Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Dominic Häschke bringt den Benz Patent-Motorwagen in Gang. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Drei Herrnhuter und ihre rustikalen Flitzer Männer, die Oldtimer lieben

Man sagt ja, des Deutschen liebstes Kind, das sei sein Auto. Bei einer Familie in Herrnhut geht die Leidenschaft viel weiter. Hier wird alles restauriert und aufgebaut, was mit einem Motor fährt. Dabei gilt, je älter die Modelle, desto besser.

Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Dominic Häschke bringt den Benz Patent-Motorwagen in Gang. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Beherzt schiebt Dominic Häschke immer wieder ein waagerechtes Schwungrad an. Erst passiert nichts, nur eine kleine weißes Dampfwolke steigt empor. Doch plötzlich erwacht das seltsame Gefährt im Ausstellungsraum des Herrnhuter Autohauses Häschke zum Leben. Es handelt sich um einen Nachbau des ersten Automobils der Menschheit - einen Benz Patent-Motorwagen, Baujahr 1886. Der 21 Jahre alte Kfz-Mechatroniker springt auf den kutschenähnlichen Bock und dreht unter lautem Knattern gemütliche Runden. Mehr ist bei nicht ganz einem PS Motorleistung nicht drin.

Unzählige Arbeitsstunden

Gebaut hat das Automobil Dominics Vater, Jens Häschke, in unzähligen Stunden seiner Freizeit: "Ich habe erst niemanden erzählt, was ich da mache. Ich wollte vorher die Gewissheit haben, dass es funktioniert", erklärt der 50-Jährige, der mit seinem Bruder Frank das Autohaus mit Werkstatt in Herrnhut leitet. Alle Teile seines Benz-Oldtimers, vom gegossenen Motorblock bis zur einzelnen Radspeiche, sind Handarbeit. Nach drei Jahren hatte der Kfz-Meister tatsächlich das Schmuckstück fertig. Die Jungfernfahrt absolvierte der Benz Patent-Motorwagen am 7. Juli 2007, als Jens Häschke mit seiner Verlobten zum einen Kilometer entfernten Standesamt fuhr.

Der Benz Patent-Motorwagen - das erste Auto der Welt

Von der Speiche bis zum selbstgegossenen Motorblock hat Jens Häschke sich in mühsamer Kleinarbeit einen originalgetreuen Benz aus dem Jahre 1886 aufgebaut.

Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Der Benz Patent-Motorwagen ist der Hingucker im Autohaus Häschke. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Der Benz Patent-Motorwagen ist der Hingucker im Autohaus Häschke. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Jens Häschke hat sich das erste Auto der Welt nachgebaut, drei Jahre hat er geschraubt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Das waagerechte, riesige Schwungrad am Benz-Mobil. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Dominic Häschke muss das Schwungrad kräftig drehen, um den Motor in Gang zu bringen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Knatternd dreht das Gefährt im Ausstellungsraum des Autohauses ein paar Runden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Bei nicht mal einem PS Motorleistung erreicht das Gefährt Geschwindigkeiten um die zwölf Stundenkilometer. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Altes Benz Automobil wird in einem Autohaus ausgestellt.
Ein Foto aus der Werkstatt, als Jens Häschke mit dem Nachbau des Benz begann. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Ein bisschen Verrücktheit gehört dazu

Seine Frau sieht die Bastelleidenschaft der Mechaniker locker. "Ich muss an den Wochenenden arbeiten", sagt Grit Häschke, die in der Gastronomie tätig ist, "da können die in Ruhe schrauben". Das braucht man den Häschke-Männern nicht dreimal zu sagen. "Ein bisschen verrückt muss man schon sein, sonst wird das nichts", erklärt der Schwager Frank Häschke. Seinen ersten Oldtimer, den er aufbaute, war ein Peugeot aus den 1930er Jahren. Mittlerweile besitzt er drei. "Ich versuche sie gleich zu behandeln", erklärt der 55-Jährige lachend auf die Frage nach seinem Liebling. Also wechselt Frank Häschke bei Wochenendausfahrten immer wieder das Modell. Sein nächster Wagen liegt noch komplett zerlegt in der Scheune: ein Peugeot 201 aus dem Jahr 1929.

Oldtimer in der Garage und sogar am Bett

Oldtimer in der Oberlausitz
Frank Häschke an einem seiner restaurierten Peugeots. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Das Schrauben an Oldtimern begann mit den veränderten Möglichkeiten nach der Wende. Als Jens Häschke auf dem Dachboden seines Hauses ein altes Motorad der Görlitzer Marke "Zetge" aus der 1920er Jahren entdeckte, kam die Sammelleidenschaft dazu. Damals habe jeder Dorfschmied was zusammengebaut, wie Jens Häschke sagt. Es gab unzählige Varianten an Krafträdern in der Oberlausitz. Der Herrnhuter begann die Modelle zusammenzutragen, zu restaurieren und auszustellen.

Es dauerte nicht lange, dann war auch Dominic Häschke für Oldtimer Feuer und Flamme. Bereits als kleiner Junge tummelte er sich beim Vater in der Werkstatt. Schließlich war er alt genug, um an seiner ersten Simon SR2 zu schrauben. Inzwischen wagt sich der heute 21-Jährige an die Restauration von echten Raritäten. So hat er eine Heros, Model Satan, die 1921 in Niederoderwitz produziert wurde, aufgebaut. "Von den Motorrädern existieren nur noch zwei Stück", betont Dominic Häschke. Eines stehe in Frankfurt/Main. An seiner Heros bastelte der Kfz-Mechatroniker zwei Jahre lang. Jetzt hat das gute Stück einen Platz in seinem Schlafzimmer gefunden. "Da steht's am schönsten", findet Dominic Häschke.

Den jungen Mann beschäftigt bereits eine neues Projekt. Ein fast hundert Jahre alter Motor von Krieger-Gnädig (K.G.) hat den Weg zu ihm gefunden. "Ich bin jetzt dabei, Zeichnungen zu suchen", sagt Dominic Häschke, der ein Oldtimer-Motorrad dieser alten Marke aufbauen will.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.12.2018 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 12:08 Uhr

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