11.02.2020 | 14:39 Uhr Geplantes Naturschutzkonzept am Bärwalder See sorgt für Unmut

Am Bärwalder See ist ein Streit entbrannt. Die Gemeinde Boxberg lehnt ein Naturschutzkonzept der Landesdirektion ab, die inmitten des Sees eine Naturschutzzone einrichten möchte. Von dem Vorhaben wurde nicht nur die Gemeinde überrascht, sondern auch Anlieger und touristischen Anbieter. Denn in den bisher beschlossenen Planungen gibt es dieses Schutzgebiet nicht.

von Uwe Walter

Bärwalder See mit Kraftwerk und dem Strand von Boxberg am Horizont
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

"Freie Fahrt für freie Segler", die wird es möglicherweise am Bärwalder See bald nicht mehr geben, wenn die Pläne der Landesdirektion Sachsen umgesetzt werden. Die Behörde möchte inmitten des ehemaligen Tagebaus eine "zentrale Zone für den Naturschutz" einrichten. In Zusammenhang mit der Genehmigung zur Schiffbarkeit des Bärwalder Sees wurde die Gemeinde Boxberg von den Plänen der Landesdirektion überrascht. Am Montag befasste sich der Gemeinderat mit dem Problem.

Damit würden alle Planungen der vergangenen Jahre ad absurdum geführt. Zudem steht dieses Schutzgebiet nicht im Braunkohlenplan. Diese Art von Naturschutz behindert alle touristischen Vorhaben am Bärwalder See.

Roman Krautz Projektkoordinator am Bärwalder See

Der Gemeinderat beschloss am Montag einstimmig eine Stellungnahme und äußerte darin seine Bedenken zum Entwurf der sogenannten "Allgemeinverfügung der Landesdirektion Sachsen zur Fertigstellung von Gewässerstrecken des Bärwalder Sees". Die Gemeinderäte bitten nunmehr die Landesdirektion um eine offene und zeitnahe Aussprache und werden dabei u.a. vom Tourismusverband Lausitzer Seenland unterstützt. Zudem, so die Gemeinderäte, sollten künftige Nutzungsmöglichkeiten, zum Beispiel Starts und Landungen von Wasserflugzeugen, das Surfen und Kitesurfen oder die Fischerei sowie der Angelsport in der Allgemeinverfügung zur Schiffbarkeit festgeschrieben werden.

Kontra von der Gemeinde

Die Gemeinde Boxberg lehnt die Naturschutzpläne der Landesdirektion Sachsen ab.

Ein Boot auf dem Bärwalder See vor einem Leuchtturm
Das Segeln auf dem Bärwalder See könnte durch eine zentrale Schutzzone auf dem See stark beeinträchtigt werden. Bildrechte: MDR/Katrin Funke

Wir beantragen die vollständige Befreiung der Ausweisung der zentralen Schutzzone in der Seemitte. Wir verweisen auf den bestehenden Nutzungsvertrag mit der LMBV. Auch darin kommt eine solche Schutzzone nicht vor.

Roman Krautz Projektkoordinator am Bärwalder See

Die Gemeinde Boxberg benötigt die Schiffbarkeitserklärung dringend, um endlich Planungssicherheit am See zu haben. "Der Bärwalder See ist eines der wenigen Gewässer im Freistaat Sachsen, die keinen ausgewiesenen Naturschutzstatus ausweisen", erklärt Roman Krautz als Projektkoordinator der Gemeinde Boxberg.
Dabei geht es letzten Endes auch um viel Geld für das klamme Boxberg. Die nutzbaren Bereiche am See werden mithilfe von Tonnen gekennzeichnet. Bis Ende nächsten Jahres übernimmt der Freistaat dafür die Kosten. Zieht sich der Streit um den Naturschutz und damit um die künftige Nutzung des Sees weiter hin, muss die Gemeinde für die Sicherung und sogenannte Austonnung des ehemaligen Braunkohletagebaus selbst aufkommen.

Landesdirektion in der Kritik

Der Tourismusverband Lausitzer Seenland hält die ausgewiesene Sperrfläche für überzogen. "Diese Sperrfläche widerspricht den Zielen der touristischen Nutzung des Bärwalder Sees. Sie stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die vorgesehene  tourismus­wirtschaftliche Gesamtentwicklung dar", schreibt Geschäftsführerin Kathrin Winkler in einer Stellungnahme. Gleichzeitig bekennt sie sich zum Naturschutz: Der Tourismusverband spreche sich für zeitliche Beschränkungen im Bootsverkehr aus, zugunsten der Zugvögel.

Kritik kommt auch von den Wassersportlern. Gegen die "zentrale Zone für Naturschutz" im Bärwalder See sprechen sich unter anderem der Segler-Verband Sachsen, der Lausitzer Segel-Club  Bärwalder See e. V. sowie die Segel-Schule "Dreiländer-Eck" aus.

Kitesurfer
Kitesurfer hart am Wind Bildrechte: colourbox.com

Es ist nicht die erste Entscheidung der der Landesdirektion Sachsen, die in der Oberlausitz für Diskussionen sorgt. So erteilte die Behörde im Dezember 2017 nach monatelanger Prüfung die Genehmigung für das Kitesurfen am Bärwalder See. Dumm gelaufen für die Wassersportler, denn dort war die Saison bereits seit einigen Wochen vorbei.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 14:40 Uhr

2 Kommentare

altrocker vor 6 Wochen

da haben einige politiker und landesbeamte wieder mal einen intelligenzschiss los gelassen. besser wäre es man sucht sich ein gewässer aus lässt da ein richtiges biotop entstehen ohne tourismus.

Ulf vor 6 Wochen

Damit man sich als Leser ein Bild von der Problematik machen kann, müsste im Artikel aufgeführt werden, welche Argumente die Landesdirektion bewogen haben eine "zentrale Zone für den Naturschutz" ausweisen zu wollen. Wenn man nun dort z.B. seltene Tiere entdeckt hat, so sollte dies auch im Artikel erwähnt werden. Generell kann man sagen, dass die Interessenkonflikte immer mehr zunehmen und dass es dabei besonders wichtig ist, sehr sensibel zu sein. In Sachen Tourismus und Naturschutz lassen sich häufig auch gute Kompromisse schließen, wie andere Touristenregionen es beweisen.

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