Ein Wildschwein steht auf einem Plateau im Wald.
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18.11.2019 | 15:29 Uhr Noch 80 Kilometer bis zur Grenze: Polen meldet nahen Schweinpest-Fall

Ein Wildschwein steht auf einem Plateau im Wald.
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Bei einem toten Wildschwein in Westpolen ist die afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden. Darüber hat der polnische Veterinärdienst das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft informiert.

Das Tier war in der Woiwodschaft Lebus im Kreis Wschowski tot gefunden worden. Von dort sind es noch 80 Kilometer bis zur deutschen Grenze. Am Donnerstag vergangener Woche wurde festgestellt, dass das Schwein an der Seuche starb. Die afrikanische Schweinepest (ASP) grassiert in Polen seit fünf Jahren. Bislang beschränkte sich das Seuchengeschehen auf den Osten des Landes – in rund 250 Kilometern Entfernung zum jetzigen Fall, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit.

Unverändert hohes Risiko für Schweine in Deutschland

Aus dem grenznahen Fall ergebe sich keine neue Risikobewertung für Deutschland, erklärt Elke Reinking vom Friedrich Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Das Risiko einer Infektion von Haus- und Wildschweinen ist bereits als "hoch" eingestuft. Die Experten in Greifswald warten nun auf weitere Informationen aus Polen.

"Unsere Wissenschaftler haben dazu Kontakt mit ihren polnischen Kollegen aufgenommen", sagt Reinking. Aus Polen sind dem FLI in diesem Jahr bislang 1.943 infizierte Wildschweine und 48 infizierte Hausschweine gemeldet worden. Die Zahlen liegen unter den Ausbruchszahlen des Vorjahres. In Deutschland gibt es bisher keinen Fall von Afrikanischer Schweinepest.

Die Wurstbemme als Infektionsquelle

Zusätzliche Präventivmaßnahmen als die bereits ergriffenen, seien nach dem jüngsten Fall in Polen nicht nötig. Elke Reinking verweist darauf, dass Wildschweine einen geringen Aktionsradius von lediglich rund 30 Kilometern hätten. Das sei ein mäßigender Faktor für die Ausbreitung der Pest.

Viel größer sei die Gefahr, dass der Mensch zur Verbreitung beiträgt. Reinking mahnt deshalb: "Bitte werfen Sie Ihre Speisereste an Tank- und Raststätten in geschlossene Behälter und nicht in die freie Natur." Denn die unachtsame Entsorgung von kontaminierten Schweinfleisch-Erzeugnissen kann zur Infektionsquelle für Wildschweine werden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft verweist auf die Schweinehaltungshygieneverordnung und hält die schweinehaltenden Betriebe zur Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen an. Jäger sollen verendet aufgefundene Wildschweine melden. Die Behörden würden dann eine Untersuchung veranlassen.

Große Sorgen beim Bauernverband

Den sächsischen Bauern bereitet der grenznahe Schweinpest-Fall große Sorgen. "Das Problem ist, dass die Schweinepest damit einen großen Sprung gemacht hat", betont Juliane Bergmann, Referentin für Nutztierhaltung beim Sächsischen Landesbauernverband. Aus einem Restriktionsgebiet im Osten Polens sei die Pest nun weit nach Westen vorgedrungen. Ähnliche Sprünge habe man bereits in Belgien und Tschechien beobachtet.

Käme es hierzulande zu einem Ausbruch müssten auch in Sachsen Restriktionsgebiete eingerichtet werden, erklärt Bergmann. In einer Kernzone stünden Schweinemastbetriebe unter Quarantäne. "Die Tiere dürften dann weder von Hof zu Hof noch zum Schlachthof transportiert werden", sagt Juliane Bergmann. Auch wenn ihre Schweine vom Virus verschont blieben, müssten die Bauern dann um ihre Existenz fürchten.

Krisenpläne für den Ernstfall

Damit die Seuche sich nicht bis nach Deutschland ausbreitet und bei einem Vordringen nach Sachsen schnell eingedämmt werden könnte, habe es in der Vergangenheit bereits mehrere Übungen gegeben. Dabei sei es darum gegangen, den Informationsfluss zwischen den Veterinärämtern und Betrieben zu verbessern. Einbezogen waren Behörden und Verbände der Bundesländer wie auch jene in Polen und Tschechien.

Außerdem existiert eine Arbeitsgruppe beim Sächsischen Landesministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Dort tauschen sich die Betroffenen regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen aus. Für eine schnelle Reaktion würden Krisenhandbücher bereit gehalten. "Die kennen die Bauern", bekräftigt Bergmann. Sachsen sei für den Ernstfall gewappnet.

Die Afrikanische Schweinepest Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Sie tritt ausschließlich bei Schweinen auf (Haus- und Wildschweine). Außerhalb der Ursprungsländer auf dem afrikanischen Kontinent wurde die Krankheit erstmals 2007 in Georgien nachgewiesen. Von dort aus verbreitete sie sich rasant über Osteuropa. Infizierte Tiere leiden an hohem Fieber, Apathie und Blutungen aus Nasen oder Ohren. Die Haut verfärbt sich blau. Außerdem zeigen erkrankte Tiere mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft. Sie verenden binnen weniger Tage. Einen Impfstoff gibt es nicht. Für Menschen ist das Virus ungefährlich. Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL |18.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 15:29 Uhr

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