16.06.2019 | 23:41 Uhr CDU-Mann Ursu gewinnt Wahlkrimi in Görlitz

Wahlsieger Octavian Ursu tritt in Görlitz vor die Presse.
Der 51-jährige Ursu, der wie Wippel als Abgeordneter im Sächsischen Landtag sitzt, hatte vor der Abstimmung für eine "weltoffene Europastadt Görlitz" geworben. Der gebürtige Rumäne kam 1990 als Musiker nach Görlitz, gründete dort eine Familie und blieb. Bildrechte: Martin Kliemank

Görlitz ist künftig in CDU-Hand. Kandidat Octavian Ursu setzte sich am Sonntag im zweiten Wahlgang mit 55,2 zu 44,8 Prozent gegen den AfD-Bewerber Sebastian Wippel durch. Wie Wahlleiterin Cornelia Herbst mitteilte, bekam Ursu 14.043 Stimmen, für Wippel votierten 11.390 Wähler. Die Wahlbeteiligung lag bei 56 Prozent und damit 2,6 Prozentpunkte unter der vom ersten Wahlgang am 26. Mai. Damals hatte der Musiker und Landtagsabgeordnete Ursu mit 30,3 Prozent auf Platz 2 hinter Wippel (36,4 Prozent) gelegen. Die beiden Kandidatinnen Franziska Schubert von den Grünen (27,9) und Jana Lübeck von den Linken (5,5) hatten danach verzichtet, um ein AfD-Stadtoberhaupt zu verhindern.

Sebastian Wippel gratuliert Octavian Ursu.
Sebastian Wippel gratuliert Octavian Ursu. Bildrechte: dpa

Bildergalerie Politische Reaktionen nach der OB-Wahl in Görlitz

Vom "Sieg der demokratischen Kräfte" bis zur "Presche in die Mauer der CDU" - die Reaktionen auf die Wahl in Görlitz fallen ganz unterschiedlich aus. Eins ist allen Parteien aber gleich: der Blick zur Landtagswahl.

Alexander Dierks
Alexander Dierks | CDU-Generalsekretär Sachsen "Octavian Ursu steht für einen klaren Kurs der Mitte, für das pragmatische Lösen von Problemen, für das Formulieren von realistischen Zukunftsperspektiven. Wir freuen uns jetzt zunächst mal, dass wir die OB-Wahl von Görlitz gewinnen konnten und sind jetzt dabei, die Landtagswahl vorzubereiten. Wir werden in allen Regionen Sachsens Gas geben. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, auch im September die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen." Bildrechte: MDR SACHSEN
Alexander Dierks
Alexander Dierks | CDU-Generalsekretär Sachsen "Octavian Ursu steht für einen klaren Kurs der Mitte, für das pragmatische Lösen von Problemen, für das Formulieren von realistischen Zukunftsperspektiven. Wir freuen uns jetzt zunächst mal, dass wir die OB-Wahl von Görlitz gewinnen konnten und sind jetzt dabei, die Landtagswahl vorzubereiten. Wir werden in allen Regionen Sachsens Gas geben. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, auch im September die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen." Bildrechte: MDR SACHSEN
Jörg Urban, Vorsitzender der sächsischen AfD, sitzt beim Landesparteitag seiner Partei auf der Bühne.
Jörg Urban | AfD-Landesvorsitzender Sachsen "Ein bisschen enttäuscht ist man definitiv. Wir haben natürlich gehofft, dass Sebastian Wippel es schafft, den ersten Oberbürgermeister in ganz Deutschland zu stellen. Wir sind trotzdem erfreut über das Ergebnis, weil, er hat noch mal zugelegt. Hier haben offensichtlich Wähler, die sonst nicht AfD wählen gesagt, die AfD hat so gute Leute, wir wählen den. Ich bin sicher, wir haben eine weitere Presche in die Mauer der sächsischen CDU geschlagen und dieser Wahlkampf in Görlitz wird uns Rückenwind für die Landtagswahl geben." Bildrechte: dpa
Antje Feiks – Die Linke
Antje Feiks | Linke-Landesvorsitzende "Ob mir das Ergebnis gefällt oder nicht: Es ist ein Wahlergebnis. Dass wir uns was anderes gewünscht hätten, ist klar. Dass sich jetzt der weniger rechte Kandidat durchgesetzt hat, das ist natürlich auch für uns das klar bessere Ergebnis. Wenn die AfD wie in Görlitz so ein starkes Ergebnis erzielt, dann erschüttert uns das. Uns steckt auch generell das Kommunalwahlergebnis vom 26. Mai in den Knochen. Und es ist klar, dass es für keine Partei in Sachsen ein Selbstläufer wird, was die Landtagswahl am 1. September angeht." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Henning Homann, neuer Generalsekretär der sächsischen SPD, aufgenommen beim Landesparteitag.
Henning Homann | SPD-Generalsekretär Sachsen "Ich gratuliere einem Christdemokraten nicht immer gern zur Wahl. Aber in diesem Fall gratuliere ich Octavian Ursu mit einer gewissen Erleichterung. Trotzdem ist die Knappheit des Wahlergebnisses von Görlitz eine Sache, die bei mir die Freude deutlich trübt. Das ist ein Ergebnis das zeigt, dass Sachsen mit Blick auf die Landtagswahl in einer schwierigen Situation ist." Bildrechte: dpa
Der frisch gewählte neue Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Sachsen, Norman Volger, spricht auf der Landesdelegiertenkonferenz.
Norman Volger | Grünen-Landesvorsitzender Sachsen "Es ist ein Sieg der demokratischen Kräfte. Das Ergebnis zeigt, dass die Mehrheit der Menschen in Görlitz nicht von einem Antidemokraten regiert werden will. Die AfD hat die OB-Wahl in Görlitz zur entscheidenden Vorabstimmung über die Landtagswahl am 01. September erklärt. Diese Abstimmung hat sie verloren. Dennoch ist das kein Grund sich zurückzulehnen. Die Oberbürgermeisterwahl bleibt aber ein Weckruf für die Landtagswahl am 1. September in Sachsen." Bildrechte: dpa
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Reaktionen von Octavian Ursu und Sebastian Wippel

Tino Chrupalla, Jörg Urban und Sebastian Wippel stehen während einer Wahlparty der AfD nebeneinander und sprechen mit den Pressevertretern. 1 min
Bildrechte: dpa

Erleichterung bei der Bundes-CDU

Die Bundes-CDU reagierte erleichtert. Ursu sei von einem breiten Bündnis getragen worden, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Es ist auch ein großer Erfolg und Rückenwind für die sächsische Union unter Ministerpräsident Michael Kretschmer." Ursu kommentierte seinen Sieg mit den Worten: "Die Mehrheit hat sich für eine offene Gesellschaft und gegen Abschottung entschieden."

CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer twitterte: "Octavian Ursu und die @cdusachsen zeigen in #Goerlitz: Die @CDU ist die bürgerliche Kraft gegen die AfD. Herzlichen Glückwunsch an den neuen Oberbürgermeister von #Goerlitz!"

AfD spricht von respektablem Ergebnis

Wahl Görlitz
Zu Beginn der Auszählung lieferten sich beide Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach 27 ausgezählten Wahlbezirken hieß es: 50:50. Bildrechte: Uwe Walter

Sebastian Wippel sprach angesichts seines Stimmenanteils von knapp 45 Prozent von einem respektablen Ergebnis, "wenn man bedenkt, dass alle anderen Parteien alle ihre Kräfte gegen uns mobilisiert haben". AfD-Landeschef Jörg Urban sagte, Görlitz sei die "Blaupause" für die Landtagswahl am 1. September. "Wir wollen auf über 30 Prozent kommen und mit dem Rückenwind aus der Lausitz bin ich auch optimistisch." Wippel hat es zwar nicht geschafft, Oberbürgermeister zu werden. Das Wahlergebnis ist nach Ansicht der AfD aber so knapp ausgefallen, dass der Polizeikommissar durch diese Niederlage nicht beschädigt ist. In der AfD erwartet man, dass ihn die Partei bei der Landtagswahl erneut ins Rennen schicken wird - dann als Direktkandidat im Wahlkreis von Ministerpräsident Kretschmer. Um dies zu ermöglichen, hatte der Landesverband die Kandidatenaufstellung auf einen Termin nach der OB-Wahl in Görlitz gelegt.

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen zollte Sebastian Wippel auf Twitter seinen Respekt und schrieb: "Das Ergebnis zeigt, die #AfD ist nicht mehr aufzuhalten: Vorfreude auf die #Landtagswahlen in #Sachsen & #Brandenburg!"

Stimmungstest für die Landtagswahl

Der Landesvorstandssprecher der sächsischen Grünen, Norman Volger, sprach indes von einem "Sieg der demokratischen Kräfte". Das Ergebnis zeige, dass die Mehrheit der Menschen in Görlitz "nicht von einem Antidemokraten regiert werden will". Die Oberbürgermeisterwahl bleibe aber "ein Weckruf" für die Landtagswahl am 1. September in Sachsen.

Die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz wurde als Stimmungstest für die bevorstehende Landtagswahl gewertet. Jüngsten Umfragen zufolge könnte die AfD bei der Landtagswahl stärkste Kraft im Freistaat werden. Die derzeitige Landesregierung von CDU und SPD hat momentan laut Umfragen keine Mehrheit mehr. Schon bei der Bundestagswahl und auch bei der Europawahl lag die AfD sachsenweit vorn.

Quelle: MDR/dk/dpa/AFP

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.06.2019 | ab 18:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

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238 Kommentare

18.06.2019 09:52 Jimmy 238

Derartige "Zweckbündnisse" zur Verhinderung einer einzelnen Partei können höchstens kurzfristig etwas bewirken. Langfristig verstärken Sie nur den ohnehin vorhandenen Eindruck von Beliebigkeit und Austauschbarkeit und konkrete Ziele der einzelnen Parteien sind nicht mehr erkennbar. Wiederum ein großer Vorteil für den sogenannten politischen Gegner. Ich denke dass der "fade Sieg" in Görlitz teuer erkauft ist. Noch mehr Protestwähler oder CDU-Abtrünnige bei den anstehenden Landtagswahlen - zugunsten der AfD. Wer konservativ sicher möchte, kann diese aktuelle CDU nicht mehr wählen, da er Grün oder gar Links gleich mit mitbekommt.

Vielleicht ist dieser Wahlausgang in Görlitz ganz gut. So wird man sehen, ob und wie und wozu die einzelnen Parteien agieren, die Masken fallen und Ideologien mit Beliebigkeit gewechselt werden.

18.06.2019 08:08 Jimmy 237

@200 Janes - Erklären Sie doch nun endlich mal, was Sie ständig unter "Rückschritt" verstehen. Was ist denn der darauf konkret bezügliche Fortschritt?

18.06.2019 07:41 Schnibbler 236

@197 Martin Vomberg
kleine Korrektur hinsichtlich Wählerwille und Landeschef in Th: nach meiner Erinnerung war damals die CDU die Partei mit den meisten Prozentpunkten... nur kam aus welchen Gründen auch immer keine Koalition zu Stande.
Das jetzt in Th herrschende Konstrukt RRG ist somit böse gesprochen eine Verbindung aus Wahlverlierern und nicht Wille der Wähler.
Aber so ist das in der Demokratie: wer sich unter Zusammenschluss die meisten Prozente sichert kann unter Umständen regieren, die CDU hätte ja auch ne Minderheitsregierung machen können... wollten se offenbar nicht

18.06.2019 06:56 Wo geht es hin? 235

Da sagt doch nicht etwa ein Herr Kretzschmer gestern als Reaktion auf die OB - Wahl in Görlitz im DLF, dass man die AfD nicht ignorieren, sondern mit Argumenten schlagen solle. Das hätte geklappt. Ich frage mich die ganze Zeit, was für Argumente das gewesen sein sollen. Ich habe nur Panikmache und Hetze von genau denen gehört, die ein "breites Bündnis" gegen die AfD unter Inkaufnahme des Versenkens ihrer eigenen Ideale eingegangen sind. @Peter - Zitat von Ihnen: "1:0 ist ein Sieg und bringt 3 Punkte." Zitat Ende. Was aber noch lange nicht die Vermeidung des Abstieges bedeutet. Und schon gar nicht den Gewinn der Meisterschaft.

18.06.2019 02:55 DER Beobachter @ Aus Dresden 204 234

1. Ist der zweite Durchgang in der naheliegenden Realpraxis sächsischer (O)BM-Wahlen keine Neuwahl, sondern eine Stichwahl. 2. Seien Sie doch ehrlich: Die "katastrophale Fehlbesetzung" in DD wurde nach dem Scheitern der Wunschtaddel seinerzeit (Tatjana F.) doch seinerzeit ausdrücklich von Ihresgleichen beworben und als "katastrophale Fehlbesetzung" nächtlich vor ihrem Wohnhaus von Ihresgleichen angepöbelt...

18.06.2019 02:29 DER Beobachter @ Querdenker 218 233

Ich vermisse auch Lammerts treffende, bissige und doch so herzliche und verbindlich-verbindende Ironie zu den Schwächen unserer Geschichte, unserer Ordnung, den Parteien und Abgeordneten. Was er wohl zu den regelmäßigen verbalen und juristischen und in unserer Bundestagsordnung handgreiflichen Entgleisungen der sogenannten Alternative denkt?

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18.06.2019 02:12 DER Beobachter 232

AfD-Versteher lieben ja Nonsensvergleiche unserer Gegenwart zur DDR-Vergangenheit. Mich erinnert das Gebahren unserer (sächsischen) gewählten AfDler in der Tat an unsere gute alte Weisheit über Karrieristen: Wer nichts macht, macht keine Fehler. Wer viel macht, macht viele Fehler. Wer nichts macht, wird ausgezeichnet ;)

18.06.2019 01:59 DER Beobachter @ Erna 231

Wahrscheinlicher ist, dass auch die Sachsen-AfD zur LT-Wahl nicht sehr über die 23-25% gegenwärtiger Prognose nach Wählerumfragen hinauskommt. Das haben mittlerweile selbst AfDler selbst verstanden. Von gewissen Herrschaften der AfD-Wählerschaft hier wird diese Tatsache jedenfalls nach deren Kommentaren hier wohl in der Tat kaum verstanden werden können und sie werden weiterhin Verschwörung (t)wittern...

17.06.2019 23:45 Klaus 230

@ { 17.06.2019 21:20 Erna }
In BW regiert ein grüner MP, der auch von der Union gewählt wurde.
Warum soll es in Görlitz keinen CDU-Bürgermeister geben, der von den grünen gewählt wurde.
Einfach mal zusammenzählen, schwarz-grün hatten bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit.
Da braucht man weder die Linke noch die SPD.

17.06.2019 23:09 Mediator 229

@Luftikus(184) : Sorry, aber die Sahara liegt auf dem Kontinent Afrika und nicht in Asien. Es scheint ihnen nicht zu passen, dass die Diplomatie der Bundesregierung und EU in der Subsaharazone und Nordafrika wirkt und ihrer Partei die Flüchtlinge als Hassmunnition ausgehen.

@Bernd L.(186): Klar dass Leute wie ihnen, wenn es um KOMMUNALPOLITIK geht in Bezug auf die AfD nur die übliche Hetze gegen Muslime und Flüchtlinge einfällt. Nur weil ihnen das ihre AfD Scharfmacher nicht erzählen, aber es ist rechtlich bei uns genau geregelt wie mit "Zweitfrauen" und "Kinderehen" umzugehen ist. Wenn sie mit zwei Frauen zusammenleben geht die Welt ja wohl auch nicht unter und rechtlich ist es auch völlig irrelevant, ob ihnen von einem Druiden noch eine Dritte Frau angetraut wurde. Was Abschiebungen betrifft so nutzt AfD Stammtischgetöse wenig, wenn man die Aufnahmestaaten vor den Kopf stößt und diese bei der Rückführung und Identitätsfeststellung nicht hilfreich sind.

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