Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Bildrechte: MDR/Enrico Chodor, honorarfrei

15.07.2019 | 15:20 Uhr Freundin erstochen: 33-Jähriger muss wegen Totschlags in die Psychiatrie

Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Bildrechte: MDR/Enrico Chodor, honorarfrei

Für den gewaltsamen Tod seiner Freundin muss ein 33-Jähriger nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Görlitz erkannte am Montag auf Totschlag und ordnete im Zuge des Sicherungsverfahrens die Unterbringung in der Psychiatrie für unbestimmte Zeit an. Der gebürtige Bautzener soll die 30-Jährige Anfang November 2018 mit mindestens 15 Messerstichen in Hals und Kopf getötet haben, als sie badete. Danach habe er versucht sich umzubringen. Der Mann konnte reanimiert werden, die zweifache Mutter verblutete.

Angeklagter kann sich nicht an Tat erinnern

Nach Überzeugung des Gerichts ist der Mann schuldunfähig, weil er die Tat unter einer akuten Psychose beging. Das Gericht folgte der Einschätzung der Gutachterin und den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Unklar sei, ob es Streit oder eine andere Konfrontation gegeben habe, sagte der Richter. "Das Tatgeschehen bleibt im Dunkeln, deshalb gehen wir nicht von Mord aus." Es gebe auch keine Anhaltspunkte für Heimtücke.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte könne sich an das Geschehen nicht erinnern, sagte seine Verteidigerin. Sie sprach von einem "dunklen Loch" und plädierte für Therapie. Die Staatsanwaltschaft ging von einem Zustand paranoider Schizophrenie aus und sieht die Gefahr weiterer schwerer Straftaten. Der alkohol- und drogensüchtige Mann ohne Ausbildung hatte schon Wochen vor der Tat versucht, sich umzubringen.

Quelle: MDR/dpa/ms

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.07.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen