In einer Schachtel befinden sich viele verzierte Ostereier.
Selbst verzierte Ostereier sind der Osterschmuck schlechthin. Eine Oberlausitzerin zeigt Kindern und Erwachsenen, wie das geht. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Hochbetrieb für Meister Lampe und seine Assistentin Christina Ostereier bemalen im Faktorenhof Eibau

Auf dem Faktorenhof in Eibau bei Löbau ist Christina Radewald im Dauereinsatz für den Osterhasen. An mehreren Wochenenden zeigt sie Kindern und Erwachsenen, wie man Eier verziert - und trotzt damit einer schweren Krankheit.

In einer Schachtel befinden sich viele verzierte Ostereier.
Selbst verzierte Ostereier sind der Osterschmuck schlechthin. Eine Oberlausitzerin zeigt Kindern und Erwachsenen, wie das geht. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Drei Hähne mussten dran glauben. Eine Bekannte hatte die Vögel geschlachtet. Und damit ist Christina Radewalds Federnvorrat erst einmal gesichert. Die Niedercunnersdorferin ist immer ein dankbarer Abnehmer für das gerupfte Material. Denn ohne die Federkiele könnte sie keine Striche, Punkte, Rauten und Blumen auf Ostereier bringen. Das aber tut die 66-Jährige seit Jahrzehnten und in den Wochen vor Ostern besonders intensiv.

Eine Frau sitzt an einem Tisch, hält ein Osterei in der Hand und tupft Wachs darauf.
Christina Radewald (66) verziert Ostereier mit Wachs und Geduld. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

An diesem Sonntagnachmittag hat sie ihre bunte Eierwelt im Faktorenhof Eibau aufgebaut. Dort zeigt Christina Radewald heute Kindern und Erwachsenen, wie man Eier verziert. Mit flüssigem Wachs und mit Geduld. Während draußen die Frühlingssonne scheint, sitzen schon um die Mittagszeit die ersten Besucher im Gewölbe des Faktorenhofs. Auf langen Tischen stecken gebogene Löffel in Halterungen. Auf den Löffeln ist buntes Wachs. Und unten drunter sorgt ein Teelicht dafür, dass es flüssig wird. Mit geübten Fingern setzt Christina Radewald ein Rautenmuster auf ein Ei. Dieses Mal auf eins aus Plastik. "Das gibt es bei den Sorben nicht", erzählt die Oberlausitzerin. "Aber nachdem ich jahrelang Kindertränen erlebt habe, weil ein Ei beim Verzieren kaputt gegangen ist, habe ich überlegt, was kann ich da machen?" Eines Nachts sei sie dann auf die Plastiklösung gekommen. "Ich bin sofort aufgestanden und habe das ausprobiert. Und jetzt mache ich das mit Kindern immer", so Radewald. Seit 45 Jahren bringt die Mutter von vier Kindern Farbe aufs Ei. Angefangen hat alles in Weißwasser, wo die Familie früher lebte. Dort habe sie den sorbischen Brauch entdeckt und sich mehr und mehr angeeignet.

Erst hat sie das an die eigenen Kinder vermittelt, dann an deren Schulklameraden und schließlich an alle möglichen Gruppen. "Meine jüngsten Maler waren bisher zwei Jahre, die älteste 102", erinnert sich die frühere Krippenerzieherin, Wirtschaftspflegerin und Köchin. "Das ist was für jedes Alter", ist sie überzeugt. Sie selbst schöpft aus dem Hobby viel Kraft und Motivation. Denn seit Jahren kämpft Christina Radewald gegen eine Krebserkrankung. "Natürlich geht es mir an manchen Tagen schlecht. Aber man kann sich doch nicht gehen lassen", ist sie überzeugt.

Zu Besuch in der Eibauer Osterwelt

Vor einem Haus stehen zwei Osterhasen.
Auf dem Faktorenhof in Eibau warten die Osterhasen auf Besucher. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Vor einem Haus stehen zwei Osterhasen.
Auf dem Faktorenhof in Eibau warten die Osterhasen auf Besucher. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Eine Frau steht hinter einem Stand mit Ostereiern.
Christina Radewald (66) ist jedes Jahr vor Ostern im Faktorenhof Eibau und verziert Ostereier. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Straußenei verziert mit blauem Wachs.
Christina Radewald verziert auch Straußeneier. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Eine Frau hält ein Ei in der Hand und tupft Wachs darauf.
Für das Eierverzieren braucht man eine ruhige Hand. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
In einer Schale liegen bunte Eier, dahinter stehen Eier mit Beleuchtung.
Eier kann man ganz vielfältig in Schmuckstücke verwandeln. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Auf einem Tisch liegen viele Briefe, die die Adresse des Osterhasen tragen.
Regelmäßig kommt auf dem Faktorenhof Post an den Osterhasen an. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
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Von Straußenei bis Eiern von den Zebrafinken

Deswegen fährt sie von Ort zu Ort ­ durch die ganze Oberlausitz, aber auch bis ins Erzgebirge und nach Mittweide. Vor Ostern hat sie manchmal bis zu drei Mal-Veranstaltungen pro Tag zu bewältigen. Geld nimmt sie dafür nicht. Auch das Material gibt sie kostenlos weiter. Die Rentnerin finanziert das alles mit dem Verkauf eigener verzierter Eier. Von Bekannten bekomme sie die zerbrechliche Rohware – von den großen Straußeneiern über kleinere von Gänsen und Hühnern bis hin zu den winzigen der Zebrafinken.

Der Faktorenhof gehört zu den Stammadressen der Oberlausitzerin. Am 14. April ist sie dort beim Frühlingsmarkt, zusammen mit etwa 40 Händlern. Wenn aber am Ostersamstag die Hasen Lotti und Olli auf den Hof kommen, um mit den Kindern Hasenfest zu feiern, malt Christina Radewald schon wieder woanders - auf dem Erlichthof in Rietschen. Die Besucher auf dem Eibauer Faktorenhof können dann statt Eier zu bemalen Eier suchen. "Wir verstecken 350 bis 400 Osternester", sagt Christfried Heinrich, Leiter des Museums im Faktorenhof.

Termine zum Ostereier bemalen in der Oberlausitz - 13. April, Heimatmuseum Herrnhut (Ostereier Kinderwerkstatt), 10 bis 12 Uhr
- 13. April, Sorbisches Museum Bautzen (Bossier- und Wachsbatiktechnik), 13 bis 17 Uhr
- 14. April, Frühlingsmarkt auf dem Faktorenhof in Eibau, 11 bis 18 Uhr
- 14. April, Sorbisches Museum Bautzen (Bossier- und Wachsbatiktechnik), 13 bis 17 Uhr
- 17. April, in der Kamenz-Information, 14 bis 17 Uhr
- 18. April, Touristinformation Bautzen, 10 bis 17 Uhr
- 19. April, Museum der Westlausitz Kamenz, 14 bis 17 Uhr
- 20. April, Barockschloss Rammenau, 13 bis 17 Uhr
- 19./20. April, Theaterscheune auf dem Erlichthof Rietschen, 11 bis 17 Uhr
- 20. April, Hasenfest auf dem Faktorenhof Eibau, 14 bis 17 Uhr (ohne Eier verzieren)
- 27. April, Sorbisches Museum Bautzen (Kratztechnik), 10 bis 17 Uhr

Christfried Heinrich arbeitet nebenbei übrigens als Postbote für den Osterhasen. Weil vor Jahren das Oberlausitzer Osterhasenpostamt seinen Platz auf dem Faktorenhof hatte, kommen hier immer noch Briefe für Meister Lampe an. Das Postamt befindet sich inzwischen in Seifhennersdorf und Christfried Heinrich sorgt dafür, dass alle Osterpost auch dort hingelangt.

Christina Radewald greift in einen großen Beutel und holt die nächsten Plastikeier für die Kinder heraus. Sie kauft sie in Rot, Grün, Gelb, Weiß und Orange zu Hunderten und freut sich über jedes Kind, dass sie fürs Malen begeistert. "Manche kommen seit Jahren und ich sehe richtige Fortschritte", sagt die Assisstentin von Meister Lampe. "Und wenn sie dann vor Stolz strahlen, ist das der schönste Moment."

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Die Osterhasen vom Querxenland in Seifhennersdorf warten auf Post von den Kindern. Sie betreuen das Osterhasenpostamt.
Die Osterhasen lotti und Olli (links) und ihre Kollegen vom Osterhasenpostamt Seifhennersdorf warten auf Briefe von Kindern aus aller Welt. Bildrechte: Ingo Döring/Kiez Querxenland Seifhennersdorf

Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 04.04.2019 | 16:20 Uhr - in den Veranstaltungstipps aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 07. April 2019, 16:33 Uhr

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