Ein Junge fährt den Abfahrtshang an der Lausche hinab.
Winterspaß an der Lausche in Waltersdorf - trotz frühlingshafter Temperaturen. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig

Wintersport in Waltersdorf 50 Jahre Lauschelift - leben mit dem Klimawandel

Trotz frühlingshafter Temperaturen läuft der Lauschelift in Waltersdorf bei Zittau. Die Betreiber feiern in dieser Saison den 50. Geburtstag der Anlage. Sie kämpfen aber mit milden Wintern und sinkender Bereitschaft der Menschen, sich ehrenamtlich für den Lift zu engagieren. In den sächsischen Februarferien läuft die Anlage, auch dank 20.000 Kubikmeter Kunstschnee.

Ein Junge fährt den Abfahrtshang an der Lausche hinab.
Winterspaß an der Lausche in Waltersdorf - trotz frühlingshafter Temperaturen. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig

Im Tal ist Frühling, aber am Lauschelift von Waltersdorf bei Zittau in der Oberlausitz herrscht winterlicher Hochbetrieb. Drei Kanonen sorgen für Schnee und Jost Seiler mit dem Pistenbully dafür, dass der Abfahrtshang für Wintersportler präpariert ist. Meist fährt der 53-Jährige dafür nachts über die 500 Meter lange Piste. "Früher mussten die Leute ran zum Piste treten. Dafür gab es eine kostenlose Fahrt hoch auf den Hang und dann sind alle mit den Skiern einmal runtergetreten, danach war sie fest", erzählt Tilo Knöbel. Der 53-Jährige ist Vorsitzender vom Alpinen Skiverein Lausche. Der feiert dieses Jahr den 90. Geburtstag. Und der Lauschelift wird 50. Er wurde genau in dem Jahr gebaut, in dem die DDR-Führung entschied, den alpinen Wintersport nicht mehr zu unterstützen. "Das hat die Waltersdorfer aber nicht aufgehalten. Viele haben damals eher gesagt: Jetzt erst recht", schildert Tilo Knöbel, was er nur aus Erzählungen kennt.

Jost Seiler und Tilo Knöbel sitzen auf einem Schneescooter.
Jost Seiler (links) und Tilo Knöbel vom Alpinen Skiverein Waltersdorf freuen sich über jeden Schneetag. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig

Er lebt heute im nahen Eibau, ist aber in Waltersdorf aufgewachsen und von Kindesbeinen an auf Skiern den Hang hinabgesaust. "Das geht gar nicht anders, wenn man hier geboren ist", sagt Knöbel. 250 Mitglieder hat er im Verein. Es seien schon mal mehr gewesen, bis zu 300, wie der Vorsitzende erzählt. Aber es werde schwieriger, die Oberlausitzer fürs ehrenamtliche Mitmachen zu begeistern. Heute werde der Verein mit dem Lift und den Trainingsangeboten eher als Dienstleister gesehen, der etwas anbietet. Früher war der Lift Sache von ganz vielen. Die Betriebe der Region halfen beim Bau und mit Material. Manches kam auf beinahe abenteuerliche Weise ins Dorf. Der Kehrzement zum Beispiel. Den durften sich Vereinsmitglieder von den Buna-Werken abholen. Sie bekamen die Erlaubnis, die Reste zusammenzukehren, die beim Abfüllen der Säcke danebengerieselt waren.

In den sächsischen Winterferien soll der Lift weiterlaufen

Heute sei es kein Problem mehr, Baumaterial zu kaufen. Aber das koste alles richtig Geld. In den letzten Jahren hat der Verein viel investiert in die Liftanlagen und fast alles erneuert. Rund 6.000 Besucher kamen in der vergangenen Saison. Bislang sei nie eine ausgefallen, wie Vorstandsmitglied Jost Seiler erzählt. Auch wenn die milden Winter immer mehr zur Herausforderung werden. "Früher hatten wir 70 bis 90 Lifttage. Heute sind es im Schnitt 40", sagt Vereinschef Knöbel. Aber auch in der Vergangenheit habe es schon schneearme Winter gegeben. Und mit der modernen Beschneiungsanlage könne der Verein rund 20.000 Kubikmeter Schnee produzieren. Das werde hoffentlich auch in den kommenden Tagen möglich sein, trotz viel Sonne, wie sich Knöbel und Seiler wünschen. Denn während der sächsischen Winterferien soll der Betrieb unbedingt weitergehen. "Die Leute sollen kommen und die Abfahrt genießen", sagt Jost Seiler. Und wer sich unsicher ist, ob wirklich Winter herrscht an der Lausche, kann das vereinseigene Schneetelefon anrufen unter 035841 35745.

Winterspaß an der Lausche

Die Lausche in Waltersdorf mit dem Abfahrtshang.
Vorne Frühling, hinten Wintersport - der Abfahrtshang an der Lausche bei Waltersdorf im Zittauer Gebirge. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Die Lausche in Waltersdorf mit dem Abfahrtshang.
Vorne Frühling, hinten Wintersport - der Abfahrtshang an der Lausche bei Waltersdorf im Zittauer Gebirge. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Abfahrtsläufer auf dem Abfahrtshang an der Lausche im Schnee.
Ab auf die Piste - in Waltersdorf geht es 500 Meter den Hang hinab. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Zwie Männer fahren mit dem Lauschelift nach oben.
Allein oder zu zweit geht es den Hang hinauf. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Mehrere Leute fahren mit dem Lauschelift nach oben.
Jede Menge Freizeitsportler wollen nach oben. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Die technische Anlage des Liftes.
Hier kommen die Bügel für die Liftnutzer durch. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Der Notfallknopf für den Lauschelift.
Mit dem Notfallknopf können die Liftverantwortlichen die Anlage sofort stoppen. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Der Pistenbully am Lauschelift.
Mit dem Pistenbully wird der Hang präpariert, manchmal dürfen Besucher auch zum Spaß mitfahren. Bildrechte: MDR/Irmela Hennig
Der Lauschelift in Waltersdorf wurde 1969 gebaut.
Winteridylle auf einer Postkarte - der Lauschlift ging 1969 in Betrieb. Bildrechte: Historische Postkarten, Sammlung Tilo Knöbel
Ehemalige Sprungschanze an der Lausche in Waltersdorf.
Früher gab es auch eine Schanze an der Lausche. Die wurde 1972 abgerissen, weil sie baufällig war. Bildrechte: Historische Postkarten, Sammlung Tilo Knöbel
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Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.02.2019 | 12:30 Uhr im laufenden Programm

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Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 15:55 Uhr

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3 Kommentare

18.02.2019 10:09 Charly 3

Alles Panikmache im Interesse der Industrie.Deutschland baut ab und in der Welt entstehen neue Atomkraftwerke usw.Einfach lächerlich.

17.02.2019 22:26 Marie 2

Recht haben sie lieber Heribert54, man stelle sich das mal vor "eine hundertmeter dicke Eidecke" - sowas will ich garnicht erleben, dann lebe ich lieber im Heute und gebe mir Mühe ein wenig die Umwelt zu schützen-

16.02.2019 21:00 heribert54 1

Wären wir nur 10000 Jahre eher geboren, als ganz Europa unter einer hundertmeter dicken Eidecke lag, wären solche Meldungen nicht nötig. Das Klima ändert sich, seit millionen von Jahren, daran wird der Mensch nichts ändern. Oder glaubt jemand, dass Dieselfahrverbote und das Ende der Kohle in Deutschland den "Klimawandel" stoppt?

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