16.05.2020 | 15:29 Uhr Schneller funken mit 5G - Sachsen stellt Liegenschaften bereit

Die fünfte Generation des Mobilfunks - bekannt unter dem Kürzel 5G - bietet für Sachsen große Chancen in der Wirtschaft. Deshalb will der Freistaat staatliche Liegenschaften für den Mobilfunkausbau bereitstellen. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung wurde am Freitag mit der Deutschen Funkturm GmbH abgeschlossen. Weiße Flecken in der Mobilfunkversorgung sollen damit der Vergangenheit angehören.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wurde die 5G Technologie zum Mobilefunk vorgestellt
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In Berlin haben Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Geschäftsführer der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG), Bruno Jacobfeuerborn, eine Rahmenvereinbarung zur Bereitstellung staatlicher Liegenschaften für den Ausbau der Mobilfunknetze unterzeichnet. Damit soll der Ausbau einer flächendeckenden Mobilfunkinfrastruktur beschleunigt werden. "Nun geht Sachsen beim Mobilfunkausbau neue Wege", versicherte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nach der Unterzeichnung in Berlin.

MP Michael Kretschmer
Ministerpräsident Michael Kretschmer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Rahmenvereinbahrung ist ein weiterer wichtiger Schritt zu einer flächendeckenden Mobilfunkabdeckung sowie einem zügigen Ausbau des 4G/5G-Netzes in Sachsen. Für den ländlichen Raum schaffen wir besondere Anreize zur Schließung weißer Flecken.

Michael Kretschmer Ministerpräsident

"Die aktuelle Corona-Situation zeigt, wie wichtig eine verlässliche und leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur ist," ergänzt Bruno Jacobfeuerborn. Die Rahmenvereinbarung löst die bisherige Einzelvertragsregelung ab.

Standorte erschließen, die bisher als unwirtschaftlich galten

Die Vereinbarung enthält unter anderem Mustermietverträge für Mobilfunkstandorte, bietet ein einheitliches Entgeltmodell und gewährt Zugriff auf die Geo-Daten der Liegenschaften. Das soll die Planung und die Installation der neue Mobilfunktechnik erleichtern, vor allem auch an bisher unwirtschaftlichen Standorten.

Ein Großteil der geeigneten Liegenschaften des Freistaates befindet sich im ländlichen Raum. Durch ein vereinbartes Anreizsystem soll es gelingen, Regionen, die keine oder unzureichende Funknetzabdeckung im Bereich 4G/5G besitzen, besser zu versorgen. Damit soll es für Mobilfunknetzbetreiber leichter sein, neue Standorte zu erschließen, die bislang als unwirtschaftlich galten.

Ein 5G-Mast von Vodafone steht an der Overbeckstraße in Dresden.
Ein 5G-Mast von Vodafone steht an der Overbeckstraße in Dresden. Bildrechte: Tino Plunert

Viele Funklöcher in der Oberlausitz

Auf schnelles Internet hofft man auch in der Oberlausitz, denn hier gibt es immer noch viele weiße Flecken in den Mobilfunknetzen, insgesamt rund 20 Prozent der Fläche. Deichläufer an der Neiße sind beispielsweise nicht erreichbar. Bei Waldbränden im Norden der Landkreise Görlitz und Bautzen hocken die Einsatzkräfte im Funkloch. Um Notrufe absetzen zu können, mussten Oberlausitzer auch schon mal auf den nächsten Hügel sprinten.

Die Lausitz ist eine von sechs bundesweiten Modellregionen für den neuen Mobilfunkstandard 5G. Im Landkreis Görlitz soll in der Gemeinde Rietschen ein Konzept zur frühen Erkennung und Bekämpfung von Waldbränden entwickelt werden, welches die superschnelle Datenautobahn von 5G nutzt. Außerdem will das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur in der Oberlausitz die Vernetzung von autonomen Elektrofahrzeugen für den öffentlichen Personennahverkehr auf dem Land erforschen lassen. Bereits in einem reichlichen Jahr soll deshalb 5G im Landkreis Görlitz flächendeckend zur Verfügung stehen.

Leipzig als Pionierregion

Während die Lausitz auf staatliche Hilfe beim Ausbau der 5G-Technologie setzen kann, saust die Stadt Leipzig selbstständig auf die superschnelle mobile Datenautobahn. Im Norden der Stadt will Leipzig eine Pionierregion aufbauen, um auch bei 5G die Nase vorn zu haben. "Wir sehen darin einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, den nach und nach viele Regionen für sich erschließen", sagte Clemens Schülke, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig bei der Vorstellung des Projekts "Tri5G" vor wenigen Tagen.

Im Norden der Stadt arbeiten derzeit etwa 35.000 Menschen. Durch den Einsatz neuer Technologien könnte mithilfe von 5G die Zahl der Beschäftigten nach Ansicht der Wirtschaftsförderung verdoppelt werden.

Ein Funkmast mit Modulen für die neue Mobilfunk-Generation 5G steht auf einem Feld in Günthersdorf
Ein Funkmast mit Modulen für die neue Mobilfunk-Generation 5G steht auf einem Feld in Günthersdorf. Bildrechte: dpa

Neue Möglichkeiten mit 5G

Für eine Vernetzung und die Nutzung der 5G-Technologie in unterschiedlichen Anwendungsbereichen wollen in Leipzig Unternehmen wie BMW, DHL, Leipziger Messe, DB Schenker sowie der Flughafen Leipzig/Halle zusammen an einem Strang ziehen. "Mit 5G-Technologie soll etwa das autonome Fahren bei BMW vorangebracht werden", sagte Werkleiter Hans-Peter Kemser. "Aber auch im Logistik-Bereich sowie beim Bespielen von Autos mit Software solle die Technologie genutzt werden." Die Leipziger Verkehrsbetriebe träumen von autonom fahrenden Kleinbussen, um das Messegelände anzusteuern. Und neue Möglichkeiten eröffnet die 5G-Technologie auch für Rettungsdienste. "So könnten etwa mobile Ultraschallgeräte kaum größer als ein Smartphone eingesetzt werden," erklärt Thomas Neumuth, Experte für Medizintechnik von der Universität Leipzig.

Logistik spielt auch in der Lausitz künftig eine große Rolle. Mit Hilfe von 5G sollen autonom fahrende Busshuttle im Gewerbegebiet Schwarze Pumpe erprobt werden und in der Landwirtschaft Traktordrohnen, Sensornetzwerke und Ferndiagnosen, um die Produktion auf den Feldern weiter zu automatisieren. Immerhin ermöglicht der Mobilfunkstandard 5G eine etwa 100 mal schnellere Datenübertragung als der aktuelle Standard 4G, auch LTE genannt.

Illustration - Ein Roboter wählt 5G
Die Datenübertrag von 5G ist mehr als 100 aml schneller als bei 4G (LTE). Bildrechte: imago/Science Photo Library

Wer ist die Deutsche Funkturm GmbH ? Die Deutsche Funkturm GmbH betreibt die Infrastrukturen für Mobilfunkanbieter und Rundfunksender. Sie bietet Richtfunkstrecken an und stellt sicher, dass Funknetze unter anderem von Behörden wie dem Katatstrophenschutz funktionieren. Dafür sind mehr als 31.000 Standorte in Deutschland notwendig. Das Unternehmen ist ein Teil der Deutschen Telekom Gruppe und beschäftigt etwa 800 Mitarbeiter.

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.05.2020 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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