Drittes Friedenfest Ostritz reagiert mit Friedensbier, Theater und Musik auf Neonazitreffen

Rund 450 Rechtsextreme kommen am 23. März ist ostsächsische Ostritz. Die Region plant darum ein Friedensfest und erwartet Tausende Besucher auf dem Markt. Für die gibt es ein beheiztes Zelt, Musik, Theater und ein Friedensbier. Es ist die dritte Veranstaltung dieser Art in der Kleinstadt.

Die Einwohner von Ostritz planen erneut friedlichen Widerstand gegen ein Neonazitreffen. Es soll am 23. März in Ostritz stattfinden. Im früheren Hotel Neißeblick sei eine Versammlung mit 400 bis 450 Teilnehmern angemeldet, wie die Ostritzer Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) sagte.

Friedensfest nennen Ostritzer und andere Oberlausitzer ihre Gegenveranstaltung zu diesem Treffen. Es ist die dritte Aktion dieser Art. Mehrere Tausend Besucher werden erwartet. Auf der Bühne des Ostritzer Marktplatzes treten dann rund 150 Künstler und andere Akteure auf. Um die 250 Menschen organisieren und gestalten ehrenamtlich das Programm, das in einem beheizten Zelt, einer Jurte und im Freien stattfindet, wie Markus Kremser, Sprecher des Friedensfestes, MDR SACHSEN sagte. Die Künstler kommen überwiegend aus der Region und treten laut Veranstalter ohne Gage auf. Organisator des Friedensfestes ist das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal. Geplant sind Konzerte, Theaterstücke und Gesprächspodien sowie ein Filmabend, bei dem die Dokumentation "Rechtsrockland" gezeigt wird.

Erstmals werde es auf dem Fest ein Friedensbier geben, hieß es. Damit erinnere die Görlitzer Landskron Brau-Manufaktur an den historischen Bierstreit zwischen Zittau und Görlitz Ende des 15. Jahrhunderts. 1491 griffen Görlitzer Bürger eine Zittauer Bierlieferung an und zerschlugen die Fässer. Die "Ostritzer Bierpfütze" zeuge als Name einer Senke noch heute von dem Ereignis in der Region, heißt es. Nun wollen die Oberbürgermeister von Zittau und Görlitz, Thomas Zenker und Siegfried Deinege, die historische Bierfehde symbolisch mit einem "Bierfrieden" beilegen.

Auch im Juni wollen Rechtsextremisten nach Ostritz kommen

Bereits im April und November 2018 hatte das 2.300 Einwohner zählende Ostritz Friedensfeste auf die Beine gestellt. Beide Male beteiligten sich mehr als 3.000 Menschen daran. Die Stadt reagierte auf jeweils zeitgleich stattfindende Festivals, zu denen mehrere hundert Rechtsextremisten aus ganz Deutschland angereist waren. Eröffnet wird das inzwischen mit einem Demokratiepreis ausgezeichnete Ostritzer Friedensfestes am 22. März. Am Vorabend ist bereits ein Filmabend mit Diskussion geplant. Am 23. März laden die Veranstalter zu einer Menschenkette rund um den Marktplatz ein.

Für den 21. bis 23. Juni haben Rechtsextremisten zudem ein Schild- und Schwertfestival in Ostritz angemeldet. Auch für dieses Wochenende seien Gegenaktivitäten geplant, hieß es.

Quelle: MDR/nng/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.02.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 19:50 Uhr

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32 Kommentare

01.03.2019 17:47 Paule 32

Mancher ist schon nüchtern recht fragwürdig, aber nach dem ersten Friedensbier wird es erst recht lustig!

01.03.2019 08:46 Viva Saxonia 31

Nunja, wenn man sich republikweit die Polizeiberichte beschaut, sind ein paar solcher Rechtrock-Konzerte unser geringstes Problem. Zumal man von behördlicher Seite beim Zulassen der Treffen/Konzerte "seine Pappenheimer" immer beisammen hätte.

01.03.2019 08:08 Hippiehooligan 30

Es ist erstaunlich, wie viele Leute hier so ein Neonazifestival in Schutz nehmen. Zwei Artikel weiter ist man dann empört, wenn man selbst zu den Neonazis gerechnet wird.
Das mit dem Alkoholverbot und dem Friedensbier find ich gut, denn es scheint die Nazis bis ins Mark zu treffen. Außerdem ist zumindest bei den Teilnehmern des Friedensfests davon auszugehen, dass sie sich nach ein paar Bieren noch unter Kontrolle haben...

01.03.2019 07:38 NN 29

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit demokratischen Mitteln, völlig legitim, schreiende Ungerechtigkeiten produzieren kann. Einerseits Alkoholverbot andererseits Friedensbier. Bedeutet also, dass Diejenigen, die gegen die "Ewiggestrigen" demonstrieren, ein Ereignis von 1491 benutzen um Alkohol zu konsumieren. -- Ein Gleichnis: Bei einem Kongress der Wolfshäger demonstrieren die Schafzüchter dagegen? Als Antwort gibts auf dem Wolfskongress dann Lammbraten?

28.02.2019 20:50 Guy Montag 28

Also ordendlich auf dem "Friedesfest" das Freibier der Bahnhofsklatscher*innen tanken, danach ab zum "Schild & Schwert" in den Neisseblick!

28.02.2019 19:19 wwdd 27

Zu 20 und 21, Wie das dann in der Praxis aussieht, durfte ich in Dresden und Leipzig schon miterleben. Dem anderen zuzuhören, darum geht es doch gar nicht. Lärm, Trillerpfeiffen und bürgerkriegsähnliche Zustände in diesen Ortschaften sind die Realität. Dazu kommt man nur über Umwege an sein Ziel und die Polizisten können einem Leid tun. Am besten sollten diese Truppenteile ihre Meinungsfreudigkeit auf einem Feld, ohne den Schutz der Öffentlichkeit, austauschen dürfen. Das von mir aus so lange, bis zum Schluß alle Meinungsverschiedenheiten geklärt sind.

28.02.2019 17:20 Unsterten 26

Sollte das ein Zeichen sein, das man D nur noch „besoffen“ertragen kann?

Kleiner Tipp:
Die Leute demonstrieren nicht gegen "Deutschland", sondern gegen NeoNazis.

Ob man Rechtsradikale nur noch "besoffen" ertragen kann?
Tja, das dürfen Sie sich gerne selber beantworten.

28.02.2019 17:17 Micha 25

zu meinem Kommentar 24:
Die Auto-Korrektur hat zugeschlagen und aus dem Neumann einen Lehmann gemacht. Sorry!

28.02.2019 14:26 Micha 24

@Liese (23): Ich fasse mich kurz und verweise zur Ergänzung meines gestrigen Kommentars auf die heutigen Beiträge von Lehmann und MuellerF. Aber mal eine ganz direkte Frage: Wie würden Sie denn vorgehen, wenn Sie den Neonazis nicht Ihren Ort überlassen möchten? Denn es geht nicht darum die Veranstaltung ganz zu verhindern, sondern darum, zu zeigen, dass die Teilnehmer in Ostritz nicht willkommen sind.

28.02.2019 12:34 Liese 23

@ Micha 11
Dieser "braune Spuk" findet doch statt, wo sehen Sie denn da ein "nicht den öffentlichen Raum überlassen"?
Aber wie mir scheint, verstehen Sie das sowieso nicht. Oder wollen Sie das vielleicht nicht verstehen?
Würden die dort ohne jede Gegenveranstaltung ihr Konzert abhalten, kaum einer würde sie wahrnehmen.
Aber den Gegendemonstranten geht es wahrscheinlich darum, endlich wieder mal was zu erleben, mit friedlichem Widerstand hat das rein gar nichts zu tun, denn die Veranstaltung wird ja nicht verhindert.

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