Schnecke auf einem Netzwerk-Kabel
In vielen Regionen Sachsens sind Internetnutzer nur im Schneckentempo online unterwegs, weil sie kein schnelles Internt nutzen können. Bildrechte: Colourbox.de

Breitbandausbau Internet in der Lausitz so lahm, dass man sich die Nägel lackieren kann

Alle Kommunen in Sachsen sollen die Kosten für den Breitbandausbau komplett erstattet bekommen, hat die Landesregierung versprochen. Die Fördermittel dafür liegen bereit. Jetzt kann der Ausbau beginnen. In der Lausitz, wo die Abdeckung mit schnellem Internet besonders lückenhaft ist, sehnen Bürgermeister und Einwohner den Ausbau herbei.

Schnecke auf einem Netzwerk-Kabel
In vielen Regionen Sachsens sind Internetnutzer nur im Schneckentempo online unterwegs, weil sie kein schnelles Internt nutzen können. Bildrechte: Colourbox.de

Wenn die Bürgermeisterin der Gemeinde Neißeaue, Evelin Bergmann auf ihrem Dienstcomputer etwas im Internet sucht, braucht sie viel Geduld. Schnell etwas im Netz suchen und anklicken sei so gut wie nicht möglich, sagt sie.

Ich klicke also an und ich könnte mir normalerweise erstmal die Nägel machen oder Kaffee kochen.

Evelin Bergmann Bürgermeisterin, parteilos
Internetkabel und Glasfaser
Internet mit modernem Glasfaser: In vielen Regionen Sachsens sind Nutzer davon meilenweit entfernt. Bildrechte: IMAGO

Die Lokalpolitikerin ist für insgesamt acht Ortschaften zuständig, aber in drei davon fehlt bis heute eine schnelle Netzanbindung. Offenbar sind die Dörfer für den Anbieter Telekom uninteressant. Wie zum Beispiel der Ortsteil Kaltwasser. Anwohner und Zuzügler fragen häufig nach schnellem Internet und machen ihre Entscheidung für diese Gegend auch von so einem Standortfaktor abhängig.

Bislang konnte sich die Gemeinde den Breitbandausbau mit Glasfaserkabel auf eigene Kosten nicht leisten. Auch der zehnprozentige Eigenanteil erschien als hohe Hürde.

So unterstützt das Land Sachsen die Kommunen beim schnellen Internet Ende 2017 haben Ministerpräsident Michael Kretschmer und Wirtschaftsminister Martin Dulig erklärt, die Kommunen beim Breitbandausbau für schnelles Internet zu unterstützen. Sowohl der zehnprozentige Eigenanteil als auch der bürokratische Aufwand hatte zuvor viele kleinere Gemeinden abgeschreckt. Die übrigen 90 Prozent der Kosten übernehmen Bund und Land bereits. Jetzt werden den Gemeinden auch die zehn Prozent bezahlt.

Der Eigenanteil für einen Netzausbau wird nun vom Freistaat Sachsen finanziert. Stück für Stück sollen die Versorgungslücken in Sachsen geschlossen werden. Das Landratsamt Görlitz erwartet, dass allein 31 Gemeinden aus der Region eine 100-prozentige Förderung bekommen werden.

Auf den Bürger kommen keine zuätzlichen Kosten zu. Wenn er von der Telekommunikationsfirma ein Angebot über einen besseren Internetzugang kriegt, muss er sich entscheiden, ob er dieses Angebot annimmt oder nicht. Das ist also für den Bürger kostenneutral.

Heike Zettwitz Technisches Dezernat Landratsamt Görlitz

Im Landkreis Görlitz werden derzeit die Ausschreibungen für den bevorstehenden Breitbandausbau vorbereitet. Ingenieur Stefan Reichel plant und betreibt Glasfasernetze auch in Sachsen, den Zeitplan hält er für realistisch.

Für ein komplettes Projekt von der Planung bis zur Fertigstellung sollte man schon anderthalb bis zwei Jahre in Betracht ziehen. Die ersten werden wahrscheinlich schon nach einem halben Jahr angeschlossen und die letzten ein Jahr nach Spatenstich.

Stefan Reichel Ingenieur

In der Gemeinde Neißeaue kann sich Bürgermeisterin Evelin Bergmann also freuen: Spätestens in zwei Jahren werden ihre Bürger und sie im Ort mit modernem Glasfasernetz im Internet deutlich schneller unterwegs sein. 

Zwei Männer bewegen Kabel über eine Straße, im Hintergrund steht ein kleiner Bagger.
Bis wirklich Bauarbeiter dicke Kabelstränge durch die Dörfer der Lausitz ziehen, werden noch Monate vergehen. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Quelle: MDR/cs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.06.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 21:56 Uhr

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