Natur Immer öfter überwintern Kraniche in der Oberlausitz

Ornithologen aus der Oberlausitz beobachten seit Jahren eine Tendenz. Kraniche fliegen im Herbst nicht mehr in den warmen Süden, sondern bleiben den Winter über hier. Das hat Vor- und Nachteile.

Kraniche stehen auf einem schneebedeckten Feld im Schneeregen.
Bildrechte: Werner Klauke

Ein seltenes Bild zeigte sich dieser Tage auf einem Feld bei Kodersdorf. Im dichten Nebel stehen etwa 100 Kraniche und suchen nach Futter. Für Werner Klauke und Ernst Gottschlich ist das in dieser Jahreszeit kein ungewöhnlicher Anblick mehr. Die beiden Ornithologen aus dem Raum Niesky haben in den vergangenen Jahren in der Oberlausitz immer wieder Kraniche im Winter gesehen. Mal mehr, mal weniger. Der Grund dafür ist die milde Witterung.

Bei dichter Schneedecke ziehen die Kraniche weiter

"So lange kein hoher Schnee liegt und die Kraniche genug zu fressen finden, bleiben sie  hier", sagt Ernst Gottschlich. Der 69-Jährige engagiert sich seit fast 30 Jahren im Kranichschutz Deutschland und ist Kreisnaturschutzbeauftragter für den Altlandkreis Niesky. "Wenn aber im Januar eine dichte Schneedecke kommt, so zwanzig Zentimeter, dann ziehen sie nur noch bis Frankreich. Dort finden sie Futter", erklärt Ernst Gottschlich. Schwenkt das Wetter hier aber wieder um, sind die Kraniche innerhalb von zwei, drei Wochen zurück und verteilen sich schon Mitte Februar auf ihre Brutplätze. Ob das Ganze etwas mit der Klimaveränderung zu tun hat, darauf will sich der Ornithologe nicht festlegen.

Kampf ums beste Brutrevier

Zwei Männer bei der Kranichbeobachtung.
Immer auf Kranichbeobachtung: Werner Klauke und Ernst Gottschlich (v.l.). Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Für den Bruterfolg der Kraniche sei es gut, wenn sie dort überwintern, wo sie ihren Nachwuchs bekommen, sagt Werner Klauke, der die Regionalgruppe Ornithologie Niesky beim Naturschutzbund Deutschland, leitet. "Denn wer zuerst im Brutrevier zurück ist, kann das beste Revier besetzen und hat vermutlich dann auch den besten Bruterfolg." Der Nachteil ist, dass die Vögel, die nicht gen Süden ziehen, sich von dem ernähren, was die Natur zu bieten hat. Und das ist auch die Saat fürs nächste Jahr.
Seit zehn, 15 Jahren beobachten die Ornithologen, dass einzelne Kraniche in der Oberlausitz überwintern. Und es werden immer mehr, sagt Werner Klauke: "Wir sehen mitunter Trupps von über 100 Kranichen. Gestern hab ich etwas über 70 gesehen. Im vorigen Jahr hatten wir in der ganzen Oberlausitz von Neschwitz bis Görlitz um die tausend Kraniche, die hiergeblieben sind." Die Zahl der Kraniche im Winter hängt aber nicht nur vom Wetter, sondern genauso vom Futterangebot ab. Vor allem, wieviel Mais im Jahr auf den Feldern angebaut wurde. "Mais ist eine Energiepflanze und gutes Futter für die Kraniche", erklärt der Ornithologe.

Sammelplätze an der Talsperre Quizdorf und im Biosphärenreservat

Die Vögel des Glücks, wie die Vorboten des Frühlings auch genannt werden, sammeln sich aber nicht überall. "Es müssen Teiche, Schlafgewässer in der Nähe sein, wo die Vögel abends hinfliegen können, denn Kraniche schlafen ja im knietiefen Wasser. Und tagsüber müssen Äsungsflächen da sein, zum Beispiel Getreidefelder", erzählt Werner Klauke. In der Oberlausitz sind Kranich- Schlafplätze unter anderem an der Talsperre Quizdorf, den Ullersdorfer Teichen, dem Diehsaer Neuteich und im Biosphärenreservat zu finden.

Der Kranich ist ein schöner Vogel und kommt mit seinen Trompetenrufen in der Bevölkerung gut an. In der Balz laufen die Paare stolz über die Felder und das begeistert die Leute. Deshalb ist Kranichschutz leicht und gut machbar.

Werner Klauke Leiter der Regionalgruppe Ornithologie Niesky beim Naturschutzbund Deutschland

Gute Entwicklung dank der Menschen in der Region

Kranichpaar
Ein Kranichpaar in der Oberlausitz bei der Balz: stolz und majestätisch. Bildrechte: Werner Klauke

Durch das Beringungsprogramm wissen die Ornithologen, woher die Kraniche kommen, die in der Region überwintern. "Wir haben viele tschechische Kraniche hier, die hier rasten. Das kann man anhand der Farbringe an den Beinen sehen", sagt Werner Klauke. Auch polnische und sogar finnische Kraniche haben schon in der Oberlausitz überwintert. "Warum die ausgerechnet hierher kommen, wissen wir nicht", ergänzt Ernst Gottschlich.
Der Kranichbestand hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. In der Oberlausitz gibt es inzwischen 70 bis 80 Brutpaare. Die Population habe sogar so zugenommen, dass mitunter ein Brutplatzmangel herrscht, sagt der Naturschutzbeauftragte. Zu verdanken sei die Entwicklung auch den Menschen in der Region. "Der Vogel ist beliebt bei ihnen und deshalb achten sie auf sein Wohl", so Werner Klauke.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.01.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 15:56 Uhr

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