Würdigung Königin von Schweden adelt Görlitzer Krankenhaus für Arbeit mit Demenzkranken

Wenn ein demenzkranker Mensch in die Klinik muss, verliert er schnell die Orientierung, wird unruhig, oft auch falsch behandelt, weil er nicht richtig sprechen kann, er will nur nach Hause. Auf all das müssen Kliniken richtig vorbereitet sein, findet die Silviahemmet-Stiftung aus Schweden. Sie setzt sich seit Jahren für mehr Wissen und praktische Hilfe in Krankenhäusern ein, damit Patienten, die neben einer akuten Krankheit auch Demenz haben, besser behandelt werden.

Demenzsensibles Krankenhaus Görlitz durch Königin Silivas Zertifikat
Schwedens Königin Silvia verlieh am Montag das 115. Zertifikat ihrer Stiftung an ein sogenanntes demenzsensibles Krankenhaus - und zwar an das St. Carolus Krankenhaus der Malteser in Görlitz (Archivfoto). Bildrechte: dpa

Das Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz ist Deutschlands erste Klinik, die sich vollständig auf die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz eingestellt hat. Das entsprechende Prädikat dafür hat am Montag Schwedens Königin Silvia im Namen ihrer Silviahemmet-Stiftung verliehen. Sie bedankte sich ausdrücklich bei allen Mitarbeitenden des Krankenhauses, die während der Corona-Pandemie Schulungen über Demenz und die Bedürfnisse Betroffener besucht hatten. "Trotz aller Hindernisse und Herausforderungen haben sich die Mitarbeiter weitergebildet, um die Demenzpatienten noch besser zu betreuen", sagte sie. Ihre Ansprache wurde per Video nach Görlitz übertragen.

Wenn ein Mensch an Demenz leidet, ist die ganze Familie betroffen. Wissen um die richtige Behandlung kann tatsächlich etwas bewirken.

Silvia von Schweden Königin, pflegte ihre demenzkranke Mutter

Zertifikat wird fortlaufend überprüft

Demenzsensibles Krankenhaus Görlitz durch Königin Silivas Zertifikat
Seitdem ihre Mutter unter Demenz litt, setzt sich Königin Silvia von Schweden für gute Pflege Demenzkranker ein. Hier besuchte sie 2015 eine Malteser Tagesstätte für Demenzkranke in München. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Die Stiftung bildet seit 25 Jahren Menschen in der Demenzpflege aus und weiter. Der Malteser-Orden Deutschland arbeitet seit Jahren mit der Stiftung zusammen. Das Pilotprojekt in Görlitz wurde von Bund und Land mit Fördermitteln unterstützt, die in den vergangenen sechs Monaten innerhalb des Krankenhauses für Umbauten und Weiterbildungen genutzt wurden.

Das Konzept eines demenzsensiblen Krankenhauses stellt die Bedürfnisse des Demenzkranken in den Mittelpunkt und fußt laut Silviahemmet-Stiftung auf mehreren Säulen. Die Voraussetzungen für das Zertifikat würden fortlaufend kontrolliert und alle drei Jahre überprüft. Das Malteser-Krankenhaus ist das 115. in Europa, das das Stiftungszertifikat erhalten hat.

Konkret wurde in Görlitz das unternommen:

  • mehrtägige Schulung aller Mitarbeitenden des Krankenhauses vom Pförtner, über technische Mitarbeiter, Pflegepersonal, Hauswirtschafter, Ärzte und Führungskräfte zu Demenz und den Bedürfnissen Betroffener in Krankenhäusern
  • Einrichtung familiär anmutender Tagesräume auf allen Stationen, in denen Klinikbegleiter Zeit für Gespräche, Gedächtnistraining und Austausch mit dem Demenzpatienten haben
  • neues farbliches und optisches Konzept für alle Räume, Fußböden, Etagen und die Klinik-Ausschilderung
  • Orientierungshilfen und Griffe in Räumen und Fluren
  • Niedrigflurbetten, um Stürze beim Aufstehen bzw. Zubettgehen zu minimieren
  • hausinternes System zur Schulung und Weiterentwicklung der Maßnahmen
  • Einbeziehung der Angehörigen in Kommunikation und Abläufe während des Krankenhausaufenthaltes - ein Punkt, der erst nach der Corona-Pandemie voll zum Tragen kommen kann.

Ein demenzsensibles Krankenhaus ist wie ein großes Puzzle, bei dem es auf jeden einzelnen Stein ankommt.

Dr. Ursula Sottong Projektleiterin

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 30.11.2020 | 19:00 Uhr

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