02.04.2020 | 06:28 Uhr Probleme bei Beerdigungen: Bestatter schlagen Alarm!

Ein Todesfall ist für eine Familie immer eine Ausnahmesituation. Professionelle Hilfe für die Hinterbliebenen bieten auch Bestattungsunternehmen. In der Coronakrise geraten Sachsens Bestatter jetzt selbst in eine Ausnahmesituation. Eine Oberlausitzer Bestatterin schlägt deshalb Alarm.

Städtischer Friedhof Görlitz
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Jeder Todesfall sorgt für Trauer und Leid. Und das nicht nur bei den Familienangehörigen, sondern auch bei Freunden, Bekannten, Kollegen und den Nachbarn. Während der Coronavirus-Pandemie wird der Abschied vom Verstorbenen für alle Beteiligten noch schwieriger und auch für Bestattungsunternehmen sind Beerdigungen derzeit eine Herausforderung.

Trauerfeiern dürfen derzeit nur unter freiem Himmel und im engsten Familienkreis bis 15 Personen stattfinden. Da braucht es viel Einfühlungsvermögen, um den würdevollen Abschied für die Hinterbliebenen zu organisieren. Doch die Bestatter in Sachsen sehen noch größere Probleme auf sich zukommen.

Bestatter sind keine systemrelevante Berufsgruppe

Verstorbene abzuholen und zu versorgen, ist in Sachsen keine systemrelevante, also volkswirtschaftlich oder infrastrukturell herausragend wichtige, Tätigkeit. Deshalb bekommen Bestattungsunternehmen derzeit kaum noch Desinfektionsmittel, stehen beim Seuchenschutz auf der Warteliste oder haben einfach keine Mitarbeiter mehr, weil diese zu Hause bleiben müssen. Jana Semper ist Mitinhaberin eines Bestattungsunternehmens in Ebersbach-Neugersdorf und arbeitet bereits mit einer Notbesatzung.

Ich bin sehr eingeschränkt handlungsfähig, weil meine Mitarbeiter ihre Kinder nicht in die Notbetreuung geben dürfen. Die Bereitschaft rund um die Uhr ist auch deshalb kaum noch aufrecht zu erhalten.

Jana Semper Oberlausitzer Bestattungen

Tote können nicht mehr versorgt werden

Als nicht systemrelevantes Unternehmen fehle den Oberlausitzern zudem der Zugriff auf wichtige Arbeitsmittel. Hygieneartikel oder Kosmetika für Verstorbene zu organisieren, werde immer schwieriger und ist bei Corona-Fällen nahezu unmöglich.

Es ist sehr schwierig für uns Bestatter geworden, beispielsweise Mundschutz, Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel zu bekommen. Eine Kollegin soll ihre aktuelle Bestellung erst im Mai ausgeliefert bekommen.

Jana Semper Oberlausitzer Bestattungen

Auch in Apotheken würden Bestatter nicht bedient: "Dort sind wir mit großen Augen angeguckt worden, weil wir nicht systemrelevant seien", erzählt die Bestatterin aus Ebersbach-Neugersdorf. "Dazu kommt, dass die Preise für Desinfektionsmittel explodiert sind."

Bestattung
Den Bestattungsunternehmen in Sachsen fehlt es an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Oberlausitzerin schlägt Alarm

Mundschutz, Handschuhe und Seuchenschutzkleidung sind notwendige Arbeitsmittel für die tägliche Arbeit der Bestatter. Das Coronavirus bedeutet: erschwerte Arbeitsbedingungen und mehr Todesfälle. Deshalb schlägt die Bestatterin aus der Oberlausitz Alarm. Sie möchte die Landesregierung dazu bringen, den Status von Bestattern neu zu bewerten:

Meine Forderung an die Landesregierung ist, dass der Beruf eines Bestatters systemrelevant wird, dass wir schneller an Hygienemittel, wie Schutzanzüge, Masken und Desinfektionsmittel kommen.

Jana Semper Oberlausitzer Bestattungen

Gerade in Krisenzeiten sei das wichtig. Die Arbeitsmittel seien für die Bestatter selbst überlebenswichtig.

Bestattung, Begräbnis, Friedhof
Sachsens Bestater steuern in eine Krise aufgrund von Corona. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Sachsen hinkt hinterher

Das zuständige Sozialministerium kennt das Problem und reagiert auf die Anfrage von MDR SACHSEN kurz und knapp: "Leider lässt sich die Frage nicht auf die Schnelle beantworten." Andere Bundesländer haben schon reagiert. Das benachbarte Brandenburg oder auch Nordrhein-Westfalen haben Bestattungsunternehmen bereits als systemrelevant eingestuft.

Quelle: MDR/lg/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.03.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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