Teichwirtschaften Hitze und Trockenheit werden zur Falle für Oberlausitzer Fische

Die Sorgen der Teichwirtschaften in der Oberlausitz nehmen Tag für Tag zu. Wenn es nicht bald richtig regnet, könnte der Sauerstoffmangel in den Teichen zur Falle für die Fische werden. Wasser ist das Hauptproduktionsmittel der Fischer. Kein Regen, kein Fisch.

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Der Fischteich Rode 6 wurde vor drei Wochen abgefischt und die Fische umgesetzt. Das wenige Wasser, was den Teich speiste, wird jetzt in andere Fischteiche geleitet. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Was so aussieht wie eine schlecht bewachsene Wiese, ist eigentlich ein Teich. Rode 6 heißt er und liegt im Naturschutzgebiet Niederspree bei Rietschen. Die Mitarbeiter der Kreba-Fisch GmbH mussten ihn vor drei Wochen abfischen, sagt Geschäftsführer Dietmar Mühle. "In dem Teich wollten wir dieses Jahr eigentlich die einjährigen Satzkarpfen produzieren. Aber hier ist die Situation besonders prekär."

Mit dem Besatz der Fische im Frühjahr sollten die beiden Teiche Rode 1 und Rode 6 gefüllt werden. Doch seither hat es kaum geregnet. Der Weiße Schöps brachte nicht genug Wasser in die Teiche. "Deswegen waren wir gezwungen, das Restwasser aus den beiden Teichen abzulassen und die Fische in andere Objekte umzusetzen, wo noch genügend Wasser ist", erklärt der Diplom-Fischereiingenieur. In den vergangenen Tagen kamen weitere Teiche hinzu.

Situation an Himmelsteichen ist besonders prekär

Denn schon seit dem Frühsommer kämpfen die Teichwirte in der Oberlausitz mit der Hitze und Trockenheit. Diese führen zu enormen Wasserverlusten und einem ständigen Sauerstoffmangel in vielen Teichen. Besonders schlimm ist die Lage an den sogenannten Himmelsteichen, die nur durch Niederschlagswasser gespeist werden. Sollte nicht bald die Hitze nachlassen und der ersehnte Regen kommen, wird sich die Situation in den nächsten Wochen noch weiter verschärfen, weiß Dietmar Mühle.

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Dietmar Mühle am größten Teich seines Betriebes: dem Großteich im Naturschutzgebiet Niederspree bei Rietschen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Wir arbeiten ja unter freiem Himmel und sind sicher sehr erfahren, mit extremen Witterungssituationen umzugehen. Für die Fischer und die Bauern gibt es nie optimale Witterungsbedingungen, sondern nur mehr oder weniger gute oder schlechte. Aber so ein Extrem wie in diesem Jahr ist mir noch nicht widerfahren.

Dietmar Mühle Geschäftsführer der Kreba-Fisch GmbH

Algen verbrauchen mehr Sauerstoff als sie produzieren

Wegen der hohen Wassertemperaturen gibt es in den Teichen zurzeit viele Algen. Scheint die Sonne, produzieren diese Algen Sauerstoff. "Das heißt, wir haben am Tag durchaus auch Übersättigungswerte an Sauerstoff. Aber wenn keine Sonne scheint, dann verbraucht diese hohe Biomasse zusätzlich Sauerstoff. Und mit kürzeren Tagen und längeren Nächten wird immer mehr Sauerstoff verbraucht, als produziert wird", erläutert der Teichwirt. Eine kritische Situation für die Fischer. Zumal sich Sauerstoff im warmen Wasser schlechter löst als im kühlen Wasser. "Und all das kann vor allem in den Morgenstunden zu einem extremen Sauerstoffmangel und damit einhergehenden Fischverlusten führen", sagt Dietmar Mühle.

Fischer messen täglich den Sauerstoffgehält der Teiche

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Auf dem Großteich bei Rietschen haben sich viele Schwäne niedergelassen. Sie profitieren vom niedrigen Wasserstand im Teich und gelangen mit ihren langen Hälsen an das Fischfutter auf dem Grund. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Deshalb sind die 14 Mitarbeiter von Kreba-Fisch täglich an den Teichen unterwegs, um den Sauerstoffgehalt im Wasser zu messen und die Fütterung der Fische darauf abzustimmen. Gefütterte Fische verbrauchen mehr Sauerstoff. Kreba-Fisch bewirtschaftet in den Landkreisen Görlitz und Bautzen etwa 150 Teiche unterschiedlicher Größe. Brotfisch und Erwerbsgrundlage ist der Karpfen. Aber auch Hecht, Schleie, Wels und Stör werden in kleineren Mengen produziert.
Wenn die Wetterlage weiter anhält, wird der Betrieb viele seiner Teiche eher als sonst  abfischen. Dietmar Mühle hofft, dass er die größten und wichtigsten Teiche bis in den Herbst halten kann. Weil traditionell im Herbst wieder mehr Fisch gekauft und gegessen wird als in den Sommermonaten. Ansonsten kommt das nächste Problem auf die Fischereibetreibe zu. "Die Tiere, die wir abfischen, müssen transportiert und bis zum Verkauf gehältert werden. Und da sind wir auf Wasser angewiesen", erklärt der Geschäftsführer. Deshalb hofft er, dass die Situation möglichst schnell umschlägt und es überall in der Oberlausitz wieder mal länger regnet.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.08.2018 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 18. August 2018, 14:42 Uhr

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