Weinlese
Hobbywinzer Peter Henschel bei der Lese auf dem östlichsten Weinberg von Deutschland. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Rarität aus St. Marienthal in Ostritz Weinlese im östlichsten Weinberg Sachsens

Der Klosterberg des Frauenklosters von St. Marienthal ist Deutschlands östlichster Weinberg. Hier wurden am Sonnabend die reifen Trauben gelesen. Allerdings nicht von Nonnen.

Weinlese
Hobbywinzer Peter Henschel bei der Lese auf dem östlichsten Weinberg von Deutschland. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Der Herbstwind lässt Wolkenschatten und Sonnenlicht über das prächtige Klosteranwesen von St. Marienthal in Ostritz wandern. Ein paar Fahrradtouristen halten und lassen die Idylle auf sich wirken. Im Klosterhof wird unterdessen gearbeitet: Ein Mann schaufelt bergeweise Trauben in den Metalltrichter der Entrappmaschine - unten purzeln lose Beeren und die Strünke heraus. Die Beeren übernimmt der Nächste, der die Hydraulikpresse bedient. Dann geht es weiter zum Filtern. Es braucht keine großen Worte, jeder kennt seine Aufgabe und jeder packt an. Einige Meter höher knipsen seit 9 Uhr Frauen und Männer die reifen Trauben von den Rebstöcken. Es ist Weinlese auf Deutschlands östlichstem Weinberg.

Familien machten Hang wieder urbar

Zehn Familien aus der Umgebung bewirtschaften einen Viertel Hektar des Klosterberges St. Marienthal in Ostritz und haben hier vor allem die winterharten Rebsorten Saphira und Sirius angebaut.

Weinlese
Angebaut sind hier die Rebsorten Saphira und Sirius. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die jährliche Lese findet diesmal eher statt. Dass die Trauben schneller gereift sind, sei dem heißen Sommer geschuldet, erklärt Steffen Brendler, Chef der Ostritzer Winzergemeinschaft. Normalerweise hätte man erst im Oktober mit der Ernte begonnen.

Wir machen das jetzt seit mehr als 30 Jahren, erzählt der 55-Jährige. 1986 entschieden sich die Familien, den alten Weinberg vom Kloster neu zu kultivieren. Der war nach einem Reblausbefall Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben worden und diente nur noch als Viehweide. "Wir haben die Terrassen wieder angelegt - mit Pflug und Pferd", so der Marienthaler.

Keine Lust mehr auf Obstwein allein

Die Idee, wieder Wein anzubauen, entspann sich übrigens im Schrebergarten, wie Peter Henschel sich erinnert. "Wir haben uns dort immer im Oktober zum Obstweinverkosten getroffen", erzählt er. Erfahrung im Weinbau hatte niemand. Die Familien eigneten sich das Winzerwissen nach und nach sozusagen am laufenden Projekt an. Nebenher wurde technisch mit Entrappmaschine, Netzen, Hydraulikpresse und Pumpen aufgerüstet. Der Rebensaft gärt in mächtigen 200-Liter-Tonfässern im historischen Klosterkeller.

Weinlese
In diesem Jahr wurden die Trauben deutlich eher reif. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt


Der selbsthergestellte Wein sei mit wachsender Erfahrung passabel geworden. "Von nicht trinkbar in der ersten Zeit bis zu einem Wein, von dem selbst die Experten sagen, dass wir uns nicht zu verstecken brauchen", sagt Brendler und Stolz schwingt in seiner Stimme. Durchschnittlich 500 Liter keltern die Hobbywinzer pro Jahr. Wegen der geringen Menge wird man den Ostritzer Wein nicht im Laden finden. Zwei Gelegenheiten gibt es, den Tropfen dennoch zu probieren: Mitte Oktober öffnen die Winzerfamilien ihren Weinkeller zum Obst- und Winzerfest im Kloster St. Marienthal. Eine weitere Verkostung findet dort traditionell zu Ostern statt.

Anpacken am Klosterberg

Eigenen Wein herzustellen, bedeutet viel Arbeit. Ostritzer Familien bewirtschaften seit mehr als 30 Jahren den Weinberg in St. Marienthal.

Weinlese
Am Sonnabend wurden die Trauben am Klosterberg gelesen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Weinlese
Am Sonnabend wurden die Trauben am Klosterberg gelesen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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"Hangmeister" Peter Henschel ist mit dem Mostgehalt der Beeren sehr zufrieden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Bäckermeister Jörg Geißler bereitet die Trauben für die Entrappmaschine vor.
Vor dem historischen Weinkeller bereitet Bäckermeister Jörg Geißler die Trauben für die Entrappmaschine vor. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ostritzer Hobbywinzer holen die Beerenschalen aus der Weinpresse.
Nachdem die Entrappmaschine die Beeren von den Stielen getrennt hat, wird der Wein ausgepresst. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Glas Traubensaft von den frisch gelesenen Beeren.
Kostprobe des frisch gepressten Saftes: Er ist fruchtig und sehr süß. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Steffen Brendler steht an den großen Tonfässern im historischen Weinkeller.
Steffen Brendler steht an den großen Tonfässern im historischen Weinkeller. Hier gärt der Wein. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Ein Tonfass mit Gärröhrchen.
Durch das Gärröhrchen am Tonfass kann die Luft wärend des Gärungsprozesses entweichen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Kloster St. Marienthal
Zum Obst- und Winzerfest im Kloster St. Marienthal laden die Ostritzer Hobbywinzer zur Verkostung ein. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.09.2018 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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In einer Hand mit Baumwollhandschuh liegen Münzen.
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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 08:14 Uhr

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