12.04.2019 | 10:44 Uhr Oberlausitzer haben Nase voll vom Gestank am Stausee Quitzdorf

Im Hochsommer stinkt es an der Talsperre Quitzdorf zum Himmel. Das massive Blaualgenwachstum ist eine Plage, der man bisher nicht Herr wurde. Für Reparaturen am Staubauwerk soll in diesem Jahr erstmals der See abgelassen werden. Für die Anrainer kommt diese Maßnahme überstürzt, sie drängen darauf, das Gewässer nachhaltig zu sanieren.

Ein Mann hält vor Publikum einen Vortrag
Sebastian Fritze, Chef der Landestalsperrenverwaltung, erklärt am Mittwoch im Landhotel in Kollm die vorgesehenen Reparaturmaßnahmen an der Talsperre Quitzdorf. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Der Saal des Landhotels "Zum Heideberg" in Kollm ist voll: Rund 130 Anwohner, Hobbyfischer, Bungalowbesitzer und Wassersportler hören am Mittwochabend den Erklärungen von Sebastian Fritze zu. Der Chef der Landestalsperrenverwaltung stellt eine zeitlich knapp bemessene Baumaßnahme vor. Schon in diesem Herbst 2019 sollen Schäden am Entnahmebauwerk der Talsperre beseitigt werden. Dafür wird der Stausee im Juli und August abgelassen, das Gewässer in kurzer Zeit abgefischt, einige wenige Fische werden umgesetzt. Der Grund: Vor einigen Monaten waren Schäden am Bauwerk der Talsperre entdeckt worden. Teile der Glasfaserkunststoffbeschichtungen an der Mauer waren abgefallen, der Beton dahinter wies desolate Stellen auf. Mit dieser Reparatur will man den Anrainern entgegenkommen.

Die Zuhörer interessieren sich wenig für die technischen die Details der Baumaßnahme und den Ablauf. Sie haben ihre Fragen mitgebracht. "Wie sieht es mit einer Sedimentberäumung aus?", lautet die erste aus dem Publikum. "Der Gestank muss weg", fordert ein anderer. "Wir müssen der Wasserqualität zu Leibe rücken. Wir werden auch in Kauf nehmen, das Wasser zwei Jahre abzulassen", proklamiert ein Mann und erntet im Saal Applaus.

Schlechtes Wasser und Algenteppiche

Ein Mann
Für eine nachhaltige Sanierung verzichtet der Norbert Neumann gerne länger aufs Angeln im Quitzdorfer See. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Nachbarn und Nutzer der Talsperre haben die Nase sprichwörtlich voll. Durch unkontrollierte Sediment- und Nährstoffeinträge gibt es im See seit Jahren Probleme mit Blaualgen. Sind die Sommer besonders heiß, ähnelt das Gewässer eher einer grünen, fauligen Plörre. "So wie der trockene Sommer voriges Jahr war, das war ekelhaft", schildert Angler Norbert Neumann im Gespräch MDR SACHSEN.

Wenn man es baulich vertreten könne, die alte Mauer noch ein Jahr zu halten, dann solle man umfassender planen und eine große Sanierung machen, meint der Angler in Richtung Talsperrenverwaltung. Für eine Sanierung, bei der etwas Vernünftiges herauskomme, verzichte er gern längere Zeit aufs Angeln.

Es war mal ein schöner See, aber jetzt ist es wirklich ein stinkendes Loch.

Diana Roscher Bungalowbesitzerin
Ein Mann
Andreas Pohl möchte sich wieder am See erholen können, ohne den Gestank der letzten Jahre. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Diana Roscher hat seit vielen Jahren einen Bungalow am See. Sie sei nicht zimperlich, gehe aber inzwischen dort nicht mehr baden. Die Ausbreitung der Blaualge habe massiv zugenommen, sagt sie. "Für mich wäre es wichtig, dass der See gesundet." Davon könne die Region profitieren, den Tourismus würde es ankurbeln, wovon wiederum das kleinere Gewerbe etwas hätte.

"Wir haben einen massiven Verlust an Lebensqualität mit dieser Talsperre", sagt auch Andreas Pohl. "Wenn wir dem Konzept, so wie es aktuell geplant ist, folgen würden, wird sich an dieser Situation nichts bessern." Und mit der aktuellen Situation seien die Menschen mehr als unglücklich, so der Bungalowbesitzer aus Görlitz.

Landestalsperrenverwaltung schwenkt um

"Für mich war es überraschend, dass eine längere Absenkung mit einer umfangreicheren Sanierung in der Bevölkerung auf deutlich offene Ohren stößt", resümiert Talsperrenchef Sebastian Fritze am Ende des Infoabends. Das müsse er erst einmal sacken lassen. Fritze kann sich durchaus vorstellen, die Reparatur aufzuschieben, um die Maßnahme größer anzugehen. Vorausgesetzt, es sprechen keine sicherheitstechnischen Gründe dagegen.

Talsperre Quitzdorf
Die Talsperre Quitzdorf staut den Schwarzen Schöps an. In der Fläche handelt es sich um den größten Stausee in Sachsen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Talsperre Quitzdorf ist bisher im Haupteinlauf nicht geschützt. Um die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern, genügt es deshalb nicht, den See einmal zu entschlammen. Es könnte zum einen eine Vorsperre - eine zusätzliche kleine Stauanlage - am Hauptzufluss, dem Schwarzen Schöps, installiert werden. Diese würde Verunreingungen wie Äste, Geröll und Sedimente abfangen. Zum anderen müsste man eine Lösung gemeinsam mit den umliegenden Landwirten finden, damit die phosphorhaltigen Düngemittel von den Äckern nicht ins Wasser gelangen und den Algen Nahrung geben.

Man werde noch einmal intensiv mit der Landestalsperrenverwaltung über die Möglichkeit einer Komplettsanierung reden, sagt Heike Zettwitz, Dezernentin des Landkreises Görlitz nach der Bürgerveranstaltung. Die Botschaft des Abends sei bei ihr angekommen: "Wenn wir es einmal machen, dann sollten wir es richtig machen", so die Dezernentin. Dazu bräuchte man dann auch die entsprechenden Fördermittel.

Ergebnisse von Tauchern müssen nun zeigen, ob sich die Sanierung tatsächlich um ein oder zwei Jahre schieben lässt und dann in großem Maßstab gestartet werden kann.

Blaualgen Blaualgen können Hautreizungen und Allergien auslösen. Außerdem bilden sie Giftstoffe. Wird blaualgenhaltiges Wasser verschluckt, kann es zu Durchfall und Erbrechen kommen. Ein Blaualgenbefall ist an auffällig grünem Schleim am Ufer eines Gewässers zu erkennen. Blaualgen, eigentlich Bakterien, sind in Seen nicht ungewöhnlich. Nur eine massenhafte Vermehrung – begünstigt durch Düngemittel und Sonnenschein – lässt sie gefährlich werden.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.04.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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1 Kommentar

12.04.2019 08:46 na so was 1

Man kann nur hoffen, dass sich die Landestalsperrenverwaltung mit einer Komplettsanierung durchsetzt, auch wenn diese erstmal zwei, in Wirklichkeit dann vielleicht auch drei Jahre dauern würde. Wo ich so meine Bedenken habe, ist der Kostenpunkt. Nicht, dass dann ein ganz Schlauer kommt und sagt: "Also diese Baumaßnahme geht nun wirklich nicht, so viel Geld haben wir dafür nicht übrig. Es ist schon verplant für … andere Maßnahmen."

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