Kraniche an einem Teich
Die Kraniche rund um Niesky standen in diesem Jahr oft auf dem Trockenen. Bildrechte: Ernst Gottschlich

13.09.2019 | 15:13 Uhr Wegen Trockenheit: Kraniche haben weniger Nachwuchs

In Niesky treffen sich am Wochenende Kranichschützer aus ganz Deutschland zum Erfahrungsaustausch. Ein Thema wird der wenige Kranichnachwuchs in diesem Jahr sein, denn auch für die Kraniche war es zu trocken.

Kraniche an einem Teich
Die Kraniche rund um Niesky standen in diesem Jahr oft auf dem Trockenen. Bildrechte: Ernst Gottschlich

Auf den Feldern und in der Teichlandschaft rund um Niesky lassen sich in diesen Wochen besonders gut Kraniche beobachten. Denn hier sammeln sich Hunderte von ihnen, bevor sie in ihrer Winterquartiere nach Frankreich oder Spanien weiterfliegen. Die Ornithologen Werner Klauke und Ernst Gottschlich sind deshalb fast täglich mit dem Fernglas draußen, um nach den Gästen zu schauen. Die beiden schätzen, dass zur Zeit zwischen 600 und 800 Kraniche in der Region sind: "Die meisten Kraniche kommen aus Deutschland, wir haben aber auch viele aus Polen oder Tschechien. Das erkennt man an ihrer Beringung", erklärt Werner Klauke.

Deutschlandweit weniger Kranichnachwuchs

Kranichschützer Werner Klauke (li) und Ernst Gottschlich beobachten Kraniche
Werner Klauke (li) und Ernst Gottschlich engagieren sich seit vielen Jahren für den Kranichschutz in der Region Niesky. Dazu gehört auch die Beobachtung der Vögel. Bildrechte: MDR /Viola Simank

Wenn sich am Wochenende rund 100 Kranichschützer aus ganz Deutschland in Niesky treffen, dann sind die beiden natürlich mit dabei. Die Jahrestagung des NABU-Kranichzentrums findet an wechselnden Orten statt, in denen sich die ehrenamtliche Helfer wie Werner Klauke und Ernst Gottschlich für die Kraniche engagieren.

Die Fachleute tauschen sich unter anderem zu neuen Forschungsergebnissen und Kranichschutz-Projekten aus. Aber auch der Bruterfolg der Kraniche wird ein Thema der Tagung sein, denn der ist in diesem Jahr überall in Deutschland nicht besonders hoch. Auch in der Region um Niesky nicht.

Trockenheit und Nahrungsmangel erschweren Jungenaufzucht

Werner Gottschlich hat bis jetzt zwölf Jungtiere in seinem Gebiet gezählt. In guten Jahren seien es manchmal fast doppelt so viel, erzählt der Kranichschützer. Grund ist wie in den anderen Regionen auch die Trockenheit. Denn Kraniche bauen ihre Brutplätze in knietiefem Wasser, so dass sie zum Nest laufen können. Wenn das Wasser um den Brutplatz aber austrocknet, sind die Nester für Waschbären, Marderhunde oder auch Wildschweine leicht erreichbar. Deren Appetit fallen dann viele Jungtiere zum Opfer.

Außerdem war im Frühjahr das Nahrungsangebot nicht besonders gut, so Werner Klauke. "Nach dem ersten Wiesenschnitt im Frühjahr ist wegen der Trockenheit weniger gewachsen, damit gab es auch weniger Insekten. Doch die brauchen die Kraniche in den ersten Wochen als Nahrung für ihren Nachwuchs." Wenn das fehle, könnten die Jungvögel auch verhungern. Er hofft deshalb, dass es im kommenden Jahr wieder bessere Bedingungen für die Kraniche gibt.

Stabiler Kranichbestand in Sachsen

Denn normalerweise fühlen die Kraniche sich in der Teichlandschaft rund um Niesky wohl. Mehr als 50 Brutpaare leben inzwischen hier. In Sachsen hat sich ihr Bestand in den vergangenen Jahren so gut entwickelt, dass der Kranich von der Roten Liste der bedrohten Tierarten genommen werden konnte. Etwa 200 bis 250 Brutpaare gibt es in ganz Sachsen. Neben den Oberlausitzer Heide- und Teichgebieten haben sie ihre Brutplätze unter anderem auch im Riesa-Torgauer Elbtal und der Dübener-Dahlener Heide.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.09.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 15:13 Uhr

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