26.01.2020 | 12:14 Uhr Naturschutzverein will Schloss Niederspree und Mühle in Förstgen sanieren

Schloss Niederspree bei Niesky soll wieder zu einem Naturschutzzentrum werden. Der Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft hat das Gebäude gekauft. Für die Sanierung hofft der Verein auf finanzielle Unterstützung. Doch das ist nicht das einzige Projekt. Schon zum Jahresende soll in der alten Wassermühle in Förstgen ein Café mit Museumsbereich öffnen.

Impressionen Schloss Niederspree
Ein Aufenthaltsraum in Schloss Niederspree. Das Gebäude befindet sich mitten im Wald- und Teichgebiet. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben: Im Speisesaal liegen hellblaue Wachstuchdecken über den Tischen. Vor einem Klavier steht der Stuhl zum Spiel bereit, ein Plüschtier sitzt auf dem Klanggehäuse. Im grauen Schrank in der Küche ruhen aufgestapelt Schüsseln, Teller und Kännchen. Ein Geschirrtuch hängt über der Abwaschschüssel. "Das ist hier genauso wie 1997, als ich mein Praktikum gemacht hatte und es riecht noch genauso wie damals", sagt Annett Hertweck, Chefin der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz". Mit Begeisterung führt sie durch die Räume von Schloss Niederspree, deren Einrichtung sehr viel DDR-Charme ausstrahlt.

Impressionen Schloss Niederspree
Susann Müller, Christian Weise und Annett Hertweck wollen wieder Leben ins Schloss Niederspree bringen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Der Oberlausitzer Verein hat das Gebäude im Niederspreer Teichgebiet bei Rietschen zum Jahreswechsel gekauft, um es aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Ein Jahr lang stand Schloss Niederspree leer, nachdem der vorherige Betreiber die Nutzung wegen Brandschutzmängeln aufgeben musste.

Hertweck will aus dem Haus wieder ein Naturschutzzentrum machen, so wie es die Leute noch aus den 1990er-Jahren in Erinnerung haben.

Die heute 44-Jährige absolvierte selbst damals in Niederspree das Vorpraktikum zu ihrem Studium. "Ich habe Wasserwanzen gefangen und bestimmt", erinnert sich Hertweck und lacht. Für die Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" sei der Ort ideal als Stätte zur Umweltbildung und praktischen Naturschutzarbeit mit Kindern und Jugendlichen. "Das passt super in unser Konzept."

Erste Veranstaltungen im Februar

Für die Umweltbildung bei der Naturschutzstation ist Susann Müller zuständig. Sie will verschiedene Tagesprogramme, Touren und Wochencamps im künftigen Naturschutzzentrum auf die Beine stellen. "Im Fokus sollen Kinder- und Jugendgruppen stehen, die dann direkt vom Schloss aus ins Teichgebiet starten können", betont die 38 Jahre alte Pädagogin. Schon in den Februarferien werde es erste Aktivitäten geben.

Später sollen sich hier ganze Schulklassen aufhalten und übernachten können. Die Zimmer in der ersten und zweiten Etage böten genügend Platz für zwei Schulklassen mit 50 Kindern und deren Betreuer, sagt Hertweck. Im Erdgeschoss neben den Vortragsräumen könnten Zimmer für die Referenten aber auch kleine Ferienwohnungen für Naturtouristen entstehen. Allein das Dachgeschoss bleibe den Fledermäusen vorbehalten.

Rundgang durch das Schloss Niederspree

Impressionen Schloss Niederspree
Blick in einen Teil der Küche. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Blick in einen Teil der Küche. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Der Speiseraum. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Eine alte Insektensammlung an der Wand in einem Seminarraum. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Wandschrank in einem der Schlafräume. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Aufenthaltsraum mit Jagdtrophäe. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Ein weiterer Aufenthaltsraum mit Klavier. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Die alte Sauna im Keller. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Impressionen Schloss Niederspree
Die Zimmer von Schloss Niederspree waren ein Jahr lang ungenutzt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Doch zunächst muss das denkmalgeschützte Haus nach den aktuellen Brandschutzvorschriften auf Vordermann gebracht werden. Außerdem müssen das Dach repariert und der Keller trocken gelegt werden. Für das Großprojekt des Vereins sollen in diesem Jahr das Konzept geschrieben und die Fördermittel aquiriert werden. Ziel ist, nächstes Jahr die nötigen Bauarbeiten im Haus durchzuführen, um schon im Jahr darauf mit den Übernachtungen zu starten. Die Baukosten ermittelt das Architekturbüro Weise aus Görlitz. Der Architekt Christian Weise ist von dem Schloss und seiner Geschichte fasziniert, die hier fest in der Region verortet sei.

Ehemals Erholungsheim der Stasi

Impressionen Schloss Niederspree
DDR-Sauna, in der in den 1980ern die Stasi-Mitarbeiter schwitzten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Historie des Gebäudes ist für ein Schloss relativ kurz. Das herrschaftliche Gutshaus wurde 1919 von der Familie Thiel erbaut, im Zuge der Bodenreform erfolgte 1945 in der DDR die Enteignung. Das Gebäude wurde zunächst Forstschule, dann bis in die 1970er-Jahre Pilotenunterkunft des Flugplatzes Rothenburg und schließlich bis zur Wende 1989 Erholungsheim der Stasi. 1990 wurde dann das Naturschutzzentrum eröffnet, von 2006 bis 2018 wurde das Haus von einem neuen Pächter als Tagungsort und Landschulheim genutzt. "Viele Dinge sind im Inneren noch erhalten", sagt Weise und macht im Keller ein Foto von der Sauna, in der sich einst die Mitarbeiter der Staatssicherheit entspannt haben.

Für Annett Hertweck macht die Lage Schloss Niederspree so besonders. "Wir befinden uns in einem ganz besonderen Naturschutzgebiet mit dem schönsten Teichgebiet Sachsens", sagt sie.

Wassermühle in Förstgen wird Museumscafé

Wassermühle in Förstgen
Susann Müller und Annett Hertweck gehen durch den Raum, der zum Mühlencafé umgebaut werden soll. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Das Schloss ist nicht die einzige Baustelle des Vereins. Parallel soll jetzt die Sanierung einer alten Wassermühle in Förstgen beginnen. Ziel ist, dort bereits Ende dieses Jahres ein Mühlencafé mit Museumsbereich eröffnen. Insgesamt 300.000 Euro an EU-Fördermitteln wurden der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" für das Projekt bewilligt. Das Geld ist für ein Café, das Mühlenmuseum und eine Herberge im Nebenhaus vorgesehen. Vor einer Woche wurden im Rahmen eines freiwilligen Arbeitseinsatzes die Gebäude entrümpelt.

Am 8. Februar lädt die Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" in ihre Räume an der Dorfstraße 36 ein. Dort soll dann bei Kaffee und Kuchen über die Geschichte der Wassermühle gesprochen werden. Dafür werden noch historische Bilder und Dokumente gesucht, so Hertweck. An den "Mühlenplausch" schließt sich eine Führung durch die alte Wassermühle von Förstgen an.

Blick in die alte Wassermühle von Förstgen

Wassermühle in Förstgen
Die Wassermühle Förstgen ist ein Gebäude aus dem Jahr 1910 und ein für die damalige Zeit typischer Backsteinbau. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Wassermühle in Förstgen
Die Wassermühle Förstgen ist ein Gebäude aus dem Jahr 1910 und ein für die damalige Zeit typischer Backsteinbau. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Wassermühle in Förstgen
Seit fast 60 Jahren wird sie nicht mehr als Mühle genutzt. Bildrechte: Pierre Karrasch
Wassermühle in Förstgen
Die alten Eigentümer nutzten sie zuletzt als Werkstatt und Abstellmöglichkeit. Bildrechte: Pierre Karrasch
Wassermühle in Förstgen
Sogar ein Klavier verstaubte in der Mühle. Bildrechte: Pierre Karrasch
Wassermühle in Förstgen
Viele historische Gerätschaften haben sich hier angesammelt. Bildrechte: Pierre Karrasch
Wassermühle in Förstgen
Ein Mahlstein. Bildrechte: Pierre Karrasch
Wassermühle in Förstgen
Vor der Sanierung musste die Mühle im Rahmen eines Arbeitseinsatzes entrümpelt werden. Bildrechte: Pierre Karrasch
Wassermühle in Förstgen
Eine Etage in der Mühle nach der Räumaktion. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Wassermühle in Förstgen
Susann Müller und Annett Hertweck gehen durch den Raum, der zum Mühlencafé umgebaut werden soll. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Wassermühle in Förstgen
Der Umbau der zum Café mit Mühlenmuseum soll im Frühjar starten. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Wassermühle in Förstgen
Bereits zum Jahresende soll die Mühle in Förstgen Wanderer und Radtouristen zum Rasten einladen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2020 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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