Leaderprojekte Beiersdorf
Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé

21.05.2019 | 13:00 Uhr Beiersdorf: Wenn wieder Leben ins Dorf kommt

Viele Menschen in den ländlichen Regionen Sachsens kennen das Problem: Die Jugend zieht raus in die großen Städte, die älteren Menschen bleiben auf dem Dorf. Hilfe versprechen da die sogenannten Leader-Projekte der EU. Sie entstehen auf Eigeninitiative der Menschen aus den Regionen. Sie können sich mit ihren Ideen bewerben, um das Leben auf dem Dorf zu verbessern. Solche Leader-Projekte gibt es auch in Beiersdorf, einem kleinen Ort mit 1.100 Einwohnern im Landkreis Görlitz. Ann-Kathrin Canjé hat zwei Projekte besucht.

Leaderprojekte Beiersdorf
Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé

Im kleinen Laden von Kerstin Kretzschmar riecht es nach Spreewaldgurken, frischen Blumen und Gemüse. Mitten in Beiersdorf betreibt sie schon viele Jahre ihr Geschäft mit regionalen Waren. Gleich hinter dem Laden baut sie gemeinsam mit ihrem Mann neben zahlreichen Schnittblumen auch eigenes Gemüse wie Paprika, Gurken, Tomaten und Salate an.

Im Sommer geht es los

2017 kam ihr dann die Idee zu einem neuen Projekt: der Umbau des Hauses nebenan. In der Zeitung hatte sie den Aufruf der Leader-Initiative gelesen, sich mit Projekten für Fördermittel zu bewerben. Kerstin Kretzschmar entschloss sich kurzum, mit einem Fleischer und einem Bäcker der Region einen neuen Dorftreff zu schaffen. Der Antrag wurde genehmigt, in diesem Sommer öffnet das neue Dorfprojekt seine Türen.

Bildergalerie Aufbruchstimmung in Beiersdorf

Leaderprojekte Beiersdorf
Kerstin und Dietmar Kretzschmar vor ihrem bereits bestehenden Dorfladen "Gärtnerei Fröhlich". Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Kerstin und Dietmar Kretzschmar vor ihrem bereits bestehenden Dorfladen "Gärtnerei Fröhlich". Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Ob Schnittblumen, regionales Gemüse oder Spreewaldgurken: Hier finden die Menschen in Beiersdorf alles, was sie brauchen. Auch Haushaltsartikel bietet der kleine Tante Emma-Laden. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Die Kretzschmars und Bäcker Jan Mersiowsky, der bald mit seiner Bäckerei das Haus beziehen wird. Am Haus ist bereits die Tafel angebracht, die auf die Leader-Förderung durch die EU hinweist. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Dort wo Kerstin Kretzschmar steht, werden bald schon Semmeln über die Theke gehen. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Durch diese Tür können die Gäste des Cafes auf die Terrasse gelangen und noch einige Zeit bei Kaffee und Kuchen in der Sonne verweilen. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Auch das Schützenhaus in Beiersdorf wird derzeit saniert. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Jörg Kasper ist Mitglied der Inititiative Schützenhaus e.V. und betrachtet das Bild des historischen Schützenhauses. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
Leaderprojekte Beiersdorf
Auch im Haus selbst gehen die Arbeiten voran. Bildrechte: Ann-Kathrin Canjé
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Einziehen wird auch die Bäckerei Mersiowsky. Sie ist in der Region bekannt und Eigentümer Jan Mersiowsky freut sich schon:

Ich habe viele Beiersdorfer Kunden. Und als sich das Angebot auftat, hier eine Filiale zu errichten, da war ich doch gleich dabei. So kann ich meinen Kunden näher sein und die haben dann die Möglichkeit, hier einen Kaffee zu trinken. Das ist ja alles für die Dorfgemeinschaft wichtig, dass die alten Leute hier auch gemeinsam schnattern können.

Jan Mersiowsky Bäcker

Großes Thema Barrierefreiheit

Wenn das Projekt abgeschlossen ist, kann Kerstin Kretztschmar mit rund 100.000 Euro Unterstützung vom Leader-Projekt. Ohne das Geld hätte sie das Bauprojekt nicht gewagt. Und sie weiß aus Gesprächen, dass sich schon viele Beiersdorfer darauf freuen. Um den Älteren des Dorfes den Einkauf so leicht wie möglich zu machen, wird alles ebenerdig gebaut, damit sie mit ihrem Rollator oder Rollstuhl reinkommen.

Wenn so ein Laden im Dorf angenommen wird, ist das für die Bevölkerung eigentlich ein Plus. Auch für die jungen Leute, die mit ihren kleinen Kindern einen Spaziergang machen. Die möchten auch, dass es hier weitergeht und nicht, dass sie bis sonstwo fahren müssen, um mal ein Stück Butter, eine Wurst oder eine Semmel zu kaufen.

Kerstin Kretzschmar Gewerbetreibende

Große Hoffnungen ruhen auf dem Schützenhaus

Die Kretzschmars sind in Beiersdorf nicht die Einzigen mit guten Ideen. 500 Meter neben dem kleinen Tante-Emma-Laden befindet sich das Schützenhaus. Lange mussten die Einwohner den baufälligem Zustand ertragen, jetzt wird saniert. Jörg Kasper von der Initiative Schützenhaus erklärt, warum der Erhalt des Hauses für den Ort so wichtig ist:

Das Schützenhaus ist die einzige große Räumlichkeit, die wir hier noch haben und wo Schuleintritt, Kindergarten- oder Wahlveranstaltungen durchgeführt werden können. Wo gibt es noch so große Säle wie diesen? Deswegen ist es uns so wichtig, das zu erhalten.

Jörg Kasper Initiative Schützenhaus

Und da der Verein die Kosten für die Sanierung nicht allein tragen kann, hat er ebenfalls Leader-Förderung beantragt. Jörg Kasper sieht in der Sanierung auch die Chance, der Jugend etwas zu bieten: "Es ist wichtig, dass die Jugend im ländlichen Raum nicht bloß in die Städte abwandert, sondern auch hier einen Ort hat, wo sie sich treffen kann."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.05.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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