Autor Lukas Rietzschel
Bildrechte: Ullstein-Verlag

Lukas Rietzschel Görlitz: Buchpremiere über Wut in der sächsischen Provinz

Mit seinem Debütroman "Mit der Faust in die Welt schlagen" hat der Oberlausitzer Lukas Rietzschel das Buch der Stunde geschrieben. Darin geht es um Wut und Frust in der sächsischen Provinz. Am Freitag war Buchpremiere in Görlitz.

Autor Lukas Rietzschel
Bildrechte: Ullstein-Verlag

Lukas Rietzschel ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Journalisten aus ganz Deutschland wollen den 24-jährigen Görlitzer treffen, denn sie erhoffen sich von ihm Erklärungen. Darüber, wie es zu den Ausschreitungen in Chemnitz kommen konnte und woher diese Wut kommt. Denn Lukas Rietzschel hat über das Entstehen dieser Wut seinen Debütroman geschrieben.

Der Roman spielt in den Jahren zwischen 2000 und 2015 in der sächsischen Provinz, in einem kleinen Dorf in der Oberlausitz. Er erzählt die Geschichte zweier Brüder, die Verlustängste und Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat erleben. Einer der beiden driftet immer weiter nach rechts ab. Als ein Flüchtlingsheim im Ort aufgemacht werden soll, eskaliert die Situation. Das Heim brennt.

Aufgewachsen in der sächsischen Provinz

Lukas Rietzschel ist selbst in solche einem kleinen Ort in der Oberlausitz aufgewachsen und hat vieles von dem erlebt, was er in seinem Roman beschreibt. Seit 2014, als es die ersten Proteste gegen Asylbewerber gab, hat er beobachtet, wie die Stimmung immer aggressiver wurde. "Da habe ich mich gefragt, was in Sachsen eigentlich passiert und versucht, es für mich zu erklären. Und zu erklären, was eigentlich passieren muss, dass man am Ende so wird, wie diese beiden Brüder im Roman."

Denn die Eskalation hat eine lange Vorgeschichte, sagt Rietzschel. Gerade auf dem Land seien Betriebe geschlossen, Schulen zusammengelegt und Buslinien gestrichen worden. Die Menschen hätten den Staat als schwach empfunden. "Und diese Stimmung transportiert sich. Da kommt viel Frustration und die eigene Erfahrung rein mit Behörden, mit Beamten, mit der Nichtanerkennung der eigenen Geschichte. Und das alles kulminiert zu so einer Wut."

Ein anderer Blick auf die Ereignisse in Chemnitz

Wer nun aber erwarte, dass der Roman ultimativ erkläre, warum die Situation in Chemnitz so eskaliert ist, werde enttäuscht, meint Rietzschel. Es gehe vielmehr darum, den Weg dahin zu beschreiben. Aber er könne einen anderen Blick auf die Dinge liefern. Deshalb stellt er sich auch gerne den Journalisten, sagt der 24-Jährige. Dabei sei für ihn auch spannend, dass er nicht als der "Ossi" gehandelt werde, sondern als jemand, der nach der Wende geboren wurde. So könne er die Dinge vielleicht nicht besser, aber anders erklären.

Autor Lukas Rietzschel
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Ich nehme die Rolle gerne an, weil ich es lange als negativ empfunden habe, dass, wenn man über den Osten und vor allem über Sachsen geredet hat, dennoch wenig mit Sachsen geredet wurde.

Lukas Rietzschel Autor

Am Freitag findet die deutschlandweite Premierenlesung auf Wunsch Lukas Rietzschels in Görlitz statt – und nicht in Berlin, dem Sitz des Ullstein-Verlags. Danach geht er auf Lese-Tournee durch Deutschland. In die Oberlausitz kommt er wieder im Oktober und November. Dann gibt es Lesungen in Bautzen und Kamenz.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.09.2018 | 15:40 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 08. September 2018, 10:54 Uhr

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