24.04.2019 | 19:10 Uhr Erstes schwimmendes Haus entsteht auf dem Bärwalder See

Am Bärwalder See bei Boxberg ist am Mittwoch das erste schwimmende Haus aufs Wasser gesetzt worden. In den nächsten Jahren soll dort eine Feriensiedlung mit bis zu 25 Häusern und Hausbooten entstehen.

Ein Kran hebt an einem See ein bungalowähnliches Haus aus Glas, Holz und Stahl hoch und setzt es auf einem schwimmenden Fundament auf.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mittwochmorgen, 8 Uhr, im Hafen von Klitten am Bärwalder See: Ein 220 Tonnen schwerer mobiler Lastenkran baut sich am Ufer unweit der Hauptsteganlage auf. Gut zweieinhalb Stunden dauert es, bis die schweren Stahlplatten auf dem Kran so verteilt sind, dass er sicher steht. Auf dem höher gelegenen nahen Parkplatz wartet indes schon ein Tieflader - beladen mit einem großen 27 Tonnen schweren Fundament aus Stahlbeton und Styropor, das den Auftrieb bringt. Es ist der Schwimmkörper, auf dem einmal ein Haus schwimmen wird. Routiniert und ohne zu rangieren, bringt der Fahrer die schwere Last zum Kran. Es ist halb elf. Die Arbeiter befestigen den Ponton mit dicken Seilen an vier großen Laschen. Zentimeter für Zentimeter hebt der Kran das Fundament vom Lkw ins Wasser. Damit es nicht wegtreibt, fixieren es Arbeiter provisorisch mit Seilen an zwei Ankern.

Haus wiegt 15 Tonnen ohne Fundament

Nach der Mittagspause setzt der Kranführer das 15 Tonnen schwere Haus, das wie ein moderner Bungalow aus Glas, Holz und Stahl aussieht, auf das schwimmende Fundament. Danach verschrauben es Arbeiter an Bug und Heck mit dem Ponton. Anschließend schiebt ein 500 PS-starkes Spezialboot das schwimmende Haus an den ausgewählten Liegeplatz am Hauptsteg. Dort werden sie mit einem ausgeklügelten Befestigungssystem gesichert.

Musterhaus kann ab Anfang Mai besichtigt werden

Das erste schwimmende Haus am Bärwalder See ist ein Musterhaus und gehört der Berliner Firma Floatinghouse. Sie will im Klittener Hafen eine Ferienhaussiedlung mit bis zu 25 schwimmenden Häusern und Hausbooten errichten, sagt Projektmanager David Heinrich. Am 4. Mai wird das Musterhaus öffnen und kann dann freitags bis sonntags besichtigt werden. Das Unternehmen will die Ferienhäuser aber nicht selbst betreiben, sondern verkaufen. Die Eigentümer sollen dann ihre Häuser an Urlauber vermieten. Ein Haus ist bereits verkauft und soll in den nächsten Wochen aufgebaut werden, sagt Marie Gest von Floatinghouse.

Im Idealfall wird das Musterhaus dann mal als 25. Haus in die Anlage reingehen.

David Heinrich Projektmanager der Firma Floatinghouse

Baubeginn der Steganlage noch dieses Jahr geplant

Je nachdem, wie gut die Häuser verkauft werden, will das Berliner Unternehmen im September mit der Produktion in Holland beginnen. "Wir wollen immer vier Häuser gleichzeitig aufstellen", erklärt David Heinrich. Das sei logistisch gut händelbar und spare den Käufern Kosten. Ende dieses und Anfang nächsten Jahres soll dann die Steganlage für die Ferienhaussiedlung am Rande des Klittener Hafens entstehen. Danach könnten peu á peu die ersten Häuser ins Wasser gesetzt werden, "so dass in der nächsten Saison die ersten Häuser vermietet werden könnten", sagt der Projektmanager.

Bildergalerie Musterhaus auf dem Bärwalder See aufgebaut

Ein mobiler Kran postiert sich an einem Seeufer. Davor steht ein bungalowähnliches Haus aus Glas, Stahl und Holz.
Wegen des starken Windes konnte der mobile Kran am Dienstag nicht am Ufer festmachen. Gut zweieinhalb Stunden brauchte der Kranführer am Mittwochvormittag, um sein Fahrzeug standsicher zu machen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein mobiler Kran postiert sich an einem Seeufer. Davor steht ein bungalowähnliches Haus aus Glas, Stahl und Holz.
Wegen des starken Windes konnte der mobile Kran am Dienstag nicht am Ufer festmachen. Gut zweieinhalb Stunden brauchte der Kranführer am Mittwochvormittag, um sein Fahrzeug standsicher zu machen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein Mann mit Bart und Mütze erklärt eine Planung, die er in der Hand hält.
Projektmanager David Heinrich erklärt anhand eines Lageplanes, wo die Ferienhaussiedlung im Klittener Hafen entstehen wird. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Blick in ein Schlafzimmer mit einem Doppelbett und einem Einbauschrank in einem schwimmenden Haus.
Zwei identische Schlafzimmer sind im Haus untergebracht... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Blick in ein Bad in einem schwimmenden Haus.
...ein Bad mit Dusche, Heizkörper und Fußbodenheizung... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Blick in eine Toilette in einem schwimmenden Haus.
...eine Toilette mit Waschbecken... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Blick in ein Wohnzimmer mit Küchenzeile in einem schwimmenden Haus.
...sowie ein offenes Wohnzimmer mit einer voll ausgestatteten Küche. Vor dem Wohnzimmer befindet sich eine zwölf Quadratmeter große Bugterrasse und darüber eine 25 Quadratmeter große Dachterrasse. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein langer Lkw rollt an einem See mit einem betonähnlichen Bauteil vor einen Kran.
Ein Tieflader bringt das schwimmende Fundament, das am Dienstag von Bitterfeld in die Oberlausitz gebracht wurde. 27 Tonnen wiegt der Ponton, der außen mit Stahlbeton verkleidet und innen mit Styropor ausgestattet ist, damit er schwimmt. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein Kran hebt eine 27 Tonnen schwere Betonplatte von einem Lkw.
Scheinbar mühelos hebt der Kran die schwere Last vom Lkw. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
An dicken Seilen, die an einem Kranarm befestigt sind, schwebt eine schwere Betonplatte.
Vorsichtig befördert der Kranführer den Ponton in Richtung See... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
An dicken Seilen, die an einem Kranarm befestigt sind, schwebt eine schwere Betonplatte in Richtung eines Sees.
... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
An dicken Seilen, die an einem Kranarm befestigt sind, schwebt eine schwere Betonplatte in Richtung eines Sees.
... Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein schweres Betonteil schwimmt auf einem See.
Geschafft! Der Ponton schwimmt sicher auf dem See. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein Boot nähert sich einem schweren Betonteil, das auf einem See liegt.
Damit der Schwimmkörper nicht wegtreibt, wird er vorübergehend mit Seilen an zwei Ankern fixiert. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
Ein Kran hebt an einem See ein bungalowähnliches Haus aus Glas, Holz und Stahl hoch.
Rund 15 Tonnen wiegt die Kabine, die auf das schwimmende Fundament gehoben wird. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Kran hebt an einem See ein bungalowähnliches Haus aus Glas, Holz und Stahl hoch und setzt es auf einem schwimmenden Fundament auf.
Mit Augenmaß und viel Erfahrung setzt der Kranführer das Haus aufs schwimmende Fundament. Dann wird beides miteinander verschraubt. Das Spezialboot schiebt anschließend das Musterhaus an die Hauptsteganlage im Klittener Hafen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zuschauer sitzen auf einer Wiese und beobachten auf dem Bärwalder See bei Boxberg in der Oberlausitz, wie ein schwimmendes Haus zu Wasser gelassen wird.
Gespannt verfolgen Einheimische und Besucher, wie auf dem Bärwalder See das erste schwimmende Haus ins Wasser gesetzt wird. Bildrechte: MDR/Rica Sturm
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Ausgestattet sind die Häuser wie Ferienhäuser: zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer mit vollausgestatteter Küche, Bad und Toilette auf 44 Quadratmetern. Alle Häuser sind ans öffentliche Strom-, Wasser- und Abwassernetz angeschlossen und werden über eine Luftdruck-Wärme-Pumpe im Winter beheizt und im Sommer gekühlt. So sind sie ganzjährig nutzbar. 310.000 Euro kostet das Musterhaus, die fahrbare Version als Hausboot um die 270.000 Euro. Gebaut werden die Häuser in Holland.

Verschiedene Befestigungssysteme werden eingesetzt

Um sicher zu gehen, dass die Häuser auf dem Bärwalder See auch starken Stürmen standhalten und sich nicht vom Ufer losreißen wie am Geierswalder See zum Beispiel, greift die Firma auf verschiedene Befestigungssysteme zurück. "Solche Probleme wie am Geierswalder See können wir komplett ausschließen", sagt David Heinrich. "Wir haben mit dem Hafenmeister gesprochen und gehen von maximalen Wellenbewegungen von zwei Metern aus."

Wir müssen beim Bauantrag die Sicherheit des Hauses, der Steganlage und der Befestigung nachweisen. Das Thema Sicherheit spielt bei den Behörden eine immer größere Rolle.

David Heinrich Projektmanager der Firma Floatinghouse

Mit einem speziellen Dämpfersystem wird jedes Haus an der Steganlage befestigt. Außerdem werden Docker am Heck befestigt. Und sollte das nicht reichen, werden zusätzliche in den Hafengrund gerammte Pfähle – sogenannte Dalben – eingesetzt, um die Häuser fest zu machen, erklärt der Projektmanager. "Wir haben aber mit den Häusern schon sehr viel Eigengewicht, so dass wir ziemlich großen Wellen standhalten können."

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.04.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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