06.06.2020 | 08:14 Uhr Urlaub mit Hobbithöhle und Mongolenzelt

Auch wenn die innereuropäischen Grenzen jetzt Schritt für Schritt wieder geöffnet werden, mag vielen Familien ein Sommerurlaub im Ausland wegen der Corona-Risiken noch zu heikel erscheinen. Für einen entspannten Urlaub kommen für sie eher Ziele in der Region in Betracht: Ziele, wie der Bauernhof von Familie Schuster in Sandförstgen. Denn der ist anders als viele andere Bauernhöfe.

Familie Schuster bietet auf ihrem Hof in Sandförstgen auch einen Zirkuswagen für Übernachtungen an.
Familie Schuster bietet auf ihrem Hof in Sandförstgen auch einen Zirkuswagen für Übernachtungen an. Bildrechte: MDR/Vivien Vieth

Einmal ein Hobbithaus betreten, in einem Zirkuswagen schlafen oder in einer mongolischen Jurte übernachten - auf dem Bauernhof von Simone und Gustav Schuster ist das möglich. Das Feriendomizil liegt ruhig im Dorf Sandförstgen zwischen Niesky und Bautzen. Vor rund 30 Jahren hat Familie Schuster eine kleine Ferienwohnung in ihrer Scheune ausgebaut. Damit hat die Geschichte ihres Ferienhofes begonnen.

Sie seien erst belächelt worden, erzählt Gustav Schuster. "Wer wird hier Urlaub machen in Sandförstgen?", wurden sie gefragt.

Weil wir haben bloß 46 Einwohner, aber eigenartigerweise kamen doch Leute mit Kindern und die kamen wieder. Und das hat uns angetörnt noch eine Wohnung darüber zu bauen.

Gustav Schuster Ferienhof-Betreiber

Stammkunden vor allem aus Ostdeutschland

Mittlerweile hat die Familie viele Stammkunden. Etliche kommen aus Dresden, Leipzig und Berlin auf ihren Hof. "Die fühlen sich hier geborgen. Hier ist alles unkompliziert. Wir haben nie irgendwelche Ansprüche an die Feriengäste. Die Kinder können sich hier betun. Sie können hier rumrennen, die haben Platz und die Eltern können sich erholen", erklärt Simone Schuster ihr Erfolgsrezept.

Auf Schusters Bauernhof leben neben dem Ziegenbock auch ein Hund, Hühner, Ponys, eine Mini-Kuh und einige Ziervögel.
Auf Schusters Bauernhof leben neben dem Ziegenbock auch ein Hund, Hühner, Ponys, eine Mini-Kuh und einige Ziervögel. Bildrechte: MDR/Vivien Vieth

Von den positiven Reaktionen der Gäste angespornt, kauften sich die Schusters eine benachbarte Wiese. Damit gab es nicht nur Platz für Ponys und eine Mini-Kuh. Stück für Stück bauten sie darauf auch ausgefallene Schlaf- und Spielmöglichkeiten. Meist recycelten sie dafür Materialien von abgerissenen Häusern. "Not macht erfinderisch", sagt Gustav Schuster. "Wenn man wenig Geld hat, dann grübelt man, wie man günstig baut."

Auch die Urlaubsgäste packen gern mal beim Ausbau mit an

Vieles bauen Schusters selbst. Doch: "Alles kann man nicht alleine machen", sagt Gustav Schuster. Sie hätten viele Freunde und Bekannte, die mal mit anpacken. "Das fängt beim Planer an, beim Tiefbauer bis zum Elektriker und irgendwelche Leute, die was mit anpacken oder reparieren. Das ist wirklich ein großer Freundeskreis."

Beim Bau eines Partykellers half auch der 15-jährige Adrian aus Baden-Württemberg. Er verbringt regelmäßig Zeit auf dem Schusterhof. Seit er zwei war, reist seine Familie hierher. "Da war immer ein bisschen was zu helfen", erinnert sich der Junge. Für den Partykeller hätten sie Steine von einem alten Haus geholt. "Deswegen finde ich das richtig schön, weil ich einen persönlichen Bezug dazu habe", sagt Adrian.

Ein Hexenkarussell als neueste Attraktion

Das neueste Projekt auf dem Bauernhof von Familie Schuster ist ein handbetriebenes Karussell mit selbst gebundenen Hexenbesen. Denn neben der Hofpflege und seiner Arbeit als Stukkateur bindet Gustav Schuster gemeinsam mit einem Freund auch Besen selbst. Der Schwiegervater des Freundes habe ihnen das Binden beigebracht.

Der hat das gelernt, sein ganzes Leben lang und von dem haben wir das eins zu eins übernommen. Diese alte Handwerkskunst, die wollen wir am Leben erhalten, weil es nur noch alte Besenbinder gibt. Die sterben aus und es gibt keinen Nachwuchs.

Gustav Schuster Hofbetreiber

In seiner Scheune will Gustav Schuster deshalb ein kleines Museum einrichten.

Auf einem Besen durch die Luft fliegen: das handbetriebene Karussell macht's möglich.
Auf einem Besen durch die Luft fliegen: das handbetriebene Karussell macht's möglich. Bildrechte: MDR/Vivien Vieth

So beweisen Simone und Gustav Schuster immer wieder aufs Neue viel Kreativität bei der Gestaltung ihres Anwesens. Was als Experiment begann, ist zu ihrer Leidenschaft geworden. Über Jahrzehnte haben sie so nicht nur ein Abenteuerparadies für Kinder, sondern auch eine außergewöhnliche Ruheoase für Erwachsene geschaffen.

Quelle: MDR/vv/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.06.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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