05.06.2020 | 14:44 Uhr Das "Rollende Klassenzimmer" im Dreiländereck kommt

Lange stand das Volkshochschulmobil auf der Kippe. Jetzt hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Glöckner für das deutschlandweit einzigartige Projekt der Volkshochschule Dreiländereck eine kräftige Finanzspritze zugesagt.

Erwachsenenbildung an der Volkshochschule, 2012
Seminarteilnehmer der Volkshochschule Dreiländereck brauchen für die Kurse bald nicht mehr weite Wege auf sich nehmen. Die Dozenten kommen im Volkshochschulmobil zu ihnen. Bildrechte: IMAGO

An der Volkshochschule Dreiländereck soll es demnächst einen mobilen Unterrichtsraum geben. Ein Jahr lang haben die Initiatoren dafür gekämpft. Jetzt hat das mit dem sächsischen Innovationspreis ausgezeichnete Projekt die wichtigste Hürde genommen, freut sich Peter Hesse, Geschäftsführer der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (KuWeit) Löbau-Zittau mbH. Denn ein Großteil der Finanzierung für das Vorhaben steht nun.

"Die Leute kommen erfahrungsgemäß nicht alle in die Standorte der Volkshochschule", stellt Hesse fest. Der öffentliche Nahverkehr ende meist, wenn die Leute nach der Arbeit zu Hause sind. Außerdem werden die Kursteilnehmer tendenziell immer älter, was das Fahren schwieriger macht, sagt Projektleiter Rene Seidel, der das Konzept für ein "fahrendes Klassenzimmer" mit Volkshochschul-Kollegen entwickelt hat.

Konzept ohne Blaupause

Vorbilder des deutschlandweit bisher einmaligen Projekts sind das Bibliotheksmobil, das Sparkassenmobil und das Musikschulmobil, die bereits im Landkreis Görlitz unterwegs sind. In dem Kastenwagen werden ein Tisch und eine Sitzgruppe für acht Leute installiert. Aber auch ein Beamer, Flip-Chart, ein Klassensatz Tablets sowie Smartphones und natürlich WLAN werden an Bord sein. Damit können alle Kurse der Volkshochschule in jedem beliebigen Ort angeboten werden.

Sobald der offizielle Fördermittelbescheid ins Haus flattert, will die Volkshochschule das Projekt ausschreiben, ein Fahrzeug bestellen und parallel den Kurs- und Touren-Plan ausarbeiten. Dabei hofft Projektleiter Rene Seidel auch auf Zuschriften und Mails mit Ideen: "Vielleicht finden sich ein oder zwei Orte, die sagen, wir haben hier eine Gruppe von mindestens vier Leuten, die sich für das gleiche Thema interessieren. Kann die Volkshochschule dazu was machen? Dann würden wir schauen, dass wir einen Dozenten finden, der dann in diesen Ort hinfährt."

Im Fokus stehen laut Seidel Berufstätige, die nach der Arbeit keine Lust haben, sich nochmal ins Auto zu setzen ebenso wie Schulen, die Projekttage gestalten wollen. Aber auch Kindergärten und Senioren, die nicht mehr mobil sind, gehören zur Zielgruppe.

Volkshochschule will Eigenanteil trotz Corona stemmen

Rund 180.000 Euro werden für das Projekt der mobilen Volkshochschule in den kommenden zwei Jahren für das Fahrzeug, Personal und weitere Kosten veranschlagt. Davon muss die Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft Löbau-Zittau mbH rund 40.000 Euro stemmen. Nach Corona-bedingter Zwangspause ohne Kurse und Veranstaltungen fehlen der Volkshochschule die Einnahmen. KuWeit-Geschäftsführer Hesse muss deshalb mit spitzem Bleistift rechnen. Am "Rollenden Klassenzimmer" will er aber auf jeden Fall festhalten.

Jetzt kurz vorm Ziel, nachdem wir diese lange Durststrecke bestanden haben, auch noch prämiert worden sind, zu sagen, geht gerade nicht , wäre der allerschlechteste Weg, den man überhaupt beschreiten kann. Das habe ich nicht vor.

Peter Hesse Geschäftsführer der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (KuWeit) Löbau-Zittau mbH

Läuft alles nach Plan rollt die mobile Volkshochschule noch in diesem Jahr zumindest im Probebetrieb. Im Frühjahrssemester 2021 soll es dann regulär losgehen.

Quelle: MDR/bd/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.06.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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