Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besucht die Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz"
Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Nach Wolfsriss in Förstgen Kretschmer drängt auf rasche Lösung in Sachen Wolf

Nach dem verheerenden Wolfsriss in Förstgen mit mehr als 40 getöteten Schafen und Ziegen hat Ministerpräsident Michael Kretschmer die Lausitz besucht. Er drängt auf eine schnelle Lösung. In einer Abschussquote für die streng geschützten Tiere sieht er sie allerdings nicht.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besucht die Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz"
Bildrechte: MDR/Lutz Günther

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) drängt erneut auf eine rasche Lösung beim Thema Wolf. Bei einem Besuch der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" bei Förstgen sprach er sich für ein Wolfsmanagement wie in Finnland und der Slowakei aus. Man müsse die Tiere vergrämen, wenn sie zu nah an Siedlungen und Nutztierherden gelangen. Dafür müssten die Wölfe mit Sendern ausgestattet werden. Das bedürfe rechtlicher Grundlagen. Europäisches Recht müsse in deutsches Recht umgesetzt werden.

Es geht nicht darum, alle Wölfe abzuschießen. Es geht darum, Menschen und Tiere zu schützen. Wir müssen dieses intelligente Tier, den Wolf, dazu bringen, dass er versteht, er darf nicht an die Wohnbebauung rangehen, er darf nicht in die Nähe von Schafen kommen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

Für eine Lösung des Problems ist aus Kretschmers Sicht der Bund gefragt. Aus dieser Richtung sei bislang kein pragmatischer Vorschlag gekommen. Deswegen setzt der Ministerpräsident auf Partner in anderen Bundesländern. "Ich bin froh darüber, dass wir mit Niedersachsen und Brandenburg Verbündete haben, damit wir im Bundesrat jetzt aktiv werden können", sagte Kretschmer. Es sei ärgerlich, dass das Bundesumweltministerium bislang nicht gehandelt habe, obwohl Anwohner und Schäfer in der Region unter der Situation leiden.

Kretschmer: Abschuss ist nicht die Lösung

Einer Abschussquote, wie von Nutztierhaltern und Jägern gefordert, erteilte Kretschmer eine Absage. "Keine Frage: Wenn es um Problemtiere geht, muss man auch zu so einem Mittel greifen." Ziel sei es aber, diese Diskussion mit einem Wolfsmanagement abzukürzen. Schutzmaßnahmen für die Herdentiere sollten verbessert und Haltern im Schadensfall schneller geholfen werden. "Aber auch das ist eine Forderung an den Bund, sich hier finanziell zu beteiligen."

Abschuss von Wölfen Wölfe sind streng geschützt. Die Gesetzeslage lässt aber unter bestimmten Umständen einen Abschuss zu. In Paragraf 45 des Bundesnaturschutzgesetzes steht, dass dies zur Abwendung erheblicher wirtschaftlicher Schäden erfolgen kann. In Sachsen hat darüber das jeweilige Landratsamt zu entscheiden. In jedem Fall müssen das Umweltministerium und die Landesdirektion eingebunden werden.

Auch der Managementplan für den Wolf in Sachsen enthält einen entsprechenden Passus. "Die Entfernung von Wölfen ist immer das letzte Mittel der Wahl und nur vorzunehmen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind oder aber Gefahr für Menschen besteht. Es gilt der Grundsatz: Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster Stelle".

Die Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag kritisierte Kretschmers Pläne für ein Wolfsmanagement. Vielmehr müsse man Nutztierhalter unterstützen, fordert Fraktionsvorsitzender Wolfram Günther. "Der Berufsstand der Schafhaltung geht den Bach herunter, wenn es nicht bald eine Weidetierprämie gibt. Es war zuletzt immer die CDU, die bei diesem Thema geradezu blockiert hat."

Am Dienstag hatten Wölfe bei Förstgen eine Herde der Naturschutzstation mit 151 Schafen und Ziegen angegriffen und Dutzende Tiere getötet.

Quelle: MDR/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 12.10.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 19:37 Uhr

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19 Kommentare

14.10.2018 13:07 mare nostrum 19

Kretschmer drängt und Harig kritisiert: soso, ahja.

Es gibt im Bundesland Sachsen Kinderarmut Arbeitslosigkeit, Lehrermangel, Mangel an bezahlbarem Wohnraum, lückenhafte ärztliche Versorgung, Isolierung des ländlichen Raums, keine klare Linie gegen Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit, rechtsextreme Unterwanderung von Polizei und - so wird gemunkelt - des Justizapparates usw usf.

Was bekämpfen die beiden Zickzack-Politikanten?

WÖLFE.

[...]

14.10.2018 11:05 Luftikus 18

Ja Herr MP, die Bewegung ist alles, das Ziel nichts! Da täuschen wir schnell mal im Rahmen der Auktionismuswochen der Landesregierung Handlungskompetenz vor. Die Lobby macht Druck und schon kommt ein wenig Bewegung in die Bonzokratie. Das größte Raubbtier, der Mensch, ist das Problem. Stellen Sie lieber ausreichend Mittel für den effektiven Herdeschutz( Zäune, Herdenschutzhunde) zur Verfügung. Auch eine großzügige Entschädigung der Besitzer ist möglich. Schließlich haben wir für jeden Furz in Deutschland ausreichend ewige Rettungsfonds. Hier bin ich ausnahmsweise mal auf der Seite der Grünen.

14.10.2018 10:42 Fragender Rentner 17

Der Wolf will auch keine Grenzkontrollen, er fordert auch offene Grenzen in Europa.

14.10.2018 10:40 Fragender Rentner 16

Sagen die das auch den Wölfen, dass sie sich daran halten werden? :-)

Und wenn nicht, was dann?

14.10.2018 09:40 peter 15

Unser MP im Bürgerdialog mit dem Wolf!!!
Der Wolf hat sich durchgesetzt! Schiess mich nicht ab, schieß mich nicht ab!
Nochmal, nicht der Wolf ist das Problem, sondern der Mensch im Umgang mit dem Wolf.

13.10.2018 20:33 Sascha10 14

Schade dass es wegen der einfältigkeit und verantwortungslosigkeit des staatlichen naturschutzes, der das problem auch nach kritischen nachfragen immer wieder heruntergespielt hat, jetzt dem wolf offensichtlich komplett an den kragen gehen wird. Mann hätte durch systematische vergrämung mit weniger finanzmitteln als wie bisher für das wolfsmanagement überwiegend verschwendet worden sind, die population scheu und damit verträglich erziehen können. Das wolfsmanagement war von anfang an dominiert von invantiler tierliebe, ohne ruecksicht auf die betroffenen.

13.10.2018 15:55 Exil-Sachse 13

Kann mir einer ein Problem der letzten Jahre nennen, welches von der sächsischen Verwaltung gelöst werden konnte?

13.10.2018 15:15 Realist 12

Es gibt nur eine Lösung und die kostet noch nicht mal viel. So im Schnitt 3-5€.

13.10.2018 11:54 Paul 11

Mich verwundern Berichte, Fotos und Videos von Wolfssichtungen immer wieder. Denn Wölfe sind normalerweise sehr scheu und überwiegend nachtaktiv. Ich werde nicht aufhören oder müde werden, die Wolfsexperten und Mitarbeiter vom Umweltministerium zu befragen, wie es überhaupt zu diesen untypischen Sichtungen und Begegnungen mit Wölfen kommen kann.
LG
Paul

13.10.2018 11:13 Rentner 10

Mit einmal kommt die Wolfsdebatte richtig in Schwung . Weil es eine staatliche Schafsherde betrifft ?

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