Zahlreiche Demonstranten stehen vor der Sitzung der Kohlekommission vor dem Zugang zum Sitzungsraum.
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Kumpel demonstrieren für ihre Jobs Pfiffe für Kohlekommission in Weißwasser

Trillerpfeifen, Sirenen, Trommeln und Protestplakate - so sah der Empfang für die Kohlekommission des Bundes in der Lausitz aus. Die Mitglieder sollten vor Ort sehen, wen das Ergebnis ihrer Tätigkeit betrifft. Die Kommission soll für den Klimaschutz das Ende der Braunkohleära einläuten - ohne dass die Region in Arbeits- und Perspektivlosigkeit versinkt.

Zahlreiche Demonstranten stehen vor der Sitzung der Kohlekommission vor dem Zugang zum Sitzungsraum.
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Begleitet von lautstarken Protesten ist die sogenannte Kohlekommission der Bundesregierung im sächsischen Weißwasser zusammengekommen. Das Treffen am Donnerstag in der Lausitz war der einzige geplante Vor-Ort-Termin des Gremiums in dem Kohlerevier.

Angst um Jobs

Demonstranten stehen vor der Sitzung der Kohlekommission vor dem Eingang zum Sitzungsraum und halten Schilder hoch.
Die Lausitzer Kohlekumpel fürchten um ihre berufliche Zukunft. Vielen anderen in der Region geht es genauso. Bildrechte: dpa

Vor dem Tagungsort demonstrierten nach MDR-Informationen am Vormittag etwa 2.000 Kumpel aus dem Lausitzer, aber auch aus dem Mitteldeutschen und dem Rheinischen Braunkohlerevier lautstark mit Trillerpfeifen, Sirenen und Trommeln für sichere Arbeitsplätze. Sie folgten einem Aufruf der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie. Diese sprach von jeweils 2.500 Demonstrationsteilnehmern in Weißwasser sowie im brandenburgischen Großräschen. Landesbezirksleiter Nordost, Oliver Heinrich, forderte von der Kommission realistische und wirksame Konzepte für eine verantwortungsvolle Strukturentwicklung in der Lausitz. Die Menschen in der Region wollten weder Spielball noch Versuchskaninchen oder Bauernopfer eines überhasteten Kohleausstiegs sein.

Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie eine ganze Wirtschaft den Bach runtergeht und die ganze Region und Familien und Arbeitsplätze zerstört werden. Wir brauchen hier nicht den Abbau von gut bezahlten Industriearbeitsplätzen, sondern Zuwachs.

Oliver Heinrich Landesbezirksleiter Nordost der IG BCE

Mit eigenen Augen sehen, worum es geht

Bei dem Lausitz-Besuch der Kohlekommission ging es auch darum, viele der 31 Mitglieder des Gremiums überhaupt erst einmal mit der Region, ihrer Wirtschaftsstruktur und den damit verbundenen Problemen vertraut zu machen. Deshalb gab es eine Bustour durch die Lausitz sowie in Weißwasser und in Großräschen Gespräche mit Bürgermeistern, Unternehmern, Kohlekumpeln und Vertretern der Tourismusbranche. Mit dabei waren die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg, Michael Kretschmer und Dietmar Woidke. Auch sie forderten mit Blick auf den Ausstieg aus der Kohleverstromung erneut konkrete Projekte vom Bund für neue Jobs als Ersatz für wegfallende Arbeitsplätze in Tagebauen, Kraftwerken und Zulieferbetrieben.

Michael Kretschmer (l, CDU), Ministerpräsident von Sachsen, begrüßt vor der Sitzung der Kohlekommission die Teilnehmer einer Demonstration.
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Das, was 1990 passiert ist, darf sich jetzt nicht wiederholen. […] Wir brauchen einen vernünftigen Zeitkorridor, um hier neue Dinge aufzubauen.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Strukturwandel statt Strukturbruch

Kretschmer begrüßte den Protest der Kumpel in Weißwasser als wichtiges Signal für die Kohlekommission. Die Ostdeutschen hätten schon einige Strukturbrüche erlebt. Deshalb seien die Ängste und Sorgen der Lausitzer mehr als berechtigt, erklärte der CDU-Politiker mit Blick auf Forderungen nach einem schnellstmöglichen Kohleausstieg. Sachsen und Brandenburg würden dafür kämpfen, dass die Braunkohle nicht einfach wegbreche. Woidke verwies zudem auf die möglichen finanziellen Folgen eines schnellen Kohleausstiegs auch für die Stromverbraucher.

Dietmar Woidke (lSPD), Ministerpräsident von Brandenburg
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Wir fahren hier in der Lausitz nicht mit dem Bagger, weil wir gerne Bagger fahren. Sondern der Strom aus Braunkohle wird gebraucht für eine zuverlässige und preiswerte Energieversorgung in Deutschland.

Dietmar Woidke Ministerpräsident von Brandenburg

Kommission in der Zwickmühle

Das Problem des Ausstiegszeitpunkts beschäftigt die Kohlekommission ebenfalls. Offiziell heißt sie zwar "Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" und soll bis Jahresende ein Konzept vorlegen, wie eine Strukturveränderung in den deutschen Braunkohlerevieren hin zu neuen Industriezweigen und Technologien mit Jobperspektiven für die Einwohner gelingen kann. Aber zugleich soll sie für den Klimaschutz auch ein Datum für das Ende der klimaschädlichen Verstromung des fossilen Energieträgers festlegen.

Die aufgehende Sonne hinter einem Absetzer für Abraum am Rande des Braunkohletagebaus Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).
Ein trügerisches Bild: Natur und Braunkohleabbau vertragen sich nicht. Bildrechte: dpa

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt?

Kommissions-Co-Chef Ronald Pofalla brachte dafür zuletzt das Jahr 2038 ins Spiel. Das ist für Umweltschützer und Klimaexperten zu spät, für die Braunkohle-Industrie sowie die Landeschefs von Sachsen und Brandenburg dagegen viel zu zeitig. Sie sehen 2045 als frühestmöglichen Zeitpunkt. "Wir brauchen die Kohle noch 30 Jahre, um die Region beim Strukturwandel mitzunehmen", sagt Woidke.

Quelle: MDR/stt/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.10.2018 | ab 5:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 11.10.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 20:04 Uhr

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47 Kommentare

12.10.2018 19:18 Bronko 47

Wenns zu warm wird, einfach Külschränke mit der unsinnigen erneuerbaren füttern und die Türen aufmachen, dann hat der ganze grüne Spuk wenigstens einen Sinn :-)

12.10.2018 19:04 Bergbaurentner 46

@ 34 Bronko: Nee Bronko, ich bin seit Geburt ein Ossi und habe auch nie im Westen gearbeitet. Und nochmals zur Kenntnissnahme: Es ist überhaupt noch nichts entschieden. Man sucht nach Lösungen bzw. Vorschläge dazu. Also fahre mal deinen Empörungspegel etwas runter. Glück Auf - falls du Bergmann bist.

12.10.2018 17:46 Eulenspiegel 45

Hallo Bernd L. 30
Wie viele Kohlekraftwerke in der Welt gebaut und geplant werde ist uninteressant denn keine kann nachprüfen ob das alles so stimmt. Interessant ist wo wird investiert. Da muss man ganz klar feststellen allein in der Windenergie wird mittlerweile mehr investiert als in Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke zusammen. Ja und dann kommt da noch der Solarstrom und die Wasserkraft. Die Biomasse muss auch erwähnt werden. Das große Kapital fließt Weltweit somit längst nicht mehr in die Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke.

12.10.2018 16:15 Heizer auf der Ellok 44

Leute,
was soll uns China interessieren?

Wenn die sich weiter vergiften wollen, sollen sie das tun.
Das betrifft aber uns und unser Handeln nicht.

Fest steht jedenfalls die Schädlichkeit der Braunkohleverstromung
für das ganze Weltklima.

Wer daran zweifelt, sollte
besser zu Trump auswandern.
Für den existiert die Welt - wie
sie ist - ja auch nicht.
Von schmelzenden Polkappen
will der auch nichts wissen.
Da trifft er sich sich mit deutschen Gewerkschaften.

12.10.2018 15:57 reiner202 43

Wenn es um den eigenen Ar... geht haben die Braunkohlearbeiter die Hose voll.Das sie aber viele Menschen aus ihren Häusern vertrieben haben erwähnen sie nicht. Das war Moderne Vertreibung. Es wird Zeit Das dieser Schweflige Dreck wegkommt

12.10.2018 12:44 Fakt 42

>>Axel, #8:
"Kohlekommission???
Das sind u. a.: ........2<<

Und die Mitglieder aus Politik, Wirtschaft und Industrie sowie der Gewerkschaften und der Regionen etc. pp. haben Sie nirgendwo gefunden oder bewusst außen vor gelassen?

12.10.2018 12:19 Eulenspiegel 41

Hallo Bronko 38
Da gebe ich ihnen voll und ganz Recht. Es geht hier um sehr viele Arbeitsplätze ich würde sogar sagen da ist eine Region gefährdet. Das muss man ernst nehmen. Darum ist es wichtig das sich die Kumpels Gehör verschaffen. Die Politik ist nun manchmal ein bisschen träge und wenn da eine Gruppe sich nicht genug Druck mach wird sie leicht vergessen. Ich denke das diese Arbeitsplätze sehr bald verloren gehen ist klar. Die Frage ist: Wie geht es weiter? Welche Alternativen kann man den Leuten anbieten?

12.10.2018 12:08 Eulenspiegel 40

Hallo Bernd L. 30
Ich habe mich vielleicht unglücklich ausgedrückt bei meinen Angaben über China ging es um den Prozentualen Anteil an der Stromversorgung. Aber ihre angaben über die in Bau befindlichen und geplanter Kohlekraftwerke stimmen so auch nicht. Das ist doch das gleiche wie damals als es um den AKW Ausstieg ging. Da wurden genannt wie viele AKWs auf der Welt in Bau sind und wir schalten unsere AKWs ab. Schaute man aber genauer hin dann stellte man fest das 80 % der angeblich in Bau befindlichen AKWs schon mehr als 10 Jahre gebaut wurde.

12.10.2018 07:07 Wolfgang Nawalny 39

@Eulenspiegel - "Zur Zeit erzeugen wir sogar mehr Strom aus Kohle als China.
Ist das Satire oder wo haben Sie diese Weisheit her? Wieviele Kohlegruben hat China und wie viele haben wir hier. Wie groß sind die Kohlegruben in China und wie winzig sind dagegen unsere. In China ist dicke Luft, doch wenn ich in Boxberg unterwegs bin scheint immer die Sonne ...

@Bergbaurentner - " Die Kutschenbauer mußten im 19. Jahrhundert auch eine Lösung für das Problem der Eisenbahn und später des Automobils finden. "

Ja stimmt. Doch die Kutschen fuhren noch viele Jahrzehnte nach Einführung der Eisenbahn weiter, da die Eisenbahn nicht den landesweiten Bedarf decken konnte und nicht zu jeder Zeit verfügbar war. Außerdem hat niemand von oben herunter einen Termin beschlossen, an welchem Stichtag keine Kutsche mehr zu fahren hat.

11.10.2018 23:40 Bronko 38

Um das Ganze noch mal klar zu formulieren, um was es geht.

Es geht NICHT nur um die paar Hanseln, die den Bagger bedienen und in der Verbrennungsleitstelle sitzen, es geht vor allem auch um diejenigen, die den Laden am Laufen halten. Und das sind weit mehr outgesourcte Arbeitskräfte, wie manch Unwissender Blöker hier denkt, es geht NICHT nur um die von mir aus geschätzten 5000 Kraftwerker oder Tagebauer, das sollten sich einige mal überlegen, die nicht von früh bis Mittag denken können, danke!

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