29.05.2020 | 19:05 Uhr Ein Wahrzeichen entsteht neu: Das Rakotz-Ensemble im Kromlauer Park

Der weltberühmte Rakotz-Brücke im Kromlauer Park drohte das gleiche Schicksal, wie der benachbarten Grotte: Der Einsturz. Am Freitag ist der Wiederaufbau der Grotte mit einer feierlichen Einweihung vollendet worden. In einem Jahr soll die Sanierung des gesamten Rakotz-Ensembles abgeschlossen sein.

Eingerüstete Rakotz-Brücke
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Das Rakotz-Ensemble mit der Bogenbrücke im Kromlauer Park, zwischen Bad Muskau und Weißwasser, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Lausitz. Neben der einzigartigen Brücke über den Rakotzsee gehört auch die historische Grotte dazu, die vor knapp 70 Jahren einstürzte. Zurück blieb ein Trümmerhaufen.

Bereits vor Jahren begannen Bemühungen um die Sanierung des gesamten Ensembles. Der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack schrieb zunächst immer wieder vergeblich neue Förderanträge.

2,4 Millionen Euro Fördergeld

Der Bund und das Land Sachsen erkannten schließlich die Bedeutung der einzigartigen Parkanlage in Kromlau und bewilligten 2,4 Millionen Euro für die Instandsetzung. Für Udo Frenschkowski vom Landesamt für Denkmalpflege ein Glücksfall, denn nur mithilfe dieser Mittel konnte das Rakotz-Ensemble vor dem Verfall bewahrt und die eingestürzte Grotte wieder aufgebaut werden.

Der Schutthaufen von der Grotte war nicht nur ein Schandfleck, der jetzt beseitigt ist, sondern sie dient der kleinen Rakotz-Brücke als Widerlager. Insofern ist es nicht nur schön, wenn das Ensemble wieder vollständig ist.

Udo Frenschkowski Landesamt für Denkmalpflege

Grotte mit verhülltem Herkules
70 Jahre nur ein Trümmerhaufen, jetzt wieder aufgebaut: Die Grotte im Kromlauer Park. Nur Herakles ist noch verhüllt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Fast ein ganzes Jahr lang haben die Fachleute in den Trümmern gewühlt und die Grotte mühevoll Stein für Stein rekonstruiert.

Dreidimensionales Riesenpuzzle

Im Schutt wurden Teile von in Vergessenheit geratenen Sandsteinfiguren gefunden und als dreidimensionales Riesenpuzzel - "im wahrsten Sinne des Wortes" - von Steinmetz Dirk Bettschneider wieder zusammengesetzt. Nun ist der Kampf des Herakles mit dem Riesen Antheus wieder sichtbar. Warum dieses Motiv aus der griechischen Mythologie in der Grotte über dem Rakotzsee einen Platz fand, ist derzeit noch unklar.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer enthüllte am Freitag den Herakels und weihte damit die wieder aufgebaute Grotte symbolisch ein.

Die wenigsten Leute wussten, wie diese Anlage wirklich mal ausgesehen hat und dass wir es jetzt geschafft haben, dieses Ensemble langsam wieder zum Leben zu erwecken, das freut mich sehr.

Michael Kretschmer Sachsens Ministerpräsident

MP Kretschmer neben Blütenkönigin am Rednerpult
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zusammen mit der Kromlauer Blütenkönigin bei der Einweihung der wiederaufgebauten Grotte. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Sanierungsarbeiten liegen voll im Plan, meinte stolz der Gablenzer Bürgermeister Dieter Noack und zeigte dabei auf die fertig sanierten Basaltsäulen. Die Arbeiten an dem Ensemble würden ausschließlich von sächsischen Firmen durchgeführt, ergänzt der Gemeindechef.

An der berühmten Rakotz-Brücke beginnen am Dienstag die Arbeiten am Brückenbogen und an der linken Seite, der südliche, rechte Teil ist bereits fertig. Dann folgen noch die Brückenkammern und dann wird abgerüstet. Dann folgen noch die Fundamentierungen und dann sind wir fertig.

Dietmar Noack Bürgermeister Gablenz

Beim Park- und Blütenfest in einem Jahr sollen alle Sanierungsarbeiten am Rakotz-Ensemble abgeschlossen und der gleichnamige See wieder geflutet sein.

Nicht alle Probleme sind beseitigt

Auch wenn das wertvolle Baudenkmal dann gerettet ist, ist Udo Frenschkowski vom Landesamt für Denkmalpflege noch nicht zufrieden. Um den Kromlauer Park langfristig zu pflegen und zu erhalten, müssten neue Wege beschritten werden. Die kleine Gemeinde Gablenz sei damit überfordert, meint der Denkmalpfleger.

Blütenbüsche, Baucontainer vor Rakotz-Brücke
In einem Jahr sollen die Sanierungsarbeiten am Rakotz-Ensemble abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Nach dieser Instandsetzung muss auch eine nachhaltige Pflege gewährleistet werden und da sehe ich einen großen Handlungsbedarf. Da müsste die Gemeinde mit professionellen Kräften unterstützt werden.

Udo Frenschkowski Landesamt für Denkmalpflege

Um der Bedeutung der Parkanlage bundesweit gerecht zu werden, schlägt Frenschkowski sechs hauptamtliche Parkranger vor, die Aufsicht und Pflege der Anlage übernehmen.

Bildergalerie Wieder aufgebaut: Die Grotte an der Rakotz-Brücke

Skulpturen im Park
Der Kromlauer Park ist einer der schönsten Landschaftsparks in Deutschland. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Skulpturen im Park
Der Kromlauer Park ist einer der schönsten Landschaftsparks in Deutschland. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Eingerüstete Rakotz-Brücke
Die Rakotz-Brücke ist das berühmte Wahrzeichen der Parkanlage. Das gesamte Rakotz-Ensemble wird derzeit saniert. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Grotte mit verhülltem Herkules
Vor 70 Jahren war die Grotte eingestürzt. Zurück blieb ein Trümmerhaufen. Jetzt ist die Grotte wieder aufgebaut. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Sanierte Basaltsäulen
Normalerweise ragen die Basaltsäulen als Blickfang aus dem See. Ihre Sanierung ist bereits abgeschlossen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Bautafel an der Rakotz-Brücke
Im Trümmerhaufen der Grotte wurden Fragmente von Sandsteinfiguren entdeckt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Mann vor der Grotte
Mehr als sechs Wochen benötigte Dirk Brettschneider, um den Torso wieder zusammen zu fügen: Ein riesiges 3D-Puzzle. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Gablenzer Bürgermeister zusammen mit Blütenkönigin und MP an einer Schnur
Zusammen mit Blütenkönigin Antonia haben Ministerpräsident Michael Kretschmer und Bürgermeister Dietmar Noack die Sandsteinfiguren eingeweiht. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Sandsteinfigur Herkules
Es ist eine Szene aus der griechischen Mythologie: Herakles ringt mit dem Riesen Antheus. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Wieder aufgebaute Grotte
Die wieder aufgebaute Grotte verändert das gesamte Erscheinungsbild an der Rakotz-Brücke. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Der Kromlauer Park blüht
Der Frühling ist im Kromlauer Park durch die Blütenpracht besonders eindrucksvoll. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Altes Schloss im Kromlauer Park
Im Landschaftspark, der um 1875 angelegt wurde, steht auch das alte Kromlauer Schloss. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Blütenbüsche, Baucontainer vor Rakotz-Brücke
Noch steht ein Baucontainer vor der Rakotz-Brücke, in einem Jahr soll die Sanierung abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Kleiner Teich im Park
Auch wenn das Wahrzeichen im Kromlauer Park noch hinter Baugerüsten verschwindet, gibt es trotzdem viele romantische Ecken in dem Landschaftspark. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
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Bislang versucht die Gemeinde den Kromlauer Park instand zu halten und wird dabei von ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Deshalb gelang auch die Parkaufsicht nicht immer, zum Leidwesen des Bürgermeisters. Das Rakotz-Ensemble sei vielfach als Erlebnisparcours missbraucht worden. Auf der damals noch einsturzgefährdeten Bogenbrücke vollführte beispielsweise ein BMX-Radler seine waghalsigen Kunststücke. Allerdings: Seine Fotos gingen um die Welt.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 29.05.2020 | 19:00 Uhr

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