Kritik an Tagebauerweiterung Leag beginnt mit Abriss von Mühlrose in der Oberlausitz

Abrissarbeiten
Bis Ende September sollen die ersten zwei Häuser in Mühlrose abgerissen sein. Bildrechte: xcitepress

Am Ortsrand von Mühlrose hat der Energiekonzern Leag mit dem Abriss von zwei Häusern begonnen. Die betreffenden Grundstücke befinden im Eigentum des Konzerns. Zunächst werden dort die Gebäude entkernt. Der Abriss soll in einem Monat abgeschlossen sein, teilte Leag-Sprecherin Kathi Gerstner mit. Grundlage für die Maßnahme sei der rechtskräftig geschlossene Umsiedlungsvertrag von Mühlrose. Für rund 200 Einwohner werden in der Nachbargemeinde Schleife derzeit Baugrundstücke erschlossen.

Kohlegegner: Abbau unter Mühlrose nicht nötig

Ein großes Haus
Nicht alle Einwohner von Mühlrose sind mit der Umsiedlung einverstanden. Bildrechte: xcitepress

Braunkohlegegner werden indes gegen den beginnenden Abriss aktiv. Das Bündnis "Alle Dörfer bleiben" ist überzeugt, dass die Kohle unter Mühlrose nicht mehr gebraucht werde, nachdem Deutschland den Kohleausstieg beschlossen hat. Das bekräftige ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegebenes Gutachten. So gibt es nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) mit dem beschlossenen Kohleausstieg in all seinen Szenarien deutlich weniger Bedarf an zu fördernder Kohle als in der Leag-Planung bisher angesetzt.

Nach alter Planung würde der Konzern 139 Millionen Tonnen Braunkohle mehr fördern, als bis zum Ausstieg 2038 nötig wäre. Ähnlich hatte sich auch die Grüne Liga vor einigen Tagen geäußert und daraufhin sogar die Verkleinerung der bestehenden Abbaufelder gefordert.

Linke: Strategie der verbrannten Erde

Antonia Mertsching, Lausitzer Abgeordnete der Linken im Sächsischen Landtag, schlägt in einem offenen Brief an die Leag einen ähnlichen Ton an. Sie kritisiert die Zerstörung von Wohnhäusern und weist darauf hin, dass der Abbau der unter Mühlrose lagernden Braunkohle nicht erforderlich sei. Die Leag verfolge eine Strategie der verbrannten Erde, so Mertschings Vorwurf.

Ich fordere Sie auf, von der Strategie der verbrannten Erde abzulassen und die geplante Zerstörung des von Ihnen erworbenen Eigentums auszusetzen, bis über die Zukunft von Mühlrose entschieden ist.

Antonia Mertsching Landtagsabgeordnete der Linken

Auch der BUND Sachsen protestiert gegen den Abriss, der "mutmaßlich nur dazu dient, Druck auf Bleibewillige auszuüben und die gewachsene Dorfstruktur zu zerstören", erklärt der Vorsitzende des Umweltverbandes Felix Ekardt. Der BUND bezweifle, dass das von der Leag angekündigte neue Revierkonzept das Ergebnis des jüngsten Gutachtens widerlegen und Argumente für die Erweiterung eines Tagebaus liefern kann, so Ekardt.

Zuzulassen, dass ein Dorf für einen Braunkohletagebau zerstört wird, der weder energiewirtschaftlich notwendig noch klimapolitisch tragbar ist, ist zynisch.

Felix Ekardt BUND Sachsen

Leag: Umsiedlungsvertrag ist rechtskräftig

Es sei falsch, auf Grund des Gutachtens die vertraglich vereinbarte Umsiedlung von Mühlrose infrage zu stellen, heißt es dagegen in einer Erklärung der Leag. "Das Gutachten setzt sich mit der Frage auseinander, welche Braunkohlefördermengen der langfristigen Unternehmensplanung der Leag vor den Beschlüssen zum Kohleausstieg zugrunde lagen und wie sich diese Mengen durch den Ausstieg voraussichtlich verändern werden", so Thomas Penk, der bei der Leag für die Umsiedlung von Mühlrose verantwortlich ist. Laut Penk treffe das Gutachten aber keinerlei Aussagen über die erforderlichen Anpassungen der Tagebauplanung. Hierfür spielten vielfältige Faktoren wie Versorgungswege, Förderbedingungen und Kohlequalitäten eine Rolle, die über eine rein mengenmäßige Betrachtung weit hinausgingen.

Die Kohle aus dem Teilfeld Mühlrose ist und bleibt für die Versorgung der Kraftwerke unverzichtbar.

Thomas Penk Leag
Ortseingangsschild von Mühlrose
Eine bergbaurechtliche Genehmigung zur Abbaggerung der Kohle unter Mühlrose liegt noch nicht vor. Bildrechte: xcitepress

Das Bündnis "Alle Dörfer bleiben" bezeichnet hingegen diese Darstellung seitens der Leag als irreführend. Die rund 150 Millionen Tonnen Kohle unter Mühlrose würden laut dem EY-Gutachten nicht benötigt, betont das Bündnis. Auch sei die Zwangsumsiedlung des gesamten Dorfes Mühlrose noch nicht rechtskräftig - es liege ein privater Vertrag zwischen dem Konzern und Anwohnern vor, den aber nicht alle Einwohner des Dorfes unterschrieben hätten. Eine bergbaurechtliche Genehmigung zur Abbaggerung liege nur für das Teilfeld Nochten 1, nordöstlich von Mühlrose, vor.

Oberbergamt und Leag überarbeiten Revierkonzept

Aktuell stimmt sich das sächsische Oberbergamt mit der Leag zu einem aktualisierten Revierkonzept Lausitz und dessen Auswirkungen auf die vorhandenen Vorsorgevereinbarungen ab. Die sei nötig, da ja nun das Kohleausstiegsgesetz vorliege, teilte der Referent Marco Henkel vom Sächsischen Wirtschaftsministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Auch die Ergebnisse des Gutachtens sollen in diesem Rahmen überprüft werden. Das alles erfordere aber seine Zeit.

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.08.2020 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 31.08.2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Eulenspiegel vor 19 Wochen

Also ich denke die Energiekonzerne waren von Anfang an die größten Feinde der Energiewende. Da war schon unter Schröder so. Sie haben damals in aller Öffentlichkeit mit den Bundeskanzler zusammen den Vertrag über den Atomausstieg gefeiert aber in Wirklichkeit nie vor gehabt diesen Vertrag zu erfüllen. Sie handelten nach dem Motto mit dieser Regierung machen wir einen Vertrag über den Ausstieg und mit der nächsten Regierung machen wir einen Vertrag über den Ausstieg aus dem Ausstieg. Und Merkel ist prompt in die Falle getappt. Sie hat aber schnell gelernt. Darum hier führen einige Konzernspitzen einen knallharten Kampf gegen die Energiewende. Sie wollen Fakten schaffen.

Lothar Thomas vor 20 Wochen

Wäre es nicht an der Zeit und man überprüft noch einmal mit Wohlwollen, ob sich nicht doch noch eine andere Möglichkeit ergeben könnte?

Die Lausitz ist groß und sollte es da nicht möglich sein, rechts von Mühlrose in Richtung Weißwasser weiter zu buddeln?

Oder man überträgt die Fördermenge nach Welzow und holt von dort etwas mehr nach Boxberg?

Denkbar wäre doch auch, man spart sich lange Transportwege und fördert die letzte Kohle gleich am Kraftwerk in Boxberg, praktisch vor der Haustür.

Das Kraftwerk wird sowieso geschliffen, oder hegt da jemand falsche Hoffnungen, dass es nur mal so eingemottet würde?

Selbst als Industriedenkmal wird es nicht bleiben, da gibt es schon einige Andere, die vorher sich schon darum gekümmert hatten.

Schaut man sich Eines an, dann weiß man wie die Anderen aussehen.

Muss man unbedingt so hartherzig seitens der LEAG sein und wie ein kleines Kind mit dem Fuß aufstampfen und darauf bestehen, nur weil es vor Zeiten so vereinbart war?

LEAG ZEIGE HERZ💛👍

lobo56 vor 20 Wochen

Wer zulässt,dass in dieser Zeit noch Dörfer für Braunkohle wegbaggert werden, gehört hinter Schloss und Riegel meine ich .
Das ganze Gelaber von Klimazielen, Energiewende usw. nur heisse Luft für's
Volk .......

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