Tarifverhandlungen Sumitomo-Beschäftigte in Zittau fordern bessere Arbeitsbedingungen

Lange galt die Oberlausitz als Niedriglohnregion. Viele Jahre hat das auch funktioniert. Doch inzwischen wehren sich die Mitarbeiter in immer mehr Betrieben gegen die Niedriglohnpolitik.

Betriebsgebäude in einem Gewerbegebiet
Bildrechte: IG Metall Bautzen

Ob beim Batteriehersteller Accumotive in Kamenz, bei Maja-Möbel in Wittichenau, dem Schuhproduzenten Birkenstock in Görlitz und dem Felgenproduzenten Borbet in Kodersdorf - in allen vier Unternehmen bemühen sich zurzeit Beschäftigte um bessere Arbeitsbedingungen. Denn der Wind in vielen hiesigen Betrieben dreht sich. In immer mehr Oberlausitzer Unternehmen wollen die Belegschaften mitreden, gründen Betriebsräte und fordern bessere Löhne.

Aufgeheizte Stimmung beim Automobilzulieferer

Sumitomo Zittau
Uwe Garbe von der IG Metall betreut den Betrieb in Oberseifersdorf. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

"Aktuell haben wir einige Unternehmen, bei denen wir in Betriebsratswahlen stecken oder die gerade einen gewählt haben wie Borbet und der Airbus-Zulieferer CCI, Birkenstock in Görlitz oder Krause Metall in Herrnhut", zählt Uwe Garbe von der IG-Metall Ostsachsen auf. In anderen Betrieben wie dem Kamenzer Batteriewerk Accumotive, das zum Autokonzern Daimler gehört und Maja-Möbel, die unter anderem  für Ikea Möbel herstellen, laufen zurzeit Tarifverhandlungen. Mit Löhnen knapp über dem Mindestlohn geben sich viele Beschäftigte in der Oberlausitz nicht mehr zufrieden.
Auch bei Sumitomo im Gewerbegebiet Oberseifersdorf bei Zittau nicht mehr, wo etwa 110 Mitarbeiter Zahnräder und Getriebeteile für die Automobilindustrie herstellen. Vor drei Wochen war die Stimmung im Betrieb so aufgeheizt, dass spontan 13 Mitarbeiter zur Geschäftsführung gegangen sind und bessere Arbeitsbedingungen gefordert haben, erzählt Betriebsratsvorsitzender Marcel Zieschang: "Die Kollegen schreien sich manchmal während der Arbeit an, weil sie so frustriert sind."

Man merkt, dass seit Jahren in der Oberlausitz ein Stimmungswechsel stattfindet. Die Beschäftigten in den Betrieben sind selbstbewusster geworden, lassen sich nicht mehr alles gefallen und wissen, dass sich die Arbeitsmarktsituation in der Region verändert hat und dass gute Leute inzwischen überall gesucht werden.

Uwe Garbe IG Metall Ostsachsen

Belegschaft hat erste kleine Erfolge erreicht

Sumitomo Zittau
Ist seit drei Jahren Vorsitzender des Betriebsrates bei Sumitomo: Marcel Zieschang. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Es sei nicht nur der niedrige Verdienst, der seine Kollegen mürbe mache, sagt Marcel Zieschang. Auch das Schichtmodell und die geringe Wertschätzung der Mitarbeiter durch die Betriebsleitung spielten eine wichtige Rolle. Zwei kleine Erfolge haben die Beschäftigten nach Protesten bereits erreicht. Seit diesem Monat bekommen die Sumitomo-Mitarbeiter 35 Cent mehr pro Stunde. Außerdem schafft die Geschäftsführung in Oberseifersdorf die rollende Woche ab und produziert künftig dreischichtig. Für die Mitarbeiter heißt das, dass sie nur noch fünf statt sieben Tage pro Woche arbeiten. "Das bedeutet endlich mehr Freizeit für die Kollegen", erklärt der Betriebsratschef.
Doch die Mitarbeiter fordern mehr. Höhere Schichtzuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit, zwei bis vier Urlaubstage mehr pro Jahr – bisher sind es 22 Tage – und eine angemessene Wertschätzung für die geleistete Arbeit im Jahr, stehen noch auf der Forderungsliste. "Jetzt bekommen wir zum Abschluss des Geschäftsjahres jeder einen 40-Euro-Einkaufs-Gutschein", sagt Marcel Zieschang mit höhnischem Unterton.

Gewerkschaft strebt Haustarifvertrag an

Obwohl die Forderungen der Belegschaft eher gering sind, tut sich das japanische Unternehmen schwer, darüber zu verhandeln, sagt der Gewerkschaftsmann. Uwe Garbe kann das nicht verstehen: "In den anderen deutschen Sumitomo-Werken gibt es ordentliche Tarifverträge für die Beschäftigten." Einen Haustarifvertrag streben die IG Metall und der Betriebsrat auch für Sumitomo in Oberseifersdorf an. Das Unternehmen wollte sich auf MDR-Anfrage nicht dazu äußern.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 19.03.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 17:40 Uhr

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1 Kommentar

19.03.2019 12:13 Max W. 1

(In immer mehr Oberlausitzer Unternehmen wollen die Belegschaften mitreden, gründen Betriebsräte und fordern bessere Löhne.)

29 - NEUNUNDZWANZIG - Jahre nach der Wende! Es wird allerhöchste Zeit, dass sich die Forschung mit den Gründen für das unterwürfige Stillhalten in einer eigentlich glasklaren und historisch geklärten Angelegenheit beschäftigt.

Auf genau DIESEN sozialpsychologischen und damit politischen Gründen nämlich fusst das Konzept der Agenda2010 und genau diese Gründe sind die zwingende Voraussetzung der neoliberalen Ausplünderungspolitik, die "unsere Politiker" seit Ende der 90er in Deutschland betreiben. Auch die DGB-Barone haben dabei ohne Aufmucken mitgespielt. Gut, dass die IG Metall im "Osten" anders aufgestellt ist.

Man bedenke noch einmal genau, was den Bürgern, dem Land und, ja eben, den "Arbeitgebern" das eingebracht hat. Und welche und wessen Rolle dabei die "Volksparteien" gespielt haben.

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