03.06.2020 | 15:00 Uhr Görlitzer Forscher belegen: Invasive Nacktschnecke verdrängt einheimische Schnecken

Die Spanische Wegschnecke verpaart sich bald nach ihrem Eintreffen mit einheimischen Schneckenarten und könnte so von den Genen gut angepasster Schnecken vor Ort profitieren. Das haben Forscher jetzt in einer Langzeitstudie in und um Görlitz festgestellt.

Die Rote Wegschnecke war früher die häufigste Schneckenart in und um Görlitz. Jetzt wird sie von der Spanischen Wegschnecke verdrängt.
Die Rote Wegschnecke war früher die häufigste Schneckenart in und um Görlitz. Jetzt wird sie von der Spanischen Wegschnecke verdrängt. Bildrechte: Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Forscher am Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz haben herausgefunden, dass die Spanische Wegschnecke einheimische Schneckenarten in und um Görlitz verdrängt. In einer Langzeituntersuchung stellten sie fest, dass sich die Spanische Wegschnecke kurz nach ihrem Eintreffen mit heimischen Arten paart. Diese Verpaarungen führten längerfristig zum Aussterben der heimischen Nacktschnecken und zu einer Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke. Das beschreiben die Forscher jetzt im Fachmagazin "Folia Malacologica".

In bestimmten Regionen Europas habe die rasante Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke bereits zum Verschwinden der ähnlich aussehenden Roten Wegschnecke geführt – so auch in der Region um Görlitz. "Vielleicht ist die Spanische Wegschnecke gerade deshalb so erfolgreich, weil sie auf ihrer Expansionsroute immer wieder Genversionen von lokal gut angepassten Populationen aufnimmt", vermutet Heike Reise vom Senckenberg Museum.

Erfolgreiche Verdrängung durch Mischpaarungen

Die invasive Spanische Wegschnecke mit Mischformen.
Die invasive Spanische Wegschnecke mit Mischformen. Bildrechte: Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Die Forscher hatten für ihre Studie 3.500 Nacktschnecken in und um Görlitz gesammelt. Die Untersuchung der Schnecken zeigte, dass schon kurz nach Eintreffen der Spanischen Wegschnecke unter den gesammelten Tieren Nachkommen aus Mischverpaarungen auftauchten. Diese Hybriden verschwänden zwar später wieder – mit ihnen aber auch die einheimische Schneckenart. Übrig bleibe eine starke Population der invasiven Spanischen Wegschnecke.

Die Forscher untersuchten dabei auch die heimische "Elternart" genauer. "Unsere Studie ergab, dass es in und um Görlitz drei verschiedene Formen gibt, die durch morphologische und genetische Merkmale charakterisiert sind", erläutert Heike Reise. Eine Schneckenform sei auf eine in Mittel- und Westeuropa verbreitete Unterart zurückzuführen, eine weitere auf eine, die aus Großbritannien bekannt sei. "Die dritte Form ist die in Nordeuropa heimische Schwarze Wegschnecke, deren Vorkommen so weit im Süden allerdings noch unbekannt war", sagt Heise.

Die Spanische Wegschnecke "Arion vulgaris" gilt als wirtschaftlich bedeutsamer Schädling in der Landwirtschaft. Die etwa 10 Zentimeter lange Nacktschnecke kommt ursprünglich aus Südwest-Europa. "Sicher ist, dass sich die Schnecke seit etwa Mitte des vorigen Jahrhunderts weit in Europa ausgebreitet hat. Mittlerweile gibt es Vorkommen bis Skandinavien und Osteuropa - und sogar in Nordamerika wurde sie kürzlich gefunden", erklärt Heike Reise vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz.

Die Schwarze Wegschnecke konnte bislang der Invasion trotzen. Doch auch sie ist bedroht.
Die Schwarze Wegschnecke konnte bislang der Invasion trotzen. Doch auch sie ist bedroht. Bildrechte: Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Die ersten beiden Schneckenformen verschwanden mit Ausbreitung der Spanischen Wegschnecke aus Görlitz. Die Schwarze Wegschnecke habe sich aber bislang halten können. Diese Schneckenart lebt überwiegend in naturnahen Wäldern. Über abgeladene Abfälle dringe die Spanische Wegschnecke mittlerweile aber auch in diesen Lebensraum ein, erklärt Heike Reise. Längerfristig könne das zum Aussterben der Schwarzen Wegschnecke führen.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.05.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen