03.01.2020 | 19:58 Uhr | Update Neue Schweinepestfälle in Polen - sächsische Bauern in Sorge

In Polen sind acht neue Fälle der Afrikanischen Schweinepest gemeldet worden. Ein totes Wildschwein wurde nur 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gemeldet - das ist so nah wie nie.

In Polen sind acht neue Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) angezeigt worden. Nach Angaben des deutschen Agrarministeriums wurde ein positiv getesteter Wildschweinkadaver nur 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gefunden. Er lag nordöstlich von Bad Muskau in der einstigen Görlitzer Heide bei Žary - zu Deutsch: Sorau. Ein weiterer Kadaver sei im Abstand von 32 Kilometern zur Grenze entdeckt worden. Zuvor betrug die kürzeste Entfernung eines bekannten Falles in Polen zur Grenze nach Deutschland 40 Kilometer.

Hausschweine in Mastanlagen bedroht

Den sächsischen Bauern treibt die anrückende Schweinepest die Sorgenfalten auf die Stirn. Ein Ausbruch könnte die Schweinefleischproduktion gefährden. Schon bei einem ersten Nachweis des Virus bei einem Wild- oder Hausschwein würde Deutschland den Status "seuchenfrei" verlieren, es drohten Exportstopps für Schweinefleisch etwa nach Asien. Zudem müssen auf betroffenen Höfen alle Tiere getötet werden. In Sperrbezirken dürfen Schweinebauern ihre Tiere nicht verkaufen und bekämen dafür auch keine Entschädigung von der Tierseuchenkasse.

Viele Schweineställe im Süden des Landkreises Görlitz

Im Norden des Landkreises Görlitz, an dessen Grenze die jüngsten Kadaver entdeckt  wurden, liegen keine großen Zuchtställe oder Mastanlagen. Allerdings befinden sich im Süden des Kreises viele Schweineställe - in Kunnersdorf und Kodersdorf bei Görlitz sowie in Eiserode bei Löbau und in Bertelsdorf und Kies- und Oberseifersdorf. Die Höfe in diesen Orten könnten zuerst von der Schweinepest betroffen sein. Zumal die Wildschweine im Süden zwischen Hirschfelde und Zittau gerne über die Neiße wechseln und sich in den Tagebau Turow zurückziehen, weil sie dort nicht gejagt werden.

Keine Pausenbrote mit Wurst aus Polen

Allein in Kodersdorf werden etwa 2.000 Zuchtsauen und 6.000 Ferkel gehalten. Laut einem MDR-Reporter wurden alle Mitarbeiter der Zuchtanlagen noch einmal darauf hingewiesen, die Vorschriften Hygiene und Seuchenschutz penibel einzuhalten. Dazu gehören: Ställe nur mit desinfizierter Schutzkleidung betreten, Alltagskleidung nur außerhalb der Anlage tragen, keine Pausenbrote mit Wurst aus Polen.

Letzeres gilt für alle Oberlausitzer: Die Behörden warnen davor, Fleisch- und Wurstwaren aus Polen einzuführen und dann die Reste der Mahlzeit hier zu entsorgen. Füchse und Waschbären bedienen sich an den Resten und tragen sie breit. Dadurch könnten sich die Wildschweine infizieren.

Schweinepest
Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit 2007 kontinuierlich in Europa aus und ergreift immer mehr Länder. Jetzt steht sie 21 Kilometer vor der deutschen Grenze. Bildrechte: Heute im Osten, MDR

Deutschland gilt bisher als seuchenfrei. Ob das so bleibt, ist derzeit unklar. Fachleute befürchten, dass die Schweinepest die Grenze bald passieren wird. Wildschweine können gut schwimmen, die Neiße als Grenzfluss zwischen Polen und Deutschland bildet keine natürliche Barriere.  

Sachsen rechnet mit Ausbruch

Sachsen hat für einen möglichen Ausbruch der Schweinepest mit den polnischen Behörden eine deutsch-polnische Task-Force eingerichtet, die alle Maßnahmen koordinieren soll. Wie das Sozialministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, sollen sich in der Task-Force die Jäger auch über Fallen und eine gemeinsame Jagd abstimmen, ohne das Wild "übermäßig zu beunruhigen". Die Behörden im Landkreis Görlitz haben nach Angaben eines MDR-Reporters zudem eine Einsatzgruppe unter der Leitung des Amtstierarztes gebildet. Ziel ist auch hier, schnell reagieren zu können.

Karte - Ausbrüche der Schweinepest in Europa
Die Verbreitung der Schweinepest Mitte Dezember 2019. Mittlerweile hat sich das ansteckende Virus bis 21 Kilometer vor die deutschen Grenze ausgebreitet. Bildrechte: Friedrich-Löffler-Institut

Virus muss früh erkannt werden

Weil es gegen die Schweinepest weder Impfungen noch Therapie gibt, kann die Seuche  nur mit hygienischen Maßnahmen und mit Biosicherheit – also der Reinigung kontaminierter Ställe und Gegenstände – bekämpft werden. "Die frühzeitige Erkennung von ASP ist besonders wichtig", hieß es aus dem Sozialministerium Sachsen. Nur so sei es möglich, die Tierseuche mit Schutzzonen einzudämmen.

Eines der über vierzig erlegten Wildschweine liegt nach einer Treibjagd als Strecke
Die Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion. In der Regel verenden die Schweine (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Schweinepest wird durch Menschen übertragen Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende schwere Virusinfektion. Infizierte Haus- und Wildschweine verenden in der Regel. Das Virus ist widerstandsfähig und lange ansteckend. In Rohwurst, Schinken und Gefrierfleisch kann sich der Erreger Monate oder sogar Jahre halten. Für Menschen stellt das Virus keine Gefahr dar. Bei der Verbreitung der Seuche ist der Menschen allerdings ein großer Risikofaktor – er verbreitet das Virus durch Fahrzeuge, Kleidung, Schuhe oder Lebensmittel.

Wird es auch in Sachsen Zäune geben?

Das Land Brandenburg, das wie Sachsen an Polen grenzt, hat inzwischen seinen 120 Kilometer langen Schutzzaun fast vollständig errichtet. Die mobilen Elektro- und Duftzäune reichen von Frankfurt/Oder im Norden bis zur sächsischen Grenze im Süden.

Die Frage, ob es auch in Sachsen Schutzzäune geben wird, beantwortet das sächsische Sozialministerium vage. "Die Errichtung einer Wildbarriere ist im Seuchenfall eine mögliche Tierseuchenmaßnahme zur Begrenzung eines Kerngebiets. Diese Barrieren zielen jedoch nicht darauf, den Übertritt von Wildschweinen vollständig zu verhindern", heiß es aus dem Ministerium. Ein "wildschweinsicherer" Zaun müsste in massiver Bauweise erfolgen, könne aber wegen Flüssen und Straßen nicht lückenlos errichtet werden. Zudem seien die Wildschweine "sehr gut in der Lage, Hindernisse zu überwinden oder zu umgehen".  "Vor diesem Hintergrund vermag ein Zaun das ASP-Eintragsrisiko nicht zu verhindern", hieß es.

Bildergalerie Wildschutzzäune zwischen Köbeln und Zeitz in Brandenburg

Die Schweinepest ist bis kurz vor die deutsche Grenze gerückt. Wildschutzzäune - hier zwischen dem sächsischen Köbeln und dem brandenburgischen Zeitz - sollen jetzt ein Übergreifen der schweren Virusinfektion verhindern

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Quelle: MDR/ds/bs/uw/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.01.2020 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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