Krauschwitz
Bei der Oberschule in Krauschwitz wurde vor zwölf Jahren mit der Sanierung begonnen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Ganz tief in den Miesen Krauschwitz - ein Dorf in Sachsen ohne Geld

Sanierungsstau bei der Oberschule in Krauschwitz. Der erste und bisher einzige Bauabschnitt ist inzwischen zwölf Jahre her. Doch die Kommune an Polens Grenze hat ein viel größeres Problem.

Krauschwitz
Bei der Oberschule in Krauschwitz wurde vor zwölf Jahren mit der Sanierung begonnen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Klassenräume sind zu klein, es gibt keine Aula, Flure und Treppenhaus der Oberschule in Krauschwitz lassen sich wohlwollend als nostalgisch beschreiben. Es fehlen teils eine ordentliche Wärmedämmung und Brandschutzvorkehrungen wie ein zweiter Rettungsweg. Bisher muss eine Steigleiter, die vom Dach in den Schulhof ragt, für den Ernstfall herhalten. Ein Gebäudeflügel geht wiederum in einen modernen Anbau mit Fachkabinetten über. Es handelt sich um den ersten Bauabschnitt der Schule. "Das ist mittlerweile zwölf Jahre her", sagt Schulleiter Michael Christoph. Der größte Wunsch von ihm und seinem Lehrerkollegium ist, dass das Gebäude endlich fertig saniert wird. "Dann können wir auch unsere pädagogischen Konzepte modern ausrichten", erklärt der Schulleiter.

Krauschwitz
Eine Steigleiter dient an der Oberschule im Notfall als zweiter Rettungsweg. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Acht Millionen Euro sind laut Bürgermeister Rüdiger Mönch noch nötig, um das Gebäude gemäß den Schulhausbaurichtlinien fit zu machen. Für die 3.500-Einwohner-Kommune eine utopische Summe, denn sie steckt tief in den Miesen. Seit 2015 sind Krauschwitzs Gewerbesteuereinnahmen um die Hälfte auf jährlich rund 350.000 Euro zusammengeschrumpft. Um zwingende Ausgaben weiter tätigen zu können, hat der Ort seine Eigenmittel aufgebraucht und sich zunehmend verschuldet.

"Wir haben eine große Infrastruktur, eine Grund- und eine Oberschule, sechs Ortsfeuerwehren, 50 Kilometer Gemeindestraße, den Oder-Neiße-Radweg und Gewässer genug", sagt Mönch. "Dem Ort fehlt richtig viel Geld und wir sind immer mehr in den Kassenkredit reingerutscht ", so der Bürgermeister. Mit gut einer Million Euro befinde man sich inzwischen im Dispo.

Freiwillige Aufgaben finanzieren wir über Spenden oder gar nicht.

Rüdiger Mönch Bürgermeister von Krauschwitz
Krauschwitz
Auf dem Schreibtisch von Rüdiger Mönch stapeln sich die Akten. Der Bürgermeister bearbeitet parallel mehrere Förderprogramme. "Das ist eigentlich gar nicht meine Aufgabe", erklärt er. Doch die Verwaltung ist überlastet. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die für Januar geplante Fusion mit der Nachbarstadt Bad Muskau sollte die Rettung bringen. Neben Synergieeffekten in der Verwaltungsarbeit erhoffte man sich durch den Zusammenschluss mehr finanzielle Zuweisungen vom Freistaat. Aber die Krauschwitzer stimmten im November gegen die Fusion. "Wir haben versucht, die Situation in Einwohnerversammlungen sachlich rüberzubringen. Doch einige Leute haben uns richtig angeschrien", erinnert sich der Bürgermeister. Vielleicht war es die allgemeine Unzufriedenheit oder die Angst vor Veränderung, die die Leute zum "Nein" bewegte, überlegt Mönch. Letztlich wurde aus dem Licht am Ende des Tunnels eine Sackgasse.

Doch Krauschwitz schafft es nicht, aus eigener Kraft aus dem Minus zu kommen. Deshalb soll jetzt eine Beratungsfirma beauftragt werden. Die Finanzexperten sollen ganz genau die Einnahmen und Ausgaben der Kommune durchleuchten und ein Konsolidierungskonzept für den Haushalt erstellen. Mit diesem Finanzplan will der Bürgermeister erstmals in seiner langjährigen Amtszeit Gelder beim sächsischen Finanzministerium erbitten. Antrag auf Bedarfzuweisung heißt das fachlich. Mönch hofft, mit Hilfe des Freistaates aus der Schuldenspirale herauszukommen. Vielleicht kann dann auch endlich der zweite Bauabschnitt an der Oberschule starten.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.12.2018 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2018, 07:43 Uhr

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14 Kommentare

17.12.2018 23:00 Krauschwitzerrandgebietsbewohner 14

17.12.2018 12:46 Klaus Ripl 13

Statt Quelle siehe oben sollten Sie sich mal auf die Bürger verlassen, die bei den Gesprächen dabei waren. Es gab nach 2007 bis vor einem Jahr KEINE Verhandlungen, wenn das irgendwo behauptet wurde, ist das Unsinn. 2 Kranke machen keinen Gesunden, so siehts aus. Was Dresden dann definitiv zugesagt hat, das können Sie selbst raussuchen. Vieles ist im gegensatz zu Ihrem bericht nämlich ein schlichtes "müsste, könnte, sollte". Fakten auf den Tisch und los. Aber nicht so. Im Übrigen, Muskau hat durchgängig höhere Steuern als Krauschwitz. Was meinen Sie, wie die sich beim Zusammenschluß ntwickeln würden, na? In dem Fall hat Krauschwitz Luft nach oben, um erst mal überhaupt auf das Niveau von Muskau zu kommen. Ich war auch grundsätzlich dafür - aber nicht so dilettantisch.

17.12.2018 12:46 Klaus Ripl 13

Wie immer gibt es einige anonyme Kommentare, die völlig an der Realität vorbeigehen, z.B. von "Anwohner".

Fakt ist:

Die Diskussion über den Zusammenschluss mit Bad Muskau läuft schon mindestens seit 2007. (Quelle: Lausitzer Nachrichten) Seitdem gab es auch einen weiteren Bevölkerungsrückgang um 10 %. Seit dem Jahr 2000 sind es 15 %.

Mönch hat 2007 (siehe Quelle oben) statt mit Bad Muskau den Zusammenschluss mit Weißwasser bevorzugt, wegen des hohen Schuldenstands Bad Muskaus. Weißwasser hatte damals Überschüsse.

Schon damals fragte sich mancher Bürger, dass mehr Zeit zur Analyse gut wäre. Jetzt sind 10 Jahre rum. Die Schulden in Krauschwitz sind jetzt da, wie damals prognostiziert wurde.

Welche Vorteile ergeben sich generell: höhere Schlüsselzuweisungen, Teilentschuldung, Synergieeffekte auf lange Sicht.

Kann man alles nachlesen, wenn man ehrlich ist.

17.12.2018 09:58 Frustfliege 12

Die Einwohner lehnen die rettende Fusion ab?! Wie geistfrei ist das denn! Und ich soll mit meinen Steuern für so viel Ignorantentum einstehen? Das ist ja wohl das Allerletzte!

17.12.2018 07:20 Realist 11

Ein Zusammenschluß beider Gemeinden hätte ein Millionenbetrag an Entlastung bedeutet. So bleiben nur Steuererhöhung und Kürzungen bei freiwilligen Leistungen. Da dies so durch die Bevölkerung gewünscht wird, sollte man diesen Wunsch auch entsprechend erfüllen.

16.12.2018 23:36 Janes 10

Und dann nicht zu vergessen, die 100 Milliarden Euro, die der Staat für Rente jedes Jahr zum Fenster raus schmeißt, nicht wahr Kameraden.

Im Ernst-super fähige Beiträge hier wieder. Warum muss man überall seinen Senf dazu geben, wenn man nichts zu sagen hat?

Aber ich hab schon eine Idee, wer mal bisschen für die eine einzelne Schule am hintersten Ende von Sachsen was spenden könnte....

16.12.2018 23:21 Anwohner 9

Zitat: "erhoffte man sich durch den Zusammenschluss mehr finanzielle Zuweisungen vom Freistaat."

DAS sagt alles über den geplanten Zusammschluß. "Erhoffte man sich....." MEHR Zusage gab es nicht. Außer wohl eine feststehende Teilentschuldung beider Gemeinden, sofern dies überhaupt feststand und nicht auch "erhoffte man sich..." war. Öffentlich hat dieser Bügermeister gedroht, dieses Jahr noch sogar für den kleinen Weihnachtsmarkt die paar Euro Zuwendung zu streichen, ganz offiziell nachzulesen- eine bodenlose Frechheit - und kommt dann auch noch hin, dieser Typ. Für uns ist der Mann vorbei. Wir sind FÜR einen Zusammschluß, ganz klar. Aber mit PLAN und AUSGEGOREN! Jetzt ist wieder Zeit und der Zusammschluß kommt sowieso irgendwann. Mit neuem Bürgermeister, denn der Elektriker kann schon mal den Überblick verlieren.....13 Jahre reichen einfach.

16.12.2018 23:01 Anwohner 8

"Sachlich" war da gar nichts. Ein Bürgermeister hat sich hingestellt wie Rumpelstielzchen mit schlechter Laune und Drohungen kommuniziert. Dazu gab es einen unausgegorenen Plan der zukünftigen Finanzen der Großgemeinde Muskau und Luftschlösser überall. Das las sich so: werden, könnte, soll und haben besprochen. Es gab wenig bis nichts konkretes, außer leicht erhöhte Zuweisungen aus Dresden. Fakt ist aber eins bei dem Problem, diese Zuweisungen hätten NICHT die Steuermindereinnahmen der letzten Jahre gedeckt! Das gab natürlich Kontra. Was passiert mit den Randorten, 25 km entfernt...SO NICHT! Wenn der BM nicht mehr will dann soll er gehen! Krauschwitz hat 100qkm Fläche und wird am langen Arm verhungern lassen. Die tolle Schule (Denkmalschutz wurde hier nicht erwähnt!) hat im Übrigen das LAND zu sanieren, nicht die Gemeinde, zum Teufel noch eins! Sowas kann eine Gemeinde nicht. Neuer, RICHTIGER PLAN!

16.12.2018 21:37 Spottdrossel 7

Warum schließt sich der Ort nich einem benachbarten polnischen Ort an??? Weniger Bürokratie, weniger hohe Kosten .....

16.12.2018 20:10 REXt 6

Schön zu lesen, über diesem Bericht, eine Schilderung eines Ortes, der kein Geld hat, symptomatisch für die Geldverschwendung in großen Stil! Und unten , in einem Bericht: da spiel Geld keine Rolle!

16.12.2018 19:07 Dorfbewohner 5

Über ein Dorf in Sachsen liest man “Krauschwitz - ein Dorf in Sachsen ohne Geld…”.

In der Thüringer Presse z.B. in der letzten Woche “...Bürgermeister spricht angesichts der Diskrepanz zwischen Landeszuweisungen von 490.000 Euro – in diesem Jahr seien es 650.000 gewesen – und einer zu zahlenden Kreisumlage von 1,2 Millionen Euro…”.

Ich verstehe die Welt nicht mehr!

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