25.03.2020 | 12:07 Uhr Afrikanische Schweinepest bei Hausschweinen in Polen ausgebrochen

Die Afrikanische Schweinepest macht sich im polnischen Niederschlesien breit. Nachdem in der einstigen Görlitzer Heide infizierte Wildschweine gefunden worden waren, sind jetzt Mastschweine in Ställen im benachbarten Lebuser Land betroffen.

Aus einem Schweinestall werden Schweine gezogen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Region Nowosolski, dem einstigen Lebuser Land bei Glogau, ist bei Hausschweinen erstmals die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Der Stall unweit von Nowa Sól - Neusalz - liegt nur 75 Kilometer von Bad Muskau entfernt.

24.000 Schweine getötet

Nach Angaben der polnischen Behörden mussten vorsorglich mehr als 24.000 Tiere getötet werden. Für den betroffenen Schweinezuchtbetrieb gelten bereits seit Wochen strenge Regeln, weil er in einem sogenannten Restriktionsgebiet liege. In diesen Gebieten war die Seuche bereits bei Wildschweinen nachgewiesen worden. Deshalb ist der Transport von Schweinen und der Handel mit ihrem Fleisch untersagt. Nun prüfen die polnische Behörden, ob der betroffene Betrieb möglicherweise Vorschriften nicht beachtet hat.

Behörden geben Entwarnung

Von einer Verschleppung der Seuche aus dem betroffenen Betrieb nach Deutschland sei derzeit nicht auszugehen, teilt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit. "Man stehe weiterhin in engem Kontakt mit den zuständigen polnischen Behörden."

Der Görlitzer Amtstierarzt Dr. Ralph Schönfelder beobachtet das Geschehen ebenfalls sehr aufmerksam, um gegebenenfalls vor Ort schnell reagieren zu können.

Polnischer Fall sensibilisiert deutsche Schweinezüchter

Weniger gelassen reagieren einige Schweinezüchter im Landkreis Görlitz. Sie schauen sorgenvoll über die Neiße nach Polen. Seit dem Fund einiger infizierter Wildscheinkadaver unweit der Neiße bei der einstigen Görlitzer Heide, wurde der Seuchenschutz in Oberlausitzer Ställen hochgefahren. "Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Wildschweinpest aus Polen über die Neiße schwappt", sagen Schweinezüchter am Telefon.

Deshalb wollen sie diesen Fall zum Anlass nehmen, ihre Mitarbeiter noch einmal zu sensibilisieren, penibel alle Arbeits- und Seuchenbestimmungen einzuhalten.
"Die Schweinepest in Sachsen, dass wäre eine Katastrophe," sagte unlängst ein Vertreter vom Oberlausitzer Bauernverband in Bad Muskau.

Kampf gegen Schweinepest bereits seit Anfang Januar

Noch bevor die Grenze zwischen Sachsen und Polen aufgrund des Coronavirus geschlossen wurde, hatte der Freistaat Sachsen versucht, polnische Wildschweine von den ergiebigen Futterquellen in Sachsen fernzuhalten. Dafür ließ er Anfang Januar einen über einhundert Kilometer langen Elektrozaun entlang der Neiße bauen - als Barriere gegen die Schweinepest im polnischen Niederschlesien.

Jäger mit Polizeigewalt

Aber auch Polen hatte versucht, die Schweinepest mit drastischen Mitteln einzudämmen. Profijäger aus Skandinavien halfen, die Bestände, auch in der einstigen Görlitzer Heide gegenüber von Bad Muskau zu dezimieren. Die einheimischen polnischen Jäger erhielten polizeiähnliche Rechte im Revier, um die Ausbreitung und das Übergreifen der gefährlichen Tierseuche auf Hausschweine zu verhindern.

Bergung totes Wildschwein in der Neiße
An der Neiße wird ein totes Wildschwein am deutschen Neißeufer geborgen. Bildrechte: Dr. R. Schönfelder , Amtstierarzt Landratsamt Görlitz

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.03.2020 | ab 17:30 Uhr in den Regionalnachrichen aus dem Studio Bautzen

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