Ralf Liedecke
Nicht nur Kräuter, auch Früchte wie die Chili können die Laune heben. Denn die Schärfe regt den Stoffwechsel an. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

08.10.2019 | 11:41 Uhr Pflanzen, die die Stimmung heben

In Weißwasser finden zur bundesweiten Woche der seelischen Gesundheit viele Veranstaltungen statt. Inwieweit Kräuter das Wohlbefinden fördern und bei depressiven Verstimmungen helfen können, erklärt dort Ralf Liedecke.

Ralf Liedecke
Nicht nur Kräuter, auch Früchte wie die Chili können die Laune heben. Denn die Schärfe regt den Stoffwechsel an. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Pflanzen sind Ralf Liedeckes Lebenselexier. Mit ihrer Kraft möchte er gern mindestens 100 Jahre alt werden. Seit zehn Jahren beschäftigt sich der Mann aus Halbendorf bei Weißwasser intensiv mit Kräutern und ihrer gesundheitsfördernden Wirkung. Ein Krankheitsfall in der Familie gab den Ausschlag.

Heute wachsen an die 120 verschiedene Kräuter im Garten, kleinen Gewächshäusern, aber auch in Töpfen verteilt in Liedeckes Wohnung und seiner Garage. Der Halbendorfer zieht und vermehrt die Pflanzen selbst. Zu jeder Art hat er Karten angefertigt, mit Informationen zu ihrer Herkunft, welche Standorte sie bevorzugen und wie sie sich anwenden lassen. "Ich nutze dafür mehrere Quellen, wobei aber die Literatur über Heilpflanzen sehr gut aufgestellt ist", erklärt der 57-Jährige. "Ich habe mir zig Fachbücher und Gesundheitsbücher zugelegt." Regelmäßig fährt der Kräuterkundige mit seinen Setzlingen und Kräutertöpfen auf den Wochenmarkt nach Weißwasser. Dort bietet er seine Pflanzen zum Verkauf an und gibt gleich die Tipps für mögliche Anwendungen mit dazu.

Duft kann viel bewirken

Denn die Wirkung von Heilpflanzen ist komplex und geht weit über das Lindern von Erkältungen oder Mildern einer Magenverstimmung hinaus. Bei Niedergeschlagenheit oder Depression können ebenfalls Kräuter helfen, ist Liedecke überzeugt. Das fängt bei dem Duft an, der die Psyche beeinflusst: "Die Agastachen, auch Duftnesseln genannt, haben einen Einfluss auf das Wohlbefinden", gibt der Mann ein Beispiel. Agastachen verströmen einen minzartigen Geruch. Ihre Blätter und Blüten verwendet Liedecke etwa für Tee und Salat. Rosenduftthymian, Lavendel und auch das ätherische Öl des Fenchel könnten die Stimmung aufhellen, zählt der Halbendorfer auf.

Basilikum für mehr Ausgeglichenheit

Als Klassiker gegen Unruhe und Stresssymptome sowie depressive Verstimmungen gelten im europäischen Raum Baldrian und Johanniskraut. Apotheken bieten hier etliche Präparate. Aber es gibt auch Heilpflanzen aus Asien, deren Einnahme sich positiv auf die Psyche auswirke, meint Liedecke. Tulsi nennt er als Beispiel. Das indische Basilikum könne frisch oder getrocknet in Salate oder Tees getan werden, es stärke das Immunsystem und fördere den Stressabbau. "Überhaupt wirken alle Arten von Basilikum ausgleichend."

Wohltuende Pflanzen

Heilkräuter können sich auf positiv auf die Psyche auswirken. Da einige Pflanzen in höheren Dosen giftig sind, wird von einer Selbstmedikation abgeraten.

Baldrian
Die Wurzel des Baldrian hilft bei Unruhe und Schlafstörungen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Baldrian
Die Wurzel des Baldrian hilft bei Unruhe und Schlafstörungen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Brahmi
Das indische Brahmi wirkt auf das Nervensystem. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Fenchel
Öl aus dem Fenchel wirkt beruhigend und ausgleichend. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Gotu Kola
Gota Kola, auch Asiatischer Wassernabel oder Tigergras genannt, fördert die Gedächtnisleistung. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Duftnessel
Der Geruch der Duftnessel kann die Stimmung aufhellen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Weniger bekannt, aber durchaus in Deutschland kultivierbar, ist die indische Heilpflanze Brahmi. Sie wirke auf das Nervensystem und könne die Lernfähigkeit verbessern, erklärt Liedecke und zeigt auf eine kleinblättrige Pflanze in einem Topf. Allerdings seien die Blätter der Rankenpflanzen in größeren Mengen giftig, warnt Liedecke. Auch die asiatische Pflanze Gota Kola wirke auf das Nervensystem und fördere die Gedächtnisleistung. Griechischer Bergtee, der im Mittelmeerraum und Südeuropa wächst, könne ebenfalls zur Entspannung beitragen und Depressionen lindern, erklärt der Kräuterkundler. Und dann wäre da das Jiaogulan – auch die Pflanze der Unsterblichkeit genannt: Der Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse werden wahre Wunder nachgesagt. Eingenommen als Tee etwa soll sie das Immunsystem stärken, Stress abbauen, bei Schlafstörungen helfen und, und, und.

Wem asiatische Heilpflanzen zu exotisch sind, der kann auch scharfe Chili essen. Das darin enthaltene Capsaicin bringe den Stoffwechsel in Schwung, so Liedecke. Sein einfachster Tipp, um an tristen Herbsttagen die Stimmung zu heben: "Viel Grünes essen, viel vitaminreiches Gemüse und Obst."

Aktionswoche der seelischen Gesundheit

In Weißwasser finden anlässlich der bundesweiten Woche der seelischen Gesundheit bis zum 14. Oktober zahlreiche Veranstaltungen zum Thema statt. Ralf Liedecke wird am 10. Oktober über "Kräuter der seelischen Gesundheit" im Naturladen in Weißwasser sprechen. Des Weiteren gibt es Vorträge unter anderem zu Mobbing, digitaler Selbsthilfe per App und musikalischer Gesundheitsförderung. Mit der Aktionswoche soll über seelische Beschwerden aufgeklärt und Hilfs- und Therapieangebote vorgestellt werden.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.10.2019 | ab 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 11:41 Uhr

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