Ausgetrockneter Bachlauf in der Oberlausitz
Bildrechte: MDR / Uwe Walter

Wasserknappheit durch Hitze in der Oberlausitz Wenn Regenwürmer vertrocknen und Bachläufe verdampfen

Die Schwarze Elster bei Tätzschwitz ist komplett ausgetrocknet. Der Schwarze und der Weiße Schöps haben sich in Rinnsale verwandelt. Und bislang kaum beachtet: Auch unter unseren Füßen spielt sich ein Drama ab.

Ausgetrockneter Bachlauf in der Oberlausitz
Bildrechte: MDR / Uwe Walter

In der Oberlausitz spitzt sich die Lage aufgrund der Hitze immer mehr zu. Die Schwarze Elster bei Tätzschwitz ist trocken. So gut wie alle anderen Gewässer, darunter Spree, Neiße und Mandau, führen Niedrigwasser. Deshalb darf man auch kein Wasser mehr abpumpen, um damit zum Beispiel den Garten zu gießen. Es drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro. Die ersten "Wassersünder" werden im Landratsamt Bautzen bereits angehört. Im Landkreis Görlitz sieht es ähnlich aus. Der Schwarze und der Weiße Schöps dümpeln vor sich hin.

Sehr, sehr wenig Wasser! So lange wir hier leben, war der Wasserstand noch nie so niedrig. Zum Gießen? Nee, die Zeiten sind vorbei.

Anwohner Weißer Schöps

Ein Frau in Kodersdorf macht Heu. Bei Hochwasser wird die Wiese vom benachbarten Schöps überflutet. Im Moment geht hier nichts mehr. "Der zweite Heuschnitt in diesem Jahr ist eine Katastrophe", meint die Kodersdorferin. "Das Wasser steht, das können wir nicht mal für die Tiere zum Tränken verwenden!"

Die Tiere leiden über und unter der Erde

Nicht nur die Menschen leiden vielfach unter der Hitze. Auch unter unseren Füßen spielt sich ein Drama ab. Im Boden hat ein Überlebenskampf begonnen. Zu den Verlierern gehören Maulwürfe. Ihre ausgedörrten Körper bleichen auf der Wiese im grellen Sonnenlicht. "Die Maulwürfe finden im trockenen Erdreich kaum noch etwas zu fressen, deshalb tauchen sie an der Oberfläche auf", erklärt Catrin Hammer vom Görlitzer Naturschutztierpark.

Die Maulwürfe kommen nach oben, in der Hoffnung etwas Fressbares zu finden. In der prallen Sonne sterben sie an Erschöpfung, verdursten oder verhungern.

Catrin Hammer Görlitzer Naturschutztierpark

Da mag sich manch Gartenbesitzer die Hände reiben. "Doch freuen sollte das keinen, denn die Maulwürfe vertilgen viele Schädlinge", meint die die Kuratorin des Tierparks. "Täglich bis zur Hälfte ihres Körpergewichts!"

Abtauchen hilft nicht mehr

Auch den Regenwürmern geht es derzeit sehr schlecht ohne Regen. In Sachsen leben derzeit etwa 50 verschiedene Arten von Regenwürmern. Sie haben ganz unterschiedliche Strategien, mit der Trockenheit umzugehen. "Einige Arten verstecken sich unter Steinen, suchen an Baumwurzeln Schutz oder ringeln sich in einer selbstgebauten Höhle zusammen, die sie vorher mit Schleim auskleiden," erklärt Ricarda Lehmitz von Görlitzer Senckenberg Naturkundemuseum. "Andere versuchen, einfach abzutauchen und zwar bis zu zwei Meter tief." Doch auch in der Tiefe finden die nützlichen Tiere keine Feuchtigkeit mehr. Deshalb vertrocknen ohne Regen jetzt auch die Regenwürmer.

Regenwurm in Nahaufnahme
Abtauchen unter der Erde hilft nicht mehr: Regenwürmern fehlt der Regen Bildrechte: Colourbox.de

Die Regenwürmer sterben jetzt nicht komplett aus, aber ihre Zahl wird deutlich reduziert werden. Das ist bitter, denn einige Arten stehen auf der Roten Liste, sind also im Bestand gefährdet.

Ricarda Lehmitz Senckenberg Naturkundemusem Görlitz

Das gesamte Ökosystem unter unseren Füßen leidet unter der Hitze. Fadenwürmer, Milben, Springschwänze und Asseln reduzieren ihre Aktivitäten auf ein Minimum oder gehen kaputt. Die Folgen können Kleingärtner an ihrem Komposthaufen beobachten. Er verändert sich kaum noch. Der biologische Umbau ist gestoppt. Zersetzungsprozesse finden nicht mehr statt.

Skeptische Blicke vom Nachbarn

Nicht nur dem Garten kann eine Gießkanne helfen, auch Maulwurf, Regenwurm & Co. Die Biologin gießt regelmäßig ihren Komposthaufen, auch wenn sie dafür vom Nachbar skeptische Blicke erntete: "Die verrückten Grünen wieder!" Nachdem sie ihren Nachbarn aufgeklärt hatte, gießt auch der nicht nur seine Beete und Blumen, sondern auch den Kompost. Auch dessen Nachbar staunte: Ein bisschen Wasser schafft "Wohlfühlatmosphäre" im Haufen für Regenwurm & Co. Da Regenwürmer von den Maulwürfen als Leckerbissen geschätzt werden, können auch benachbarte Maulwürfe überleben. "Da sollte ein Gartenfreund großzügig sein und den Maulwurfhügel hinnehmen," meint Ricarda Lehmitz. "In diesem Jahr ist der Rasen ohnehin nicht zu retten, die Maulwürfe aber schon!"

Bildergalerie Flüsse und Tiere sterben den Hitzetod

Weiße Schöps bei Kodersdorf
Der Weiße Schöps bei Kodersdorf ist zum Rinnsal geworden. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Weiße Schöps bei Kodersdorf
Der Weiße Schöps bei Kodersdorf ist zum Rinnsal geworden. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Hochwasserstein von 1766 am Weißen Schöps
Tragisch damals und heute am Weißen Schöps: 1766 Hochwasser, 2018 Niedigwasser. Der Pegel misst weniger als 20 Zentimeter. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
"Heiße" Fische im flachen Schöps
Im flachen Schöps herrscht kaum noch Bewegung. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Wasserentnahmestelle am Schöps
Eine derzeit "illegale" Wasserentnahmestelle am Schöps: Wird die Pumpe eingeschaltet, kann das ein Bußgeld von 50.000 Euro zur Folge haben. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Ausgetrockneter Bachlauf in der Oberlausitz
Ausgetrockneter Bachlauf in der Oberlausitz: An den Pegeln der Oberläufe von der Spree in Ebersbach und am Löbauer Wasser in Großschweidnitz wurde der niedrigste jemals gemessene Abflusswert erreicht. Die Quellgebiete einiger kleinerer Gewässer sind bereits ausgetrocknet. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Regenwurm im Boden
Ohne Regen vertrocknen selbst Regenwürmer: Ein Lumbricus badensis in seinem "Grab"gang. Bildrechte: Senckenberg Naturkundemuseum Görlitz
Springschwanz - Bodeninsekt unter Mikroskop
Die Springschwänze - Folsomia sexoculata (Collembolen) - sind kleine Insekten. Ihre dünne Haut macht sie anfällig für Austrocknung.
 
Bildrechte: Senckenberg Naturkundemuseum Görlitz
Maulwurf im Boden
Maulwürfe können in sehr trockenen Böden nicht graben. Das Substrat ist zu hart. Dann verlassen sie manchmal ihre Gänge, um oberirdisch Würmer und Insekten zu jagen oder feuchtere Böden aufzusuchen. Oft sterben sie an der Oberfläche an Erschöpfung, verhungern oder verdursten bei der Hitze. Bildrechte: Senckenberg Naturkundemuseum Görlitz
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Maulwurf im Boden
Ein Maulwurf im trockenen Boden. Bildrechte: Senckenberg Naturkundemuseum Görlitz

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.08.2018 | 7 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 07. August 2018, 20:34 Uhr

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