Friedensfest in Ostritz
Seit 2018 zum ersten Mal ein Rechtsrockfestival in ihrem Ort stattfand, organisieren die Ostritzer Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Verbände und Kirchen parallel dazu ein Friedensfest. Dazu kamen jedes Mal mehr als 3.000 Besucher. Bildrechte: xcitePRESS

14.06.2019 | 9:45 Uhr Mit einer Ruhe-Oase gegen den Rechtsrock in Ostritz

Vom 21. bis 23. Juni soll zum vierten Mal ein Rechtsrockfestival in dem ostsächsischen Ort stattfinden. Gegner der Veranstaltung wollen auch diesmal protestieren. Allerdings nicht mit einem Friedensfest.

Friedensfest in Ostritz
Seit 2018 zum ersten Mal ein Rechtsrockfestival in ihrem Ort stattfand, organisieren die Ostritzer Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Verbände und Kirchen parallel dazu ein Friedensfest. Dazu kamen jedes Mal mehr als 3.000 Besucher. Bildrechte: xcitePRESS

Kein Festzelt, keine Bühne, kein Festprogramm - das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ) in Ostritz wird parallel zum Rechtsrockfestival "Schild und Schwert" diesmal kein Friedensfest im bisherigen Stil veranstalten. Denn der Ostritzer Ballspielclub feiert vom 21. bis 23. Juni 100 Jahre Ballsport im Ort. Dieses Jubiläum wollen die Initiatoren des Friedensfestes unterstützen. "Wir haben uns dazu entschieden, mal ein anderes Format zu wählen, einfach um dem Ostritzer Ballspielclub als Konkurrenzveranstaltung nicht die Gäste abzuwerben, sondern eine Ergänzung zu schaffen", erklärt Cäcilia Schreiber von der Initiative Ostritzer Friedensfest.

Vielfältiges Programm

"Es ist Sommer und Urlaubszeit. Was liegt da näher, als ein entspannter Tag mit Picknick am Strand?", heißt es zur Programmidee auf der Website des Friedensfestes. "Das Ostritzer Friedensfest macht Bildungsurlaub" haben die Akteure deshalb zum Motto ihrer Veranstaltung gemacht. Auf dem Markt soll Sand aufgeschüttet werden. Mit Liegestühlen und Wasserbassins will die Initiative eine Ruhe-Oase schaffen. Außerdem entsteht ein Soccerfeld. Hier soll am Sonnabend ein Fußball-Turnier ausgetragen werden. Daneben soll es Straßenkunst, Musik und Diskussionsrunden, etwa zum Grundgesetz und der Seenotrettung, geben. "Wir haben kein festes Programm, wir gucken einfach, wer sich alles mit beteiligt", erklärt Cäcilia Schreiber.

Für den Donnerstagabend ist zudem eine szenische Lesung unter dem Titel "Annes Kampf" geplant. Sie soll im Festzelt auf dem Sportplatz stattfinden. Dort werden Passagen aus Anne Franks Tagebuch und Adolf Hitlers "Mein Kampf" gegenübergestellt. Dazu sollen jiddische Lieder aus dem Ghetto und Hits aus den 1930er Jahren erklingen. Die Lesung solle für diese Zeit sensibilisieren und dazu anregen, darüber ins Gespräch zu kommen, sagt Cäcilia Schreiber.

Sport und Protest

Auf dem Sportplatz solle dann am Wochenende auch die eigentliche Feier stattfinden, bekräftigt Michael Schlitt vom Internationalen Begegnungszentrum. "Wir wollen ein Zeichen des Zusammenhalts setzen und alles dafür tun, dass das eine tolle Jubiläumsfeier wird." Der 130 Mitglieder starke Ballspielclub hat für Freitag zu einer Festsitzung eingeladen, zu der der Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußballbundes, Cacau, sowie Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet werden. Am Samstagvormittag will der Club ein Familiensportfest ausrichten. Außerdem sollen ein Männer- und ein Jugendfußballturnier ausgetragen werden. Neben den Veranstaltungen der Bürger vor Ort haben die Initiativen "Rechts rockt nicht" und "Leipzig nimmt Platz" für den Sonnabend außerdem zwei linke Gegenveranstaltungen zum rechtsextremistischen Festival angemeldet.

Verändertes Sicherheitskonzept

Nicht nur das Programm wird verändert. Auch das Sicherheitskonzept wurde angepasst. "Wir werden dieses Mal nicht das gesamte Wochenende die Innenstadt sperren, sondern nur an dem Samstag, wo der vermehrte An- und Abreisetag zu den unterschiedlichen Versammlungen ist", erläutert Ostritz‘ Bürgermeisterin Marion Prange. In der Stadt gilt dann ein Park- und Halteverbot, damit Rettungswege frei bleiben. Um das durchzusetzen, erhalte Ostritz Verstärkung aus dem Ordnungsamt der Stadt Görlitz.

Sachsen und Thüringen wollen derweil ihr Vorgehen gegen rechtsextreme Veranstaltungen besser untereinander koordinieren. Thüringens Innenminister Georg Maier sagte dazu am Dienstag gegenüber MDR AKTUELL: "Uns geht es darum, die Versammlungsbehörden in die Lage zu versetzen, gute Auflagenbescheide zu machen. In diesen Auflagenbescheiden ist sehr genau zu regeln, was das Thema Brandschutz anbelangt, was das Thema Hygiene anbelangt, Lärmschutz, Jugendschutz, Alkoholverbot und so weiter." Die Gerichte hätten in der Vergangenheit oft zugunsten der Rechtsrock-Veranstalter entschieden, weil die Bescheide noch nicht so gut gewesen seien, wie sie hätten sein müssen, beklagt der Innenminister. In der Kabinettssitzung beider Länder solle es deshalb in der kommenden Woche einen Erfahrungsaustausch dazu geben.

Rechtliche Spielräume gegen rechtsextremistisches Festival nutzen

In Ostritz kommt diese Initiative gut an: "Wir haben die letzten drei Male Erfahrungen gesammelt, haben immer wieder dazulernen können und sicherlich gibt es da noch rechtliche Spielräume, die man noch berücksichtigen kann", sagt Bürgermeisterin Prange. "Wenn sich jetzt die beiden Länder Sachsen und Thüringen zusammentun, um sich dieser Thematik anzunehmen, dann begrüße ich das sehr."

In der Vergangenheit hatte das Landratsamt als Genehmigungsbehörde für das Rechtsrockfestival bereits harte Auflagen erteilt. So hatte das Amt ein Alkoholverbot verfügt, Gebäude für eine Nutzung sperren lassen und die Lautstärke der Veranstaltung zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten beschränkt. Für die Veranstaltung in diesem Jahr werde noch am Auflagenbescheid gearbeitet, erklärte eine Sprecherin.

Für den 21. bis 23. Juni habe Thorsten Heise, stellvertretender Vorsitzender der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), eine politische Kundgebung unter dem Thema "Sonnenwende Sommerfest - Für die Selbstbestimmung aller freien Völker der Erde" angemeldet. Das teilte das Landratsamt in Görlitz mit. Im Rahmen der Versammlung sollen auch Konzerte und Kampfsportvorführungen stattfinden. Der Veranstalter rechnet mit 750 Teilnehmern.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.06.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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