26.11.2019 | 16:31 Uhr Görlitz wirbt um Polen in Großbritannien

So schön ist Görlitz
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Die Europastadt Görlitz-Zgorzelec startet heute eine Kampagne, um europäische Fachkräfte an die Neiße zu locken. "Wir haben heute schon eine Vielzahl an ausländischen Fachkräften, die bei uns arbeiten und wir brauchen mehr, weil die demografische Entwicklung das nötig macht", erklärt Andrea Friederike Behr. Sie ist Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH.

Die neue Werbekampagne richtet sich vor allem an Polen, die in Großbritannien leben. Denn die treiben die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit um. Familien mit Kindern wollen näher zu den Großeltern und damit zurück Richtung Heimat, hat Behr beobachtet.

Internetseite soll Fragen beantworten

Über eine Plattform im Internet sollen Interessenten Informationen an die Hand gegeben werden, die sie von einem Umzug nach Görlitz oder Zgorzelec überzeugen könnten. Besucher der dreisprachigen Website finden dort Geschichten von Neu-Görlitzern, die heute schon in der Stadt leben, wohnen und arbeiten. Dort ist von Mitarbeitern bei Birkenstock, in den Kliniken und dem Theater zu lesen.

Neben diesen Erfolgsgeschichten werden zahlreiche Fragen beantwortet: Wo bringe ich meine Kinder unter? Wo lerne ich die Sprache? Welche Jobs gibt es in der Region? "Wir können nicht jede Fachkraft, die Interesse an unserem Standort hat, an die Hand nehmen, sondern wir versuchen mit dieser Seite, mit Informationen über Görlitz wie über Zgorzelec, den interessierten ausländischen Fachkräften so viele Fragen wie möglich zu beantworten", erklärt Andrea Behr.

Gezielt Polen in Brexit-Hochburgen erreichen

Eine Kampagne in Sozialen Medien soll die Seite welcome-goerlitz-zgorzelec.com in Großbritannien bekanntmachen. Geworben werde insbesondere auf Facebook und in speziellen Printmedien für polnische Fachkräfte. "Wir haben nicht die großen Budgets um Riesenplakate an Flughäfen oder Ähnliches aufzuhängen, sondern wir werden gezielt polnische Gruppen in Großbritannien ansprechen", begründet Behr. Dabei will sie vor allem Orte ins Auge fassen, an denen viele Menschen für den Brexit gestimmt haben. "In London wird man damit weniger Leute begeistern können", vermutet Andrea Behr.

Die Fachfrau fürs Stadtmarketing hofft, bei den Polen in Großbritannien auch mit dem guten deutsch-polnischen Miteinander in der Europastadt punkten zu können. "Es gibt Polen, die auf der anderen Seite leben aber bei uns arbeiten. Es gibt Polen, die bei uns leben und arbeiten, aber drüben zum Arzt und einkaufen gehen", erzählt sie. So böte die Stadt auch für neu zugezogene, polnische Familien viele Vorteile: "Wenn ein Kind noch kein Deutsch kann, dann kann es in Zgorzelec in den Kindergarten oder die Schule gehen."

400 Rückmeldungen auf einen Artikel

Andrea Behr hat selbst "sehr gute" Erfahrungen mit polnischen Fachkräften gesammelt. In ihrem Unternehmen arbeiten drei Polen. "Ich bin immer wieder fasziniert, wie fließend diese Fachkräfte Deutsch sprechen und wie schnell sie es lernen, wenn sie es am Anfang noch nicht können", sagt Behr. Sprachunterricht werde von den Europa- und Volkshochschulen angeboten. Aber auch einige Unternehmen böten inzwischen selbst Sprachausbildungen an.

Dass sich das Engagement lohnt, hat Andrea Behr erst vor Kurzem erfahren. Die britische Tageszeitung "Guardian" hatte einen Artikel über Görlitz veröffentlicht. Danach hätten sich mehr als 400 Menschen bei der Stadt gemeldet. Von einer Ärztin bis zu einem Schweißer, von einer OP-Schwester bis zu einem Lkw-Fahrer habe sie Anfragen erhalten, berichtet Behr. "Da bin ich gespannt, wieviele Anfrager wir jetzt auf unsere Kampagne bekommen."

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.11.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 16:33 Uhr

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