Vor der OB-Wahl Filmstars schreiben Offenen Brief an Menschen in Görlitz

Beeindruckt von der kriegsunzerstörten Stadt und der Gastfreundschaft in Görlitz zeigen sich Hollywoodstars und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum. Kurz vor dem zweiten Wahlgang zur Oberürgermeisterwahl in Görlitz rufen sie die Bürger auf, sich nicht blenden zu lassen. Darunter "Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha, die Autoren Bernhard Schlink und Daniel Kehlmann und Volker Bruch von "Babylon Berlin".

In einem Offenen Brief - der ursprünglich am kommenden Montag veröffentlicht werden sollte - appellieren Hollywoodstars, Oscarpreisträger und Autoren aus Deutschland an die Görlitzer. "Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin", schreiben die Künstler mit Blick auf den zweiten Wahlgang zur Oberbürgermeisterwahl am 16. Juni. Zwei Bewerber treten für das Amt an. Der AfD-Kandidat Sebastian Wippel und der CDU-Kandidat Octavian Ursu. Viele der Unterzeichner haben demnach in Görlitz für erfolgreiche Filmproduktionen gearbeitet, die Stadt aber auch als Ort des Friedens kennengelernt.

FRIEDEN: Wir haben ihn gesehen! Wir waren in Görlitz, wo der Krieg nicht hingekommen ist. Eine Ausnahme-Schönheit, welche die Kriege unter uns Völkern nicht verheert hat- und die nicht auf Gebäude, Straßenzüge und die Altstadt beschränkt ist. Als Gäste fanden wir Freunde und Freundschaft, großzügige Gastgeber und Gastfreundschaft wohin das Auge blickt. Viele fanden dort eine Heimat, die sie woanders durch Krieg und Vertreibung eingebüßt hatten. Es gilt Probleme zu lösen und die Zukunft überall auf der Welt kann einem manchmal verdammt viel Angst einjagen. Umso mehr: Bitte wählt weise, wenn die Wahl an Euch ist, liebe Bürgerinnen und Bürger und Freunde in Görlitz! Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin. Gebt nicht auf, wenn Dinge schief laufen! Verratet nicht Eure Überzeugungen, sobald jemand behauptet, er könne die Probleme für Euch lösen! Lasst niemanden Euch im Weg stehen, der die Möglichkeiten der Zukunft einschränkt, Eure Freiheiten einengt und Euch darstellt, wie Ihr nicht seid! Der Stoff aus dem Frieden ist, heißt Toleranz. Freiheit ist das Ergebnis.

Wortlaut des Offenen Briefes
Schauspieler Tom Wlaschiha
Der Schauspieler und "Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha aus Sachsen hat den Appell mit unterschrieben. Bildrechte: IMAGO

Es gelte Probleme zu lösen, schreiben die Unterzeichner und geben zu, dass "die Zukunft überall auf der Welt einem manchmal verdammt viel Angst einjagen" könne. Der in deutscher und englischer Sprache verfasste Brief endet mit dem Aufruf: "Gebt nicht auf, wenn Dinge schief laufen! Verratet nicht Eure Überzeugungen, sobald jemand behauptet, er könne die Probleme für Euch lösen! Lasst niemanden Euch im Weg stehen, der die Möglichkeiten der Zukunft einschränkt, Eure Freiheiten einengt und Euch darstellt, wie Ihr nicht seid!"

Diese Stars sind die Erstunterzeichner:

Bildergalerie Stars und Oscarpreisträger: "Der Stoff aus dem Frieden ist, heißt Toleranz"

Sie produzieren den Stoff, der Millionen Menschen zum Nachdenken und Träumen anregt - in Romanen, Hollywoodfilmen und Serien für Streamingdienste. Jetzt rufen diese Stars Wähler in Görlitz zu Bedacht und Weisheit auf.

Bilder des Tages Colonia Dignidad Filmpremiere in Berlin Emma Watson und Daniel Brühl bei Colonia Didnidad Kino Premiere am 5.02.2016 in Berlin Colonia Didnidad Kinopremiere in Berlin
Schauspieler Daniel Brühl steht seit 1994 vor den Kameras in Deutschland, Europa und den USA. Bildrechte: IMAGO
Bilder des Tages Colonia Dignidad Filmpremiere in Berlin Emma Watson und Daniel Brühl bei Colonia Didnidad Kino Premiere am 5.02.2016 in Berlin Colonia Didnidad Kinopremiere in Berlin
Schauspieler Daniel Brühl steht seit 1994 vor den Kameras in Deutschland, Europa und den USA. Bildrechte: IMAGO
Marius Müller-Westernhagen
Auch der Sänger und Schauspieler Marius Müller-Westernhagen hat den Aufruf unterzeichnet. Bildrechte: Peter Hönnemann/Warner Music
Schauspieler Burghart Klaußner
Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler und Hörbuchsprecher Burghart Klaußner war zuletzt im Zweiteiler "Brecht" zu sehen. Er spielte aber auch in der Netflix-Serie "The Crown" mit, im Kinoerfolg "Good Bye, Lenin!" und im Film "Der Vorleser", der auch in Görlitz abgedreht wurde. Bildrechte: dpa
Tom Wlaschiha auf der MagicCon 2017 im Maritim Hotel Bonn.
Tom Wlaschiha stammt aus dem sächsischen Dohna. Nach erfolgreichen Hauptrollen in deutschen Serien und Filmen machte er international Karriere als Auftragsmörder Jaqen H'ghar in der HBO-Fernsehserie "Game of Thrones". Bildrechte: IMAGO
Jana Pallaske und Sissy Metzschke
Jana Pallaske (li.) war einen Monat lang in Görlitz zum Dreh für Quentin Tarantinos Kriegsfilm "Inglourious Basterds". Bei einer BBC-Umfrage kam der Film unter die 100 bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts. Bildrechte: MDR SPUTNIK/Sissy Metzschke
Die Schauspielerin Miriam Stein als Charlotte
Auch die österreichische Schauspielerin Miriam Stein unterzeichnete. Das Foto zeigt sie in einer der Hauptrollen als Charlotte im dreiteiligen Kriegsfilm "Unsere Mütter, unsere Väter". Bildrechte: dpa
Daniel Kehlmann in hist. Kulisse
Autor Daniel Kehlmann (ganz li.) in der Kulisse mit Schauspielern für die Verfilmung seines Werks "Die Vermessung der Welt" in Görlitz 2011. Bildrechte: dpa
Der Filmregisseur Marc Rothemund (l) und der Schauspieler Elyas M'Barek
Filmregisseur Marc Rothemund (li.) war für seine Produktion "Sophie Scholl" für einen Oscar nominiert worden. 2017 kam sein Film "Dieses bescheuerte Herz" mit Elyas M'Barek (re.) in die deutschen Kinos. Bildrechte: dpa
Die deutsche Künstlerin Brigitte Broch
Den Oscar fest im Arm hielt Szenenbildnerin und Künstlerin Brigitte Broch 2002 für ihre Arbeit am Film "Moulin Rouge". Bildrechte: dpa
Der britische Theater und Filmregisseur Stephen Daldry
Für Frieden und Besonnenheit in Görlitz unterschrieb auch der britische Theater- und Filmregisseur Stephen Daldry. Sein berühmtestes Stück "Billy Elliott" bekam 50 Filmpreise. Bildrechte: dpa
Christian Schwochow, 2015
Mit auf der Unterzeichner-Liste: Der Filmregisseur und Drehbuchautor Christian Schwochow, der in Leipzig und Ostberlin aufwuchs. Bildrechte: dpa
Michael Brandner
Schauspieler Michael Brandner spielte in mehr als 150 Filmen und Serien mit. 2014 war er in George Clooneys Verfilmung "The Monuments Men" zu sehen, die ausschließlich in Ostdeutschland gedreht wurde. Bildrechte: dpa
Die Schauspielerin Almut Queitsch und Produzent Michael Simon de Normier
Produzent Michael Simon de Normier sandte von der Welturaufführung des Films "Der Vorleser" 2008 im "großen New York ins kleine(re), aber nun weltberühmte Görlitz“ herzliche Grüße und dankte "für den bemerkenswerten Anteil der Stadt am Kino-Ereignis". Am 16. Juni könnte sei ein "missverständliches Signal in die Welt hinausgehen", wenn die Stadt demnächst von einem AfD-Oberbürgermeister regiert werden sollte, sagte der Mitproduzent von "Der Vorleser" der Nachrichtenagentur dpa. Bildrechte: dpa
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Reaktion des CDU-Kandidaten

Der Brief zeige, wie groß die Aufmerksamkeit für Görlitz ist, sagte der CDU-Kandidat Octavian Ursu. "Ich glaube, es geht schon lange nicht mehr um meine Person oder um meinen Mitbewerber. Es geht darum, in welche Richtung sich die Stadt nach dem 16. Juni bewegt", sagte Ursu MDR SACHSEN.

Reaktion der AfD

Der AfD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Wippel entgegnete auf den Appell, Görlitz werde auch mit ihm als möglicher Oberbürgermeister eine weltoffene Stadt bleiben. Die Schauspielstars will er "gerne zum Kaffee einladen" und "Hollywood gern herzlich begrüßen". Sein Parteikollege, AfD-Bundestagsmitglied Tino Chrupalla hält den Offenen Brief für eine "Bevormundung" und erklärte, die Görlitzer bräuchten keine Wahlempfehlung aus Hollywood:

Chrupalla selbst holt sich für den eigenen Wahlkampf für den Sächsischen Landtag Unterstützung aus den USA. Mitte Mai traf er sich nach eigenen Angaben fünf Stunden lang mit Steve Bannon, dem ehemaligen Wahlkampfberater für den US-Präsidenten Donald Trump. Bannon will in diesem Monat nach Sachsen kommen:

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.06.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

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114 Kommentare

11.06.2019 23:57 Grundig 114

Es ist schon eigenartig, das irgendwelche Schauspieler ihren Senf zu einer Bürgermeisterwahl in Görlitz abgeben. Diese haben einfach nur einen Gaststatus und sollten die Görlitzer entscheiden lassen, wer neuer Bürgermeister wird. Es ist einfach nur eine Frechheit, wie man gegen wettert. In der AFD gibt es solche und andere Menschen, wie in jeder anderen Partei auch. Also, liebe CDU, SPD, CSU, Linke, Grüne - Ihr seid nicht besser! An die eigene Nase fassen und Klappe halten!

11.06.2019 14:21 Hant... 113

Die Akteure aus dem TV leben doch in Ihrer fiktiven Welt!
Die Wahrnehmung deren ist keinesfalls die Wahrnehmung der Menschen vor Ort. Da die "Stars" ja vom TV und den öffentlichen engagiert und bezahlt werden um uns zu belustigen, wissen alle die denken können woher der Ton kommt...Die Partei, Die Partei hat immer recht...
Eine Schwarzmalerei, die ihresgleichen sucht, der Verrat ist an ganz anderer Stelle zu finden!
Diese Personen zerstören unsere Demokratie, in dem gewählten Vertreten die Stimme entzogen werden soll mit solchen Unsinn.
Ich finde dies diskriminierend!
Die aktuelle Politik grenzt uns aus! Die Reaktionen daraus will keiner akzeptieren und schon gar nicht wahr haben.

09.06.2019 21:30 Janes 112

@Dh 111: Und wessen Rolle spielen sie?! Die, des allwissenden Moralapostels?! Schon mal daran gedacht, dass ich ausschließlich für mich spreche?

Welche Argumente von mir gereifen denn nicht? Das jeder das Recht auf Meinungsfreiheit hat? Oder was jetzt genau?

Das diese Partei noch nirgendwo auch nur minimal Sinnvolles beigetragen hat können sie offenbar auch nicht widerlegen. Aber so wie sie sich mit Politik auskennen, ist es auch völlig egal wen sie wählen. Oder auch nicht wählen.

09.06.2019 20:48 Dh 111

@110 Janes,Haben Sie die Rolle vom Mediator übernommen? Der Verdacht kommt auf, weil Ihre Argumente gar nicht greifen. Im Übrigen sollten wir den 16.06.2019 abwarten, da sind wir schlauer. Ich wünsche dem besseren Kanditaten den Sieg. Der kommt für mich von der AFD. Die AFD wird dann schon liefern, darauf können Sie sich verlassen, denn schlechter als die Altparteien wäre wahrlich eine Kunst.

09.06.2019 20:20 Janes 110

@aus Dresden 107: Meinungsfreiheit gilt für alle! Und es ist ebenfalls jedermanns gutes Recht zu entscheiden, wo man sein Geld ausgeben/investieren will.

Die afd sollte man weniger jammern, sondern mal liefern!

09.06.2019 20:20 Horst Schlimmer 109

Danke für dieses wunderbare Interview. Ich habe Tränen gelacht. Besser und absurder kann eine Satire nicht sein! Der Herr sorgt sich allen Ernstes darum, daß sein dunkelhäutiger Beethoven-Darsteller (!) im Fall des AfD-Sieges aus der Stadt gejagt wird. Die Görlitzer sorgen sich ganz gewiß um andere Sachen. Schönen Gruß aus Berlin.

09.06.2019 20:17 Janes 108

@SZ Rentner 104: " Wenn es so weiter geht wird Europa wie wir es kennen aufhören zu existieren , dank des Größenwahns in Brüssel ."

Man, ihnen muss es ja wirklich wirklich schlecht gehen, oder wie kommen sie auf so ein Unsinn? Haben sie mal ein Beispiel für diese Unterstellung?

Auch, wenn es natürlich nicht zum Thema passt....aber als afd Mensch wittert man eben überall die große Verschwöhrung.

09.06.2019 19:12 aus Dresden 107

aus dem Interview:
"[MDR] Das heißt, in Görlitz würden mit einem AfD-Oberbürgermeister weniger Filme produziert?
[Michael Simon] Ja. Es kann für Görlitz noch viel, viel schlimmer kommen, wenn man den Kontext sieht. Das muss man deutlich sagen. Wir haben auch in Brandenburg und Sachsen starke rechtspopulistische Tendenzen. Produktionen könnten auch gegen Null gehen, weil die Töpfe, mit denen diese Filme angeworben werden, aus Landesmitteln bezahlt werden. Wenn die künftig durch eine identitäre Kulturpolitik der AfD bestimmt würden, kann das auf Null runtergehen."

Dass die "Demokraten" zu offenen Drohung greifen, Görlitz im Falle einer Wahl des AfD-Kandidaten zum OB, zu boykottieren, zeigt nur die Geisteshaltung dieser Menschen.
Ansonsten wimmelt die Antworten im Interview nur so vor Falschbehauptungen ("identitäre Kulturpolitik"????)

09.06.2019 10:54 NRW-18 106

@ 101 Basisdemokrat
Seit sich die CDU der SPD zum Machterhalt angebiedert hat und sogar mit den Grünen ins gleiche Horn trötet, ist sie auch für mich links und damit nicht mehr wählbar.
Wenn Sie wirklich ein Demokrat sind, dann sollten Sie das akzeptieren, was mündige Bürger wählen. Das für mich gruselige Ergebnis der Grünen vom 26.5. muss ich auch akzeptieren.
Weshalb die AfD mit allen noch so fragwürdigen Mitteln bekämpft wird, erklärt sich mir nicht.
Oder könnte es sein, dass diese Partei der Wahrheit zu nah kommt, vor der bestimmte Leute eine ungeheuerliche Angst haben?

09.06.2019 10:24 mare nostrum 105

@ 100

Lassen wir daher die Grünen regieren!

Zum WOHLE aller Menschen dieser Erde.
Hier leben wir.

Schützen wir sie vor Profitstreben, Raubbau, vor dem weltweiten Monopol der Lebensmittelherstellung, der Wasserabzweigung, dem Sinken des Meeresspiegels, (verschleierten) Kriegen zu diesen Zwecken, ...!

Der normale Erdenbürger hat keinen Reserve-Planeten;
der Umweltschutz muss um jeden Preis für jeden vernünftigen Menschen eine Priorität sein.

Ansonsten (ver-)enden wir - schneller als wir denken! - auf dem Schindacker und unsere politischen Ideen - weil sekundär - liegen längst da vergraben ...

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