Ein Stethoskop, ein Smartphone, eine Spritze und Medikamente liegen auf einer Computertastatur.
Bildrechte: imago/Christian Ohde

19.06.2019 | 06:42 Uhr Sprechstunde per Webcam: Telemedizin hilft psychisch kranken Kindern und Jugendlichen in Weißwasser

Ein Stethoskop, ein Smartphone, eine Spritze und Medikamente liegen auf einer Computertastatur.
Bildrechte: imago/Christian Ohde

In der sächsischen Kinder- und Jugendpsychiatrie werden junge Patienten erstmals via Telemedizin betreut. Dazu hat der niedergelassene Facharzt Reinhard Martens aus Pirna in Weißwasser eine ambulante Zweigpraxis eröffnet. Am Mittwoch wurde das Projekt im Beisein von Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) vorgestellt. "Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie mit Sitz in Berlin sieht darin eine gute Ergänzung zu anderen Angeboten. Der Facharztmangel werde so mit einem neuen und anspruchsvollen Betreuungskonzept ausgeglichen", erklärte Simona Hartmann, Leiterin des dafür zuständigen Projektes von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung.

Zu wenig Psychiater in der Region Weißwasser

Laut Gesundheitsministerium ist die Region Weißwasser auf diesem Gebiet deutlich unterversorgt. Für Termine beim ambulanten Kinder- und Jugendpsychiater hätten Patienten bisher sehr weite Wege in Kauf nehmen müssen. Das ändere sich nun. Klepsch zufolge können Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen hier nun in hoher Qualität ambulant versorgt werden.

Telemedizin wird kein Ausgleich zum Fachkräftemangel. Das ist auch gar nicht das Ziel. Wir gehen davon aus, dass Telemedizin ergänzend wirken wird. Sie wird dem Arzt Entlastung bringen und Wege zwischen Arzt und Patient verkürzen.

Barbara Klepsch Gesundheitsministerin Sachsen

Über den Bildschirm mit Patienten verbunden

Bei dem Vorhaben arbeitet Martens in Videokonferenzen mit Therapeuten in Weißwasser zusammen und delegiert fachärztliche Leistungen auf sie. Auch mit den Patienten ist er per Bildschirm verbunden, wobei der erste Kontakt stets persönlich erfolgt. Durch die Kooperation mit den Therapeuten soll der Arzt entlastet werden, um zusätzliche Patienten in der Zweigpraxis zu behandeln. Die Therapeuten sorgen für die Betreuung vor Ort. Das Team besteht aus Leuten mit medizinischen, therapeutischen oder sozialwissenschaftlichen Abschlüssen. "Die Therapeuten bereiten das Arztgespräch unter Einsatz von Fragebogentests vor, erklären den Patienten und Eltern die Behandlungsschritte oder betreuen sie direkt im familiären und sozialen Umfeld", hieß es bei der Präsentation des Projektes. Die Behandlung selbst obliege weiterhin dem Facharzt, da er die Therapie parallel verfolge und sich jederzeit einschalten könne. Ein weiterer Vorteil: Der Patient muss keine langen Wege zum Facharzt zurücklegen.

Wir wurden immer wieder auf den Versorgungsnotstand hingewiesen. Wir möchten dort vor Ort sein, wo die Kinder- und Jugendlichen sowie die Familien uns brauchen.

Reinhard Martens Facharzt

Quelle: MDR/cnj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.06.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

20.06.2019 00:05 Kirchenmitglied 1

Telemedizin ist nur etwas für die leichten Fälle. Bei Menschen mit besonders harten Depressionen, mit bedrohlichen Anfallsleiden oder mit Schizophrenie dürften die Damen und Herren Psychiater/Psychologen weiterhin nicht drumherum kommen, eine Behandlung von Angesicht zu Angesicht in einer Klinik vorzunehmen. Deshalb warne ich vor einer Euphorie bezüglich der Telemedizin nicht nur bei den Patienten, sondern auch in den Kreisen der Therapeuten.

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch. Bildrechte: MDR/Enrico Chodor, honorarfrei
Noch bis Mitte Juli untersuchen zwei Archäologen und sechs Arbeiter des Landesamts für Archäologie das Bauland am Groß Dübener Weg in Schleife.
Noch bis Mitte Juli untersuchen zwei Archäologen und sechs Arbeiter des Landesamts für Archäologie das Bauland am Groß Dübener Weg in Schleife. Bildrechte: Landesamt für Archäologie Sachsen
Es habe Mut erfordert, die Idee voranzubringen: jetzt aber da der Coworking Space Realität wird und erste Nutzer einziehen, zeigt sich Initiator Sylvio Pfeiffer-Prauß erleichtert.
Es habe Mut erfordert, die Idee voranzubringen: jetzt aber da der Coworking Space Realität wird und erste Nutzer einziehen, zeigt sich Initiator Sylvio Pfeiffer-Prauß erleichtert. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Mehr aus Sachsen