Luftbildaufnahme von Mühlrose
Das Dorf Mühlrose wird abgebaggert. Bildrechte: Lausitznews.de

Braunkohleabbau Mühlrose zwischen Erleichterung und Wehmut

Das Dorf Mühlrose im Norden des Landkreises Görlitz wird abgebaggert. Die Einwohner hatten das lange erwartet. Dass die Entscheidnung so schnell getroffen wurde, hat sie dennoch überrascht. Schon im April könnten die ersten Umzüge beginnen. Ab 2030 rollen dann die Bagger über die kleine Ortschaft hinweg.

Luftbildaufnahme von Mühlrose
Das Dorf Mühlrose wird abgebaggert. Bildrechte: Lausitznews.de

Ja, es gab auch Beifall, als der Energieversorger Leag am Donnerstagabend die Einwohner von Mühlrose informierte, dass die Umsiedlung kommt. "Viele Menschen sind erleichtert", sagt Waldemar Locke im Gespräch mit MDR SACHSEN. "Denn sie sitzen hier seit 20 Jahren zwischen Baum und Borke - Umsiedlung ja, Umsiedlung nein." Der 57-Jährige ist Bürgermeister der Gemeinde Trebendorf, zu der Mühlrose mit seinen 200 Einwohnern gehört. Für die Mühlroser war lange ungewiss, ob die Braunkohle, die unter ihren Häusern, Gärten und Straßen liegt, wirklich gefördert wird. 150 Millionen Tonnen sind es. Und die will die Leag nun aus dem Boden holen.

Mancher Mühlroser muss zum zweiten Mal umsiedeln

Der Tagebau Nochten, im Hintergrund das Kraftwerk Boxberg.
Weil Kohle für das Kraftwerk Boxberg gebraucht wird, wird das Dorf Mühlrose abgebaggert. Bildrechte: Jürgen Matschie

Bürgermeister Locke weiß aber auch, dass nicht alle Mühlroser glücklich mit der Entscheidung sind. Etwa jeder dritte wolle nicht umziehen. Vor allem den älteren Bewohnern falle das schwer, weil einige von ihnen nach 45 Jahren zum zweiten Mal umsiedeln müssten. Locke verweist auch auf die Verstorbenen. "Die holen wir jetzt zum zweiten Mal aus der Erde. Das geht an die Substanz", so Locke. Der Friedhof war wegen des Tagebaus Nochten in den 1960-er Jahren schon einmal verlegt worden.

"Wir waren überrascht, dass die Umsiedlung jetzt schon verkündet wurde", gibt Locke zu. Die Leag wollte sich eigentlich erst im März entscheiden. Stattdessen wird sie nun schon im nächsten Monat mit der Gemeinde Trebendorf und mit Schleife als neuem Wohnort für viele Mühlroser den Vertrag für die Umsiedlung unterschreiben. Schon Anfang April könnte es mit ersten Umzügen losgehen. Acht Familien werden beispielsweise nach Trebendorf ziehen. Waldemar Locke spricht von Einzelumsiedlungen. Gemeint sind all jene, die nicht mit dem Großteil der Dorfbevölkerung an den neuen gemeinsamen Standort in Schleife gehen möchten.

Ich kann das nachvollziehen, dass die älteren Menschen das aus einer anderen Sichtweise sehen. Sie wollen nicht entwurzelt werden.

Waldemar Locke Bürgermeister Trebendorf

"Gern gehen die Leute hier nicht weg"

Wer sich für Schleife entschieden hat, soll ab 2021 Grundstücke bekommen, auf denen gebaut werden kann. Bis 2024 soll die Umsiedlung abgeschlossen sein. Sechs Jahre später kommen die Braunkohlebagger.

Wegweiser nach Mühlrose und zum Tagebau.
Der Tagebau kommt, Mühlrose verschwindet und seine Einwohner ziehen zum großen Teil nach Schleife um. Bildrechte: Lausitznews.de

In der Brust von Ortschaftsratsmitglied Andreas Schneidewind schlagen zwei Herzen. "Man kann es nicht mit Worten fassen. Ich bin für und gegen die Umsiedlung", so Schneidewind. "Es ist ruhig und abgelegen. Wir können hier super leben." Durch den Tagebau werde sich das ändern. "Der Bagger kommt tagtäglich näher - mit Lärmbelästigung und Schmutz." Und dennoch: "Gern gehen die Leute hier nicht weg", sagt Schneidewind.

Für Trebendorf hat der Umzug so vieler Menschen ganz konkrete Auswirkungen. Der Ort verliert auf einen Schlag rund 200 Einwohner. Auch Gebäude auf dem Mühlroser Grund, die der Gemeinde gehören, sind irgendwann weg. 1,5 Millionen Euro erhält Trebendorf darum an Entschädigung von der Leag. Mit dem Geld Straßen saniert und das Breitbandnetz ausgebaut werden, wie Bürgermeister Locke sagt.

Quelle: MDR/ris/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 15.02.2019 | 16:30 Uhr aus dem Regionalstudio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 18:22 Uhr

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1 Kommentar

15.02.2019 22:25 na so was 1

Wer gut heißt, dass ganze Ortschaften "weggebaggert werden", hat sich noch nicht vorstellen können, wenn es sein Grundstück mit Haus, wenn es seine Heimat ist. Gut, diesen Menschen ist viel Geld versprochen worden, wenn sie ohne Probleme zu machen, irgendwo sich eine neue Existenz aufbauen dürfen / können. Ob sie damit aber glücklich werden ? Ein zurück, nur um mal zu gucken, wie sieht mein ehemaliges Heimatdorf jetzt aus, geht dann nicht mehr. Deswegen verstehe ich auch Herrn Kretschmer (CDU) und Herrn Dulig (SPD) als Oberste in Sachsen nicht, dass sie das begrüßen. Na, vielleicht müssen sie es auch.

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