Bundeswehr transportiert werden. Die Hubschrauber können bei Bedarf angefordert werden, um die Feuerwehren zu unterstützen, so der Kreisbrandmeister.

Angeln ist unmöglich

Im Quitzdorfer Stausee können allerdings derzeit diese Behälter nicht gefüllt werden, denn die Wassertiefe ist nicht ausreichend. Der Stausee ist nach Revisionsarbeiten mit sechs Millionen Kubikmetern Wasser gerade mal zu einem Drittel gefüllt und die Talsperre gibt weiterhin Wasser ab, um den Binnenfischern flussabwärts zu helfen. Deshalb steigt der Wasserpegel nicht an.

Pächter Günther Ermisch weiß noch immer nicht, wie er den Stausee in diesem Jahr bewirtschaften soll. Auch eine weitere Einnahmequelle ist versiegt: Ermisch kann keine Angelscheine ausstellen. Dabei sollte die Angelsaison am ersten Mai in Kolm beginnen. Doch aufgrund des niedrigen Wasserstandes darf die Talsperre Quitzdorf nicht betreten werden und damit ist das Angeln unmöglich.

Im Frühjahr nur schwer vorstellbar: Wasser fehlt in einem Fischteich bei Görlitz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.05.2020 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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