Michael Kretschmer bei der CDU-Wahlparty
Michael Kretschmer hat bei der Landtagswahl das Direktmandat für die CDU in Görlitz gewonnen. Vor zwei Jahren bei der Bundestagswahl musste er sich noch dem Direktkandidaten der AfD, Tino Chrupalla, geschlagen geben. Bildrechte: dpa

02.09.2019 | 01:55 Uhr Kretschmer gewinnt Görlitz - CDU erleichtert

Die Görlitzer CDU ist erleichtert, dass Ministerpräsident Kretschmer das Direktmandat in Görlitz geholt hat. Doch die AfD hat wie in vielen Wahlkreisen die meisten Zweitstimmen bekommen - Dank vieler taktischer Wähler.

Michael Kretschmer bei der CDU-Wahlparty
Michael Kretschmer hat bei der Landtagswahl das Direktmandat für die CDU in Görlitz gewonnen. Vor zwei Jahren bei der Bundestagswahl musste er sich noch dem Direktkandidaten der AfD, Tino Chrupalla, geschlagen geben. Bildrechte: dpa

Zwar standen im Wahllokal an der Görlitzer Volkshochschule keine Wählerschlangen, trotzdem war es den ganzen Tag gut besucht. So wie hier sah es in vielen Wahllokalen der Stadt aus. Am Ende liegt die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Görlitz 2 bei 67 Prozent. Damit sind 12.000 Menschen mehr zur Wahl gegangen also noch vor fünf Jahren. Vielleicht lag es auch daran, dass es der Wahlkreis war, in dem Michael Kretschmer als Direktkandidat der CDU gegen Sebastian Wippel von der AfD antrat. Damit war es ein Wahlduell, auf das alle mit Spannung schauten. Schließlich hatte Wippel erst im Juni nur knapp die Oberbürgermeisterwahl verloren. Ein Wahlsieg für den Direktkandidaten der AfD in Görlitz war deshalb durchaus denkbar.

Erst Zittern, dann Jubel

CDU Görlitz Wahlparty
Oberbürgermeister Octavian Ursu bei der Wahlparty der Görlitzer CDU Bildrechte: MDR/Viola Simank

So zitterte man bei der Wahlparty der Görlitzer CDU doch ein bisschen, ob Michael Kretschmer es tatsächlich schaffen wird. Als schließlich nach 21 Uhr endlich alle Stimmen im Wahlkreis ausgezählt waren, war der Jubel groß, besonders bei Gerd Weise, dem Chef des CDU-Stadtverbandes: "Die Menschen wollten eine Entscheidung. Dass es jetzt mit diesem Vorsprung so gekommen ist, darüber freue ich mich riesig." Denn Michael Kretschmer hat 45,8 Prozent der Direktstimmen bekommen, Sebastian Wippel 37,9 Prozent. Auch Oberbürgermeister Octavian Ursu von der CDU war über diesen Ausgang erleichtert. "Ich freue mich für Görlitz", sagte er am Abend. Es sei außerdem immer von Vorteil, einen Ministerpräsidenten aus der eigenen Stadt zu haben.

Ich bin natürlich der Ministerpräsident für ganz Sachsen, aber auch ich habe eine Heimat. Und meine Heimatstadt ist Görlitz. Da bin ich aufgewachsen, da kenne ich die Menschen, das liegt mir natürlich am Herzen. Ich möchte gerne für diese Stadt etwas bewegen. Ich freue mich über diesen Auftrag und hin wirklich glücklich darüber.

Michael Kretschmer Ministerpräsident und gewählter Abgeordneter

Die AfD und die taktischen Wähler

Sebastian Wippel
Sebastian Wippel von der AfD erhielt 37,9 Prozent der Erststimmen - zu wenig für das Direktmandat. Bildrechte: dpa

Für Sebastian Wippel waren die fast 38 Prozent trotzdem "ein tolles Ergebnis", sagte er am Abend bei der Wahlparty der Görlitzer AfD. Unter normalen Umständen hätte dies sicher für ein Direktmandat gereicht, so Wippel. Aber viele hätten eben taktisch gewählt, indem sie die Direktstimme an Kretschmer und die Zweitstimme an eine andere Partei wie die AfD gegeben haben. So konnte die AfD in Görlitz bei der Zweitstimme die CDU überholen – mit 37,9 Prozent liegt sie fast drei Prozent vor der CDU.

Ein Ergebnis, das die Görlitzer Christdemokraten schon befürchtet haben. Doch warum haben so viele ihr Kreuz bei der AfD gemacht? Gerd Weise vom CDU-Stadtverband vermutet, dass einige enttäuscht sind, weil manches nicht so gelaufen ist, wie sie sich das gewünscht hätten. Da fehle wohl auch Vertrauen in die Partei, zum Beispiel in Sachen Ordnung und Sicherheit. Das seien Punkte, die die Leute ihre Kreuz bei anderen Parteien setzen lassen.

Grüne und Linke wollten mehr Stimmen

Auch die Görlitzer Grünen hätten sich mehr Kreuze auf dem Wahlzettel für ihre Partei gewünscht. Direktkandidatin Franziska Schubert bekam 7,2 Prozent, bei den Zweitstimmen kam die Partei auf acht Prozent. Ein Ergebnis mit dem Franziska Schubert nicht so recht zufrieden ist. Sie hätte sich mehr gewünscht, sagt sie: "Aber die Wähler haben es eben anders entschieden."

Auszählung der Landtagswahl im Wahlbezirk 8 Görlitz
Die Linke erhielt im Wahlkreis Görlitz 2 6,3 Prozent der Zweitstimmen. Für den Direktkandidaten Mirko Schultze stimmten vier Prozent. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Mirko Schultze von den Görlitzer Linken ist noch enttäuschter. Die Linke verlor im Vergleich zur letzten Landtagswahl im Wahlkreis Görlitz 2 fast zwölf Prozent der Zweitstimmen und 15 Prozent bei den Stimmen für das Direktmandat. Man habe guten Wahlkampf gemacht und in den letzten Jahren auch gute Arbeit im Landtag geleistet, da enttäusche dieses Ergebnis sehr.

Schultze hat den Eindruck, dass die Leute weniger über Inhalte diskutiert und weniger Parteien vergleichen. "Wir kommen nicht zu einem Diskurs, wo Parteien miteinander um das bessere Ergebnis ringen. Wir haben einfach das Problem, das Politik im Alltag keine Rolle spielt." Das mache sich jetzt wahrscheinlich bemerkbar.  

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.09.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2019, 01:35 Uhr

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