Oberlausitz Salutschüsse für das Napoleonmuseum bei Löbau

In Bellwitz bei Löbau ist am Wochenende ein Museum über die Napoleonzeit eröffnet worden. Es stellt die Truppenbewegungen und Schlachten im Jahr 1813 in der Oberlausitzer Region dar und gibt Einblicke ins damalige Soldatenleben. Gesammelt und recherchiert für das Privatmuseum hat der Hobby-Historiker Bernd Engelmann.

Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Soldaten weihen das Museum mit Salutschüssen ein. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Im Gleichschritt marschieren die Soldaten über das Löbauer Wasser zur Gemauerten Mühle von Bellwitz. Sie tragen Uniformen, so wie es wohl vor mehr als zweihundert Jahren in den napoleonischen Kriegen die Preußen, Sachsen und Franzosen taten. Mit Tornister, vielen Riemen für die Musketen und Feldausrüstung und herausgeputzten Hüten und Tschakos auf den Köpfen. Auf dem Hof der ehemaligen Wassermühle unweit der Stadt Löbau nehmen die Miniregimenter Aufstellung.

"Vive la France!"

Das königlich-sächsische Korps schwört sich ein: Auf den geliebten Landesvater Friedrich August von Sachsen erschallt ein dreifaches "Es lebe der König". Nebenan rufen die Franzosen: "Vive la France". Auch die Preußen und das Lützower Freicorps schmettern ihren Schlachtruf. Dann donnern die Salutschüsse. Die Ehre gebührt Bernd Engelmann und seinem Museum "1813". Der Rentner und ehemalige Gastwirt der Gemauerten Mühle hat das kleine Privatmuseum über die napoleonische Zeit nach jahrzehntelangem Sammeln, Recherchieren und Bauen an diesem Wochenende eröffnet.

Bewegte Zeit in der Oberlausitz

"Weil das eine bewegte Zeit war und hier in der Oberlausitz so viel verändert hat", erklärt der 70-Jährige den Beweggrund. Ihm gehe es nicht darum Kriege zu verherrlichen, sondern darum Heimatgeschichte aufzuarbeiten. 1813 habe es in der Region viele Truppenbewegungen gegeben. Napoleon Bonaparte soll sich hier ein halbes Jahr aufgehalten haben. Und mit der Schlacht bei Wurschen östlich von Bautzen habe schließlich Napoleons Stern zu sinken begonnen, so Engelmann, der sich als Vorsitzender des Oberlausitzer Vereins "Napoleonzeit 1813" schon lange mit der Heimatgeschichte befasst.

Soldaten wie vor 200 Jahren

Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Tiroler Jäger beim Biwak an der Gemauerten Mühle von Bellwitz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Tiroler Jäger beim Biwak an der Gemauerten Mühle von Bellwitz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Konrad Klein, Schmied im Ruhestand, testet die fahrbare Schmiede des Museums. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Noch warten die Befehlshaber vor dem neuen Museum auf ihre Soldaten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Soldaten wie vor 200 Jahren sammeln sich nach und nach auf dem Hof. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Dann wird angetreten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Nach schmetternden Schlachtrufen werden die Gewehre präsentiert und für die Salutschüsse geladen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Laut knallen die Schüsse zur Einweihung des Museums. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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"Man muss diesen Zeitabschnitt doch darstellen, damit die Bürger, Touristen oder auch Schüler sich das vorstellen können", findet Engelmann. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Napoelonischen Kriegen und ihren verschiedenen Allianzen. Die Franzosen mit ihrem berühmten Feldherrn Napoleon Bonaparte hatten die Sachsen auf ihrer Seite. Dem gegenüber standen unter anderem russische und preußische Truppen.

bitte die Bilder im "Biwak"-Ordner im Tagesordner ins System stellen; Quelle/Rechte: MDR/Madeleine Arndt; Danke Madeleine 3367
Christian Huras stellt mit seiner Uniform einen Tiroler Jäger dar. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Zum Biwak an der Mühle haben sich verschiedene Mitglieder historischer Militärvereine zusammen gefunden - an der Stelle, wo im Spätsommer 1813 preußische Soldaten unter dem Befehl des Marschall Blücher biwakiert haben sollen. In grüngrauer Uniform und mit einem federbusch-geschmückten Hut präsentiert sich Christian Huras. "Ich trage die Uniform des Tiroler Jägers, die sich 1813 dem Lützower Freikorps angeschlossen haben", erklärt er. Die Lützower, die gegen die Franzosen kämpften, seien allerdings nicht hier, sondern mehr in der Leipziger Gegend aktiv gewesen.

Einen preußischen Soldaten darzustellen, kam für Huras nicht in Frage. "Ich bin gebürtiger Sachse, da mag man die Preußen nicht so", meint er mit einem Augenzwinkern. Der 40-Jährige ist mit dem Hobby aufgewachsen. Seine Eltern waren schon Mitte der 1980er-Jahre in einem militärhistorischen Verein aktiv, wie er erzählt.

Feldbäckerei und fahrbare Schmiede

Damit die Zusammenkunft trotz geltender Corona-Beschränkungen gelingt, brauchte es auch für das Oberlausitzer Biwak ein Hygiene- und Abstandskonzept. Darum gekümmert hat sich Matthias Sander von der Sächsisch Napoleonischen Gesellschaft. Vor Engelmanns Anstrengungen, ein Museum auf die Beine zu stellen, ziehe er den Hut. Ein paar Vitrinen mit Uniformen und Kanonenkugeln habe ja fast jedes Heimatmuseum. Aber hier sei der Bezug zum Ort da und es seien größere Exponate aufgebaut, die die Zeit plastisch machten. "Das ist schon etwas Besonderes", findet Sander.

Impressionen aus dem Napolenmuseum mit Statisten in traditionellen Kostümen
Konrad Kleiner, Schmied im Ruhestand, facht das Feuer einer fahrbaren Schmiede an. Bildrechte: MDR/Madeleine Arnd

Das Museum befindet sich in drei Etagen eines alten Feldsteinhauses: Im Erdgeschoss steht etwa eine nachgebaute Feldküche und eine Feldbäckerei. Erstmalig in der Napoleonzeit seien Feldküchen entwickelt worden. "Da konnte dann kompanieweise gekocht werden", erklärt Engelmann. "Vorher hatte jeder Soldat einen kleinen Kessel am Tornister auf dem Rücken und musste selbst sein Süppchen kochen. Das war sehr umständlich."

Uniformen gibt es im Museum natürlich auch - von einem sächsischen Grenadierleutnant, einem sächsischen General, einem Lützower. Einige Fundstücke, wie Gewehrkugeln, liegen in einer Vitrine. Ein Modell zeigt Truppenbewegungen einer Schlacht. An den Wänden hängen viele Gemälde des Ebersbacher Malers Michael Franke, der Schlüsselszenen der damaligen Zeit auf die Leinwand gebracht hat.

Napoleon in der Badewanne

Blickfang sind vor allem lebensgroße Puppen, mit denen das Leben bei den Feldzügen nachgestellt wurde. "Das ist Napoleon in der Badewanne", zeigt Engelmann auf einen ernst dreinschauenden Napoleon in einem Zuber, der mit einem Federkiel in der Hand auf einem quergelegten Brett seine Korrespondenzen erledigt. "Napoleon war einer der wenigen Monarchen, die regelmäßig ein Bad nahmen", so Engelmann. Von der Badewanne aus habe er dann auch Kuriere empfangen und Befehle ausgegeben, erläutert der Napoleon-Fan.

Blick ins Museum 1813

Napoleonmuseum in Bellwitz
Das Museum 1813 liegt im Wiesengrund an der Gemauerten Mühle Bellwitz unweit von Löbau. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Das Museum 1813 liegt im Wiesengrund an der Gemauerten Mühle Bellwitz unweit von Löbau. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Ein Modell verdeutlicht die Truppenbewegungen 1813 in der Oberlausitz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
An den Wänden hängen viele Gemälde des Ebersbacher Malers Michael Franke, der Schlüsselszenen der damaligen Zeit auf die Leinwand gebracht hat. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Zu sehen ist etwa die berühmte Ankunft Napoleons an der Posthalterei in Bautzen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Darstellung einer Feldschneiderei. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Medizinische Geräte zur Versorgung der Verwundeten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Auch militärischer Kopfputz und Uniformen gehören zu den Ausstellungsstücken. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Ein Wundarzt beim Amputieren des Beines eines verletzten Soldaten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Napoleon erledigte seine Korrespondenz auch in der Badewanne. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Napoleonmuseum in Bellwitz
Bernd Engelmann hat auch die Schlittenfahrt von Napoleon zur Posthalterei nach Bautzen thematisiert. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Man sieht auch Napoleon im Schlitten sitzen. Dahinter verbirgt sich eine Überlieferung, die sich in der Posthalterei zu Bautzen zugetragen haben soll. Der Kaiser der Franzosen reiste incognito nach Dresden und ein Pferdewechsel stand an, wie Engelmann ausführt: "Der Posthalter kam an den Schlitten, leuchtete hinein und fragte dann 'Kerl, wer seid ihr?' Napoleon antwortete 'Ein Posthalter hat Pferde zu wechseln und keine Gendarmeriedienste zu leisten.'" Dieser Satz sei in die Weltgeschichte eingegangen, sagt Engelmann.

Napoleonmuseum in Bellwitz
Bernd Engelmann hat an die 30 Jahre für sein Museum recherchiert und gesammelt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Das Museum 1813 öffnet immer sonntags für Interessierte zwischen 11 und 16 Uhr.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.09.2020 | ab 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.09.2020 | 19:00 Uhr

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