Das Ortseingangsschild der Ökologischen Modellstadt Ostritz
Bildrechte: dpa

Fußballfest, Marktplatzoase und Gegendemo Ostritz wehrt sich gegen rechtsextremes Festival

Das ostsächsische Ostritz befindet sich am Wochenende erneut im Ausnahmezustand. Zum dritten Mal haben sich Rechtsextreme für ihr "Schild und Schwert Festival" die Kleinstadt bei Polen ausgesucht. Hunderte Nazis werden zu Rechtsrockkonzerten auf dem Gelände des Hotels "Neißeblick" erwartet. Ein Gegengewicht setzen die Ostritzer mit einem Fußballfest anlässlich des 100-jährigen Bestehens ihres Vereins. Außerdem gibt es Gegenveranstaltungen von Linken und der Initiative "Rechts rockt nicht".

Das Ortseingangsschild der Ökologischen Modellstadt Ostritz
Bildrechte: dpa

Zum wiederholtem Male ist die Polizei in Ostritz mit einem Großaufgebot vor Ort. Grund ist das geplante "Schild und Schwert Festival". Wegen diesem sind auch Gegenproteste angemeldet. Um die politischen Lager auseinanderzuhalten und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, werden im Ortskern etliche Straßen und Parkflächen gesperrt. Wie die Polizeidirektion Görlitz mitteilte, wird ab Freitag, 6 Uhr morgens bis zum Sonntag 18 Uhr ein Kontrollbereich eingerichtet. In dieser Zone dürfen Polizisten Personen überprüfen, ohne gesondert zu nennenden Grund.

Über ein extra eingerichtetes Bürgertelefon können Anwohner unter der Nummer 03581/4685555 bis voraussichtlich Sonntagnachmittag ihre Fragen rund um das Einsatzgeschehen stellen. Die Polizei weist außerdem darauf hin, dass es wegen der Kontrollen auch auf der Bundesstraße 99 zu Behinderungen kommen kann.

Gerichte entscheiden noch über Auflagen

Um ein mögliches Verbot zu umgehen, hatte Thorsten Heise, stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD, das rechtsextreme "Schild und Schwert Festival" beim Landkreis Görlitz als Kundgebung mit Konzerten angezeigt. Das Motto lautet "Sonnenwende Sommerfest - Für die Selbstbestimmung aller freien Völker der Erde" und findet auf dem Gelände des ehemaligen Hotels "Neißeblick" statt. Die Organisatoren rechnen mit 750 Teilnehmern. Eine ursprünglich geplante Kampfsport- und Tätowierveranstaltung wurde abgesagt. Alkohol ist für die Teilnehmer des Neonazi-Festivals verboten. Das Verwaltungsgericht Dresden bestätigte die Auflage des Landkreises Görlitz. Der Anmelder des sogenannten "Schild und Schwert Festivals" hatte sich dagegen gewehrt, weil vorherige Veranstaltungen trotz Alkoholkonsums friedlich geblieben seien. Die Verwaltungsrichter sehen dagegen im Ausschank alkoholischer Getränke ein erhöhtes Gefahrenpotenzial.

Dauerkundgebung und Demo gegen Nazis

Änderungen gibt es auch für die Gegendemonstranten. Die angekündigten Proteste dürfen nicht in unmittelbarer Nähe stattfinden. Das legte das Oberverwaltungsgericht in Bautzen fest. Die Polizei könne die Lager dort nicht ausreichend voneinander trennen, so die Richter. Die Organisatoren von "Rechts rockt nicht" wollten am Sonnabend direkt vor dem Eingangsbereich des rechtsextremen Festivals eine Dauerkundgebung mit circa 200 Teilnehmern abhalten. Aus Sicherheitsgründen verlegte der Landkreis aber den Kundgebungsort, wogegen sich das Bündnis juristisch wehrte. Des Weiteren ist für den Tag eine Demo mit rund 300 Teilnehmern unter dem Motto "Kein Platz für rechten Rock und Hetze" angemeldet. Hier wurde die ursprünglich vorgesehene Marschroute von der Kreisverwaltung verlegt. "Wir gewährleisten einerseits das hohe Gut der Versammlungsfreiheit für die Demonstrierenden, möchten aber andererseits, in Zusammenarbeit mit der Polizei und der Stadt Ostritz, gewalttätige Ausschreitungen im Sinne der öffentlichen Sicherheit verhindern", sagte Kreisdezernentin Heike Zettwitz.

Großes Fußballfest mit hohem Besuch

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Cacau
Der ehemalige Fußballnationalspieler "Cacau" kommt nach Ostritz. Bildrechte: dpa

Die Bürger der Kleinstadt wollen sich am Wochenende vor allem auf dem Fußballplatz treffen. Dort feiert ihr Ostritzer Ballspiel Club (OBC) sein 100-jähriges Bestehen. Schon am Freitag erwartet der OBC hohen Besuch: Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer und der ehemalige Fußballnationalspieler Claudemir Jerônimo Barreto - Spitzname "Cacau" - haben sich angekündigt. Unterstützt wird der Verein von den Initiatoren den Ostritzer Friedensfestes. Sie werden unter dem Slogan "Das Ostritzer Friedensfest macht Bildungsurlaub" auf dem Markt Sand aufschütten und eine Ruhe-Oase schaffen. Außerdem entsteht ein Soccerfeld, auf dem Sonnabend ein Fußballturnier ausgetragen wird. Dazu gibt es Straßenkunst, Musik und Diskussionsrunden.

Lesung auf dem Sportplatz

Am Donnerstag um 21 Uhr laden die Initiatoren des Ostritzer Friedensfestes auf den Sportplatz zu einer Lesung ein. Zwei Schauspieler werden "Annes Kampf" auf die Bühne bringen. Das Stück stellt Passagen aus Anne Franks Tagebuch und Adolf Hitlers "Mein Kampf" gegenüber. Vor der Lesung wird die Ankunft einer Hamburgerin erwartet, die mit ihrem Trabant eine Friedensfahrt nach Ostritz unternimmt - eine weitere Variante, um gegen das Neonazi-Treffen zu protestieren.

Rechte Konzerte in Ostritz 20. bis 22. April 2018 – Schild und Schwert Festival
2. und 3. November 2018 – Schild und Schwert Festival
23. März 2019 – Konzert „Skinheads Back to the Roots”
21. und 22. Juni 2019 – Schild und Schwert Festival

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.06.2019 | ab 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch. Bildrechte: MDR/Enrico Chodor, honorarfrei
Noch bis Mitte Juli untersuchen zwei Archäologen und sechs Arbeiter des Landesamts für Archäologie das Bauland am Groß Dübener Weg in Schleife.
Noch bis Mitte Juli untersuchen zwei Archäologen und sechs Arbeiter des Landesamts für Archäologie das Bauland am Groß Dübener Weg in Schleife. Bildrechte: Landesamt für Archäologie Sachsen
Es habe Mut erfordert, die Idee voranzubringen: jetzt aber da der Coworking Space Realität wird und erste Nutzer einziehen, zeigt sich Initiator Sylvio Pfeiffer-Prauß erleichtert.
Es habe Mut erfordert, die Idee voranzubringen: jetzt aber da der Coworking Space Realität wird und erste Nutzer einziehen, zeigt sich Initiator Sylvio Pfeiffer-Prauß erleichtert. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Mehr aus Sachsen