Teilnehmer der Landeskatastrophenschutzübung «Themis 2017» arbeiten am 28.11.2017 in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) in der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd an Computern.
An der Polizeihochschule Sachsen in Rothenburg in der Oberlausitz werden Kommissare ausgebildet. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Skandal an Polizeihochschule Hoher Beamter soll Prüfungen an Studenten weitergegeben haben

Die Skandalmeldungen um die sächsische Polizei reißen nicht ab: Die Polizei hat das Gewaltmonopol, eigentlich sollte man Polizisten vertrauen. Doch ein Vorfall nährt eine schlimme Vermutung. Wurde sächsischen Kommissaren der Dienstgrad "geschenkt"?

Teilnehmer der Landeskatastrophenschutzübung «Themis 2017» arbeiten am 28.11.2017 in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) in der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd an Computern.
An der Polizeihochschule Sachsen in Rothenburg in der Oberlausitz werden Kommissare ausgebildet. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

An der Sächsischen Hochschule der Polizei in Rothenburg/Oberlausitz ist ein Regierungsrat vom Dienst suspendiert worden. Der hohe Beamte soll Prüfungsaufgaben an Studenten weitergegeben haben. Auf Anfrage von MDR SACHSEN hat die Hochschule die Suspendierung bestätigt. Gegen den hohen Beamten laufen laut einer Mitteilung der Hochschule zudem ein Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Görlitz sowie ein internes Disziplinarverfahren. Dem Mitarbeiter wird vorgeworfen, Inhalte und Lösungen einer Klausur im Vorfeld der Prüfung an Studenten des 24. Jahrgangs der Hochschule weitergegeben zu haben, hieß es in der Mitteilung.

Harald Kogel
Harald Kogel, Rektor der Polizeihochschule Sachsen. Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Die Vorwürfe wiegen sehr schwer, es ist einfach nicht hinnehmbar, dass ein Mitarbeiter derart handelt. Wir werden dazu beitragen, dass die ermittelnden Behörden dies schnell und konsequent aufklären können. Gerade an einer Polizeihochschule sind Mitarbeiter und Studenten in besonderem Maße Recht und Gesetz verpflichtet.

Harald Kogel Rektor der Polizeihochschule

Aufgaben mit dem Handy fotografiert

Zuerst hatte das Magazin "Stern" über einen Betrugsverdacht berichtet. Demnach flog der mutmaßliche Betrug auf, als sich Studenten Dozenten anvertrauten: Die angehenden Kommissare behaupteten, Kurssprecher hätten sich Prüfungsaufgaben im Vorfeld mit dem Handy abfotografieren können. Der Beamte, der als Regierungsrat im Studienreferat arbeitete, habe dafür das Büro verlassen. Danach sollen die Aufgaben für rund 170 Studenten des 24. Jahrgangs beim Cloud-Speicherdienst Dropbox im Internet abrufbar gewesen sein.

Dozenten meldeten Betrugsverdacht der Hochschule

Polizeihochschule Sachsen
Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Doch offenbar wollten nicht alle Polizeistudenten diesen Betrug mittragen. Den Berichten des "Stern" zufolge meldeten Studierende ihren Dozenten den Betrugsversuch. Zum Beweis zeigten sie die Prüfungsaufgaben. Ein Vergleich bestätigte: Es waren jene Aufgaben, die noch geheim und für die Abschlussprüfung in Recht und Politik vorgesehen waren. Die Dozenten meldeten den Betrugsversuch schließlich der Direktion. Das bestätigte die Hochschule: "Die Manipulationsvorwürfe waren von Dozenten bei der Hochschulleitung angezeigt worden", erklärte sie in ihrer Mitteilung.

Bereits im September wurden Kommissare nicht zugelassen

Wegen des Verdachts  auf Betrug konnten nach Angaben der Hochschule bereits Ende September 2018 insgesamt 17 Studenten nicht wie geplant zu Kommissaren ernannt werden. Ein Dozent behauptet gegenüber dem "Stern" nun, dass er sich schon seit Jahren über die guten Noten an der Hochschule wundere. Die aktuellen Betrugsvorwürfe gegen den Regierungsrat sind brisant. Sollten sie sich bestätigen, würde dies bedeuten, dass womöglich nicht alle Kommissare ihren Dienstgrad rechtmäßig erworben haben.

Quelle: MDR/kt/stern/dpa

Polizeihochschule Sachsen
Außen scheint die Sonne. Im Inneren der Polizeihochschule Sachsen scheint es jedoch einige Ungereimtheiten zu geben. Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.10.2018 | ab 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten auf dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 11:10 Uhr

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