29.05.2019 | 17:16 Uhr Kulturhauptstadt und AfD - wie passt das zusammen, Zittau?

Der Wahlsonntag in Zittau sorgt noch immer für Erstaunen, auch überregional. In der Stadt hat die europakritische AfD mit 25 Prozentpunkten die meisten Stimmen errungen und stellt in den nächsten fünf Jahren die stärkste Fraktion im Stadtrat. Während ein Viertel der Zittauer Wähler für die AfD gestimmt hat, wollen drei Viertel - nämlich 74 Prozent, dass ihre Stadt sich als Kulturhauptstadt Europas bewirbt. Wie passt das zusammen?

Das Rathaus und der Marsbrunnen auf dem Marktplatz von Zittau
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In Zittau ist am Wahlsonntag das trinationale Theaterfestival JOS mit Gästen aus Polen, Tschechien, Slowenien und Italien zu Ende gegangen. Europa war im Dreiländereck zu Gast, schwärmt Schauspielintendantin Dorotty Szalma. Doch nach dem Theaterfestival endete der Wahlsonntag am späten Abend für die gebürtige Ungarin bitter. "Es ist eine Katastrophe. In Zittau hätte ich nie erwartet, dass es sowas gibt", kommentiert sie das Wahlergebnis.

Schauspielintendantin kämpft mit den Tränen

Dorotty Szalma ist eine Theaterregisseurin und Schauspielintendantin des Gerhart Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau
Die Zittauer Schauspielintendantin Dorotty Szalma. Bildrechte: Dorotty Szalma

Die Zittauer wählten mehrheitlich die europakritische AfD, entschieden sich aber gleichzeitig für die Bewerbung der Stadt als europäische Kulturhauptstadt 2025. Die Theaterintendantin kämpft mit den Tränen: "Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, wie die Wahl, bei der sich ja eindeutig die AfD herauskristallisiert hat, mit einer Idee für ein offenes Europa, für kulturelle Vielfalt, für Herzen Europas einher geht. Es geht mir einfach nicht in den Kopf."

Herausforderung für Kulturhauptstadtbüro

Auch dem Chef des Zittauer Kulturhauptstadtbüros Kai Grebasch ist der scheinbare Widerspruch bewusst. "Von daher wird es jetzt eine Herausforderung werden, aber wir werden's angehen. Jetzt müssen wir sehen, wie sich das tatsächlich auch umsetzen lässt", ist Grebasch gespannt. Schon im Vorfeld der Wahl hatten Mitglieder und Unterstützer der europakritischen AfD angekündigt, die Zittauer Bewerbung um den Titel "Kulturhauptstadt Europas" zu unterstützen, sagt Büroleiter Kai Grebasch. "Wir haben jetzt den großen Vorteil, dass wir so viel Bürgerbeteiligung gemacht haben wie niemand sonst. Wir haben einen Bürgerentscheid im Rücken, der sagt, ja die Menschen wollen das."

Zunächst müssen die Macher der Kulturhauptstadt nicht mit Störfeuern von Seiten der AfD rechnen. Das zumindest verspricht der künftige Kreis- und Stadtrat Jörg Domsgen. "Wir wären die letzten, die so eine gute Idee - nämlich die Bürger über die wichtige Frage der Kulturhauptstadtbewerbung entscheiden zu lassen - nicht mittragen würden. Die Bürger haben "Ja" gesagt. Jetzt wird diese Bewerbung durchgeführt." Die Bewerbung solle nun so gut vorbereitet werden, dass Zittau möglichst den Zuschlag bekommt, so Domsgen.

AfD-Leute stimmen gegen Kulturhauptstadtbewerbung

Domsgen hat - wie einige seiner AfD-Freunde - beim Bürgerentscheid gegen die Kulturhauptstadtbewerbung gestimmt. Trotzdem sagt er: "Hier hat natürlich Zittau eine wunderschöne Schlüsselposition im Dreiländereck. Es ist doch ein Traum - wir führen die Kulturen von Polen und Tschechien zusammen und machen hier ein großes Fest. Das ist super."

Quelle: MDR/uwa/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.05.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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