Vierte Auflage Görlitz lädt Selbständige vier Wochen zum Probewohnen ein

Um mehr Einwohner nach Görlitz zu locken, bietet die Stadt zum vierten Mal ein Probewohnen an. Bis Ende Oktober können sich Interessierte dafür bewerben. Mehr als 60 haben das schon getan. Das Probewohnen ist ein Projekt der Stadt und städtischen Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen Görlitz sowie des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) mit seinem Interdisziplinären Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) in Görlitz. Das Zentrum begleitet das Vorhaben. MDR SACHSEN sprach mit Heike Hensel vom IÖR.

Altstadt Görlitz
Bildrechte: IMAGO

Seit 2008 gibt es das Probewohnen in Görlitz. Das aktuelle Projekt heißt jedoch "Stadt auf Probe". Was ist dieses Mal anders?
Die frühere Projekte haben sich auf das Wohnen konzentriert. Da konnten die Teilnehmer eine Woche zur Probe wohnen. Jetzt wurde der Zeitraum von einer Woche auf vier Wochen ausgeweitet. Und zum Probewohnen kommt das Probearbeiten hinzu. Wir stellen nicht nur drei Probewohnungen zur Verfügung, sondern auch drei verschiedene Arbeitsräume.

Porträtbild einer Frau um die 40 mit braunen Haaren und Brille.
Heike Hensel vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung begleitet das Görlitzer Projekt. Bildrechte: IÖR

Wer wird mit dem neuen Konzept angesprochen?
Wir sprechen hauptsächlich Menschen an, die standortunabhängig arbeiten können. Es hat sich in den vergangenen Staffeln gezeigt, dass viele gern nach Görlitz ziehen  würden, wenn sie hier eine Arbeit bekommen würden. Aber wir können natürlich keine Arbeitsstellen backen. Deswegen richtet sich das Projekt an Menschen, die ihre Arbeit mitbringen können. Hauptsächlich sind das Selbständige oder Freischaffende zum Beispiel aus dem Kultur- oder IT-Bereich.

Wie setzten sich die Teilnehmer beim früheren Probewohnen zusammen?
Bei der dritten Staffel gab es mehr als 300 Bewerbungen. Am Ende haben 115 Haushalte mit 227 Personen zur Probe gewohnt. Knapp die Hälfte waren 60 Jahre und älter. Sie waren flexibel und konnten sich eine Woche Probewohnen gut einrichten.

Gab es denn Teilnehmer, die nach dem Probewohnen umgezogen sind?
Wir wissen, dass einige Haushalte tatsächlich nach Görlitz gezogen sind. Allerdings sind die Teilnehmer nicht verpflichtet, uns das mitzuteilen. Wir wissen durch die KommWohnen, dass es aus der letzten Staffel mindestens zehn, zwölf Haushalte waren.

Die Bewerbungsfrist endet am 31. Oktober. Wie geht es dann weiter?
Die Kollegen werden die Bewerbungen sichten und anhand bestimmter Kriterien die Teilnehmer auswählen. Wir müssen auch gucken, wie wir die Wohn- und Arbeitsräume belegen. Insofern wird es eine Auswahl geben. Zur Probe gewohnt und gearbeitet wird von Januar 2019 bis Juni 2020.

Werbepostkarte in schwarz-weiß mit einem tristen Hinterhofhaus. Die Karte wirbt für ein Probewohnprojekt in der Stadt Görlitz.
Mit dieser Postkarte wirbt das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung für das aktuelle Probewohnen in Görlitz. Bildrechte: IÖR

Was passiert nach dem Probewohnen und –arbeiten?
Die Probewohner und –arbeiter werden während des Projekts mehrmals befragt, was ihnen in Görlitz gefällt und was ihnen fehlt. Es wird eine Begleitstudie geben, damit die Stadt erfahren kann, welche Faktoren wichtig sind, um Menschen in die Stadt zu holen. Die Fragebögen werden vom IZS bis Ende 2020 wissenschaftlich ausgewertet. Und daraus lassen sich dann Handlungsempfehlungen für Görlitz, aber auch für andere ähnliche Städte in Randlage  ableiten.

Was haben diesbezüglich die anderen drei Staffeln gebracht?
Die Teilnehmer hatten sich den Aspekt mit dem Arbeiten gewünscht und einen längeren Zeitraum beim Probewohnen, um das wirkliche Leben in der Stadt besser beurteilen zu können. Das haben wir jetzt berücksichtigt. Die Stadtentwicklung hat einiges für das Wohnen in der Altstadt mitgenommen wie zum Beispiel den Wunsch nach mehr Parkplätzen in Wohnungsnähe, nach mehr Grün in den Innenhöfen oder nach Fahrstühlen in mehrgeschossigen Häusern.

Gibt es weitere Städte in Sachsen, die so ein Probewohnen anbieten?
In Sachsen ist mir nichts bekannt. Es gibt einige Städte, die haben das Modell aufgegriffen, teilweise unter dem gleichen Namen. Die Stadt Eberswalde macht gerade so eine Aktion für Rückkehrer.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.09.2018 | 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2018, 09:47 Uhr

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3 Kommentare

23.10.2018 09:56 Lutz 3

Ich habe als Selbständiger in Görlitz gelebt , bin aber auf Grund schlechter Auftragslage nach Bayern gegangen , die Wohnqualität ist hervorragend und alles andere stimmt auch. Bevor man an Stadtentwicklung denkt sollte man aus meiner Sicht erst die Wirtschaftsentwicklung in Angriff nehmen , sonst stimmt etwas mit der Wertschöpfungskette nicht.Ohne Geld keine Miete.....

22.10.2018 11:37 Oliver Wolf 2

Das Probewohnen ist ja schön und gut, nur was ist mit einem der wichtigsten Aspekte: die ärztliche Versorgung. Sicher als Selbsständiger ist man teils privat krankenversichert und hat weniger Probleme einen Arzt-/Facharzt zu finden. Nur was ist mit dem Ehepartner/Lebenspartner oder den Kindern. Wer im Landkreis Görlitz wohnt und nicht privat Versichert ist, kann ein Klagelied darüber singen.

21.10.2018 17:53 Zeitgeist 1

Das Probewohnen kostenlos kann ich mir in dieser Stadt gut vorstellen. Nur habe ich dann als " Noch- Selbständiger" meine Zweifel ob ich hier in dieser Stadt auch mal etwas Arbeit / einen Auftrag bekomme. Da ist ja schon seit über 24 Jahren Fehlanzeige !

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